Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1883)
- Date
- 1883-10-15
- Page
- Seite 677 (sequence 3)
- Language
- German
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677 menten rc." Die sonst so einfache und nüchterne Mischna lohnen, alle diese Parteien eingehend zu charakterisiren. Es drückt sich über den Jubel dieses Festes dahin aus, daß wer! wäre unzweifelhaft von großem culturhistorischen Interesse; die Freuden des Festes des Wafferschöpfens nicht gesehen, j aber auch nicht mehr. Denn schnell, wie diese Parteien sich hat keine wahre Volksfreude gesehen. Nach dem Einsammeln s gc&iü>et haben, so schnell haben sie sich wieder aufgelöst, des Ertrages war das nothwendigste Bedürfniß der Regen,; Kaum hat der antisemitische Sturm, der sie gebracht hat, der reichlich fließende, der die Erde sättige und die Flüsse sich etwas gelegt, so sind sie verschwunden, und es blieben und Bäche fülle. Gerade zu dieser Jahreszeit deshalb das nur ihre Projecte zur Lösung der jüdischen Frage nach, die Gebet und das Freudenfest des symbolischen Wafferschöpfens. mutatis mutandis meist zu brauchen sind, weswegen wir sie Selbstverständlich ist mit dem Falle Jerusalems all' hier in aller Kürze resumireu und ihren Werth und Unwerth diese Herrlichkeit verschwunden. Jndeß sorgte das traditioerwägen werden. nelle Gesetz dafür, daß die Ausübung der ceremoniellen Vor- Was all diesen Projeeten gemein war, ist, daß sie nur schriften auch in den Zeiten der Zerstreuung durch alle Länder die äußere oder materielle Seite der jüdischen Frage im Auge der Erde erhalten bleibe. Wo auch der Jude weilte, nach hatten, und bloß dieser abhelfen wollten, während die innere dem Schluffe des Versöhnungstages ging er an den Aufbau oder moralische Seite derselben sie gar nichts anzugehen schien, einer Laubhütte, darin zu weilen sieben Tage. Und in der Das ist auch begreistich. Die „alten" oder orthodoxen Juden That, das Fertigen und Ausschmücken der Laubhütte und haben leider nichts gelernt, aber auch nichts vergeffen. Ihr der Aufenthalt in ihr brachte der Familie manche Freude, 7.7-21 das an Fatalismus grenzt, macht sie durchaus kurzsobald Ruhe und Sicherheit vorhanden waren und unter sichtig, und beraubt sie jeden diplomatischen Blickes in die dem nordischen Himmel die Stürme und Regengüsse des Zukunft. Man kann ihnen keineswegs ein warmes Jntereffe Herbstes keine Störung der Freude mit sich brachten. Immer für die geistigen Güter des Judenthums, ebenso wie eine aber kommt es noch heute darauf an, den großen religiösgewiffe Opferfreudigkeit für deren Erhaltung und Förderung sittlichen Gedankeninhalt, den das Gesetz einschließt, in uns absprechen; allein schon davon abgesehen, daß sie von den lebendig zu erhalten: daß wir die irdischen Güter, so viel! geistigen Gütern des Judenthums eine ganz absonderliche — oder so wenig davon uns verliehen sind, nicht als ein Erum nicht mehr zu sagen — Vorstellung haben, wiffen sie rungniß unseres Verdienstes und unserer Klugheit ansehen,! auch nicht. Dank ihrer Kurzsichtigkeit und ihres Mangels an jeder sondern als eine Gabe des gütigen Geschickes betrachten, die uns zum richtigen Gebrauche gewährt worden, daß wir überhaupt wiffen und empfinden, wie nicht in ihnen der Werth und wahre Genuß des Lebens besteht, daß wir auch ohne sie der lauteren Freude vor Gott das Herz offen erhalten müssen und in unserer Gesinnung und unseren Thaten uns stets bewußt seien, wie alle Menschen, so verschieden auch ihre Lebensstellung sei, gleich sind vor Gott in Pflicht und Recht'. Petersburger Sriefe. Unsere Gegenwart und Zukunft. IV.') diplomatischen Einsicht, wie ihre geistigen Jntereffen trotz aller Opferfreudigkeit zu erhalten und zu fördern seien, und glauben sie noch immer jenen Jntereffen am meisten dienlich zu sein, wenn sie dieselben ganz unangetastet laffen, oder gar, wenn sie durch Schleichwege und Denunciationen Bildung und Gebildete unterdrücken und verfolgen. Es ist ausgemachte Thatfache, daß sie im vorigen Winter, als von gewiffer Seite die Gründung einer jüdischen theologischen Akademie projectirt wurde, die Regierung angingen, besagte Lehranstalt ja nur nicht bestätigen zu wollen, weil — wie sie motivirteu — eine solche Lehranstalt Nihilismus und Anarchie nur noch mehr unter die gebildeten Juden verbreiten werde. Von solchen Herren ein richtiges Verständniß für die moralische Noth der russischen Judenheit erwarten. das wäre wohl zu viel verlangt. Geht ihnen ja selbst für ihre materielle Noth Nachdem ich die innere oder moralische und die äußere oder materielle Seite der jüdischen Frage besprochen, that ich. jedes Verständniß ab. Sollen sie ja, wie allgemein behauptet der in Folge der traurigen Ereigniffe der letzten Jahre innerj wird, und was durchaus nicht unwahrscheinlich ist, selbst bei halb der russischen Judenheit gebildeten Parteien Erwähnung,; der Regierung nachgesucht haben, den Juden ja nur keine welche alle ein und dasselbe Ziel verfolgten, nämlich: die, Emancipation zu gewähren, weil diese der Religiosität und Lösung der jüdischen Frage. Es dürfte sich wohl der Mühe! Moralität nach ihrer Meinung gefährlich werden könnte. - | Aber auch die russische jüdische Intelligenz scheert sich wenig um l) Der obige Brief eine Fortsetzung der früheren Correspon- , bie moralische Seite der jüdischen Frage. Wenn alle Juden andranges aus den Tagesereignissen bis jetzt zurückgelegt werden.! emes schonen Tagev das Chrlstenthum annehmen wurden, Sein Inhalt welcher die allgemeinen Beziehungen und Verhältnisse bamäre — nach ihnen — ganz selbstverständlich die beste unserer ruyischen Glaubensgenopen charakterisier, verlecht chm ern , J ' . . ungemindertes Interesse. Redaktion.! Losung der unglückseligen indischen Frage. Eine ähnliche 42*