Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 131 (1.11.1838)
- Date
- 1838-11-01
- Page
- Seite 529 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224988--01388-3309640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
329 Brüder Ln Israel: Es gelange zu euerer Kunde, daß der Messias Sabbathey Zwy, in Smyrna geboren, sein Reich bald offenbaren werde. Die Krone wird er vom Haupte dem Sultan nehmen, und sich dieselbe aufsetzen. Wie ein Sklave seinem Gebieter wird er ihm folgen. Sabbathey wird dann unsichtbar werden, über den Bach Sambation setzen, daselbst mit der Tochter Mosi's sich vermahlen, die zehn Stämme an sich ziehen, und unter Mosi's Begleitung aus einem mit einer si'ebenköpsigen Schlange gezügelten Drachen in Jerusalem einziehen. Auf diesem Zuge wird Gog und Magog mit einem mächtigen Heere ihn überfallen. Aber nicht mit gewöhnlichen Waffen wird der Messias seine Feinde besiegen. Seines Mundes Hauch wird hinreichen sie niederzustürzen, und sein Wort allein wird sie vollends vernichten. Nach seinem Einzüge in Jerusalem wird Gott, den im Himmel aus Gold und Edelsteinen erbaueten Tempel zur Erde herablassen, Ln welchem der Messias als Hoherpriester opfern wird. Ich eile, dies alles euch bekannt zu machen." Durch diese und mehrere ähnliche Proklamationen ließen sich eine Menge Leichtgläubiger berücken zur Fahne des neuen Messias zu schwören. Sabbathey's zwei ältere Brüder Elias und Joseph betrieben auch von Smyrna aus seine Sache, und wußten dadurch dessen Partei bedeutend zu vermehren, indem sie allenthalben Briefe von Sabbathey und Nathan bekannt machten, in welchen sie durch Stellen aus dem Sohar und aus anderen kabbalistischen Schriften die Aechtheit ihrer Sendung zu beweisen suchten. Endlich: Unter Mohammed IV. warf sich Sabbathey zum Messias auf. Unter diesem Fürsten ward das Reich der Osmanen durch innere Faktionen zerrüttet, und von mächtigen auswärtigen Feinden bedroht. Deßwegen würdigte die mit wichtigeren Angelegenheiten beschäftigte Regierung diese Umtriebe gar keiner Aufmerksamkeit, und die Sektirer hatten bequeme Gelegenheit ziemlich lange ungestört ihr Unwesen zu treiben. Nach mehrjährigem Aufenthalte zu Jerusalem sagte Sabbathey eines Tages: ich muß nach Aegypten! mich erwartet dort die bei meiner Geburt mir vom Himmel bestimmte Gemahlin. Er reiste ab, und heirathete ein polnisches Mädchen das er in Aegypten fand. Da aber alles was Sabbathey betraf, das Gepräge des Wunderbaren tragen mußte, so erzählte man sich folgendes von dieser dritten Gemahlin: Sie sei ihrem Vater Rabbi Mayer bei einem Einfalle der Russen in Polen 1648 als sechsjähriges Kind geraubt worden. Vergebens suchten die trostlosen Eltern durch mehrere Jahre die verlorene Tochter, bis sie endlich erfuhren, daß sie getauft in einem Kloster erzogen werde. Umsonst ward alle Mühe angewendet, das Kind wieder zu bekommen. Vater und Mutter starben vor Gram. Dem achtzehnjährigen Mädchen erschien des Nachts des längst verblichenen Vaters Geist, hob die Nackte aus dem Bette, flog durchs Fenster, und ließ sich mit ihr in fernem Lande in grauser Nacht auf den stillen Gräbern eines jüdischen Friedhofs nieder. Ich bin dein Vater sprach er, du bist von jüdischen Eltern. Bald werden deine Glaubensgenossen des nahen Städtchens hier eine Leiche beisetzen, dich zu deinem Bruder Samuel nach Amsterdam bringen, der nach Aegypten dich führt, und dem Sohne Davids, dem Messias Sabbathey Zwy dich vermählt. Der Geist verschwand. Der Morgen grauet, es nahet der Leichenzug. Das Mädchen erzählt die Geschichte, man bekleidet sie, und schafft sie nach Amsterdam. Ihr Bruder geleitet sie nach Aegypten, wo so eben Sabbathey angelangt war, der sie heirathet. So viel soll indessen an dieser Geschichte wahr sein, daß die erwähnte Dame nicht den empfehlendsten Lebenswandel geführt habe; daß sie ganz Deutschland und Italien durchstrich, und endlich in Aegypten Sabbathey ihre feile Hand reichte, und daß ihr Bruder Samuel ein Tabakkrämer zu Frankfurt, seine Bude schloß, um seines Schwagers Kronen zu (heilen, ihn aber bald, betrogen wie viele andere, wieder verließ. (Fortsetzung folgt.) B e l l e t r i st i k. An Israel. Verhallet nun, ihr bangen Klagelieder, Der Freude nur sei dein Gesang geweiht, Der Freiheit gold'ne Lage kehren wieder, Entschwunden ist die ernste Prüfungszeit, Vorüber Druck und schwere Tyrannei: Jehova's Volk — es fühlt sich stark und frei! — Du hast Jahrhunderte im Kampf gerungen, Verachtung war des Juden herbes Loos, Die Zeit der Vorurtheile ist bezwungen Und Wonne lächelt aus der Zukunft Schooß: Durch finst're Wolken bricht der Freiheit Licht, Drum Israel, mein Volk! verzage nicht! —- Dich hat der Herr vor anderen Nationen Zum Werkzeug seiner Gnade auserwählt, Der Äturm der Zeit vernichtete Millionen: Du standest fest, durch Glaubenskraft gestählt, Gelitten hast du nach des Herrn Gebot: Der Glaube war dein Anker in der Noth! —