Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 131 (1.11.1838)
- Date
- 1838-11-01
- Page
- Seite 530 (sequence 4)
- Language
- German
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530 So, Israel, halt fest an deinem Glauben, ES ist dein Heil, dein allerhöchstes Gur, ES ist ein Schatz, den nimmer Menschen rauben, Der dich beseelt mit kräftig starkem Murh: Ob Völker auch im Zeitensturm vergehn, Jehova's Volk wird ewiglich bestehn! — Und so von Frömmigkeit, von Dank durchdrungen, Bewahre dich vor Uebermuth im Gluck, Vergiß nicht, daß du Klagen einst gesungen, An deine Thränen denke Israel! zurück: Gelaffen trage nun so Freud' als Leid: Erhalten wird dich — Glaubenseinigkeit! — Magdeburg den 19. Sept. 1838. Detmold Löwenheim. Correspondenzeu, Auszüge, Repliken. Kleine Berichte. Körmend (Unzarn) Oktober. Die Unpartheilichkeit, welche die Attg. Ztg. des Jud. an ihrer Stirn trägt, hat sich bis jetzt, selbst in den schwierigsten Lagen bewährt. Um so eher werden Sie folgenden Zeilen Aufnahme vergönnen, da Unpartheilichkeit ja die Wahrheit und nicht Vergünstigung der Halbheit will. Sonst will auch ich meine Worte eben nur als meine Ansicht hinstellen. Die ungarischen Correspondenten der allg. Z. d. I. sind nicht die aufrichtigsten Berichterstatter. Dieselbe rauchen ihre von Vsterlandövorliebe gespitzte Feder in die Farben der in Deutschland blühenden, kirchlichen Verhältniffe der Juden und malen ein Ungern, in welchem sich schwerlich eine unserer Gemeinden erkennen kann. — Liest man z. B. von den großen Leistungen der Schulen in Eisenstadt, Kreutz, WaraSdin tTff., sollte man da nicht glauben, als erbeben sich wirklich in diesen Orten die lichtesten Punkte der dämmernden Aufklärung? — Allein himmelweit sind die nur mit Zwang eingeführten, und gegen ewige Widerstrebungen kämpfenden jüdischen Normalschulen UngernS noch zurück, um wahrhafte Bildungsanstalten genannt zu werden. Mit Unwillen schicken die Eltern ihre Kinder dahin. Mit noch größerem Widerwillen gehen die Kinder. Die Lehrer, welche ebenfalls nicht durchgehendö schulgerechte Pädagogiker sind, vermögen durch ihre hie und da aufgegriffene Pedanterie, die gute Sache mehr zu unterdrücken, als zu erheben. Wie kann eö auch anders sein? Nicht in einer der genannten Gemeinen, ist auch nur der kleinste Tbeil für das Besteben ordentlicher Schulen. Nur die wenigen Bessern, welche durch Lektüre oder Geschäftsreisen, von guten Vorbildern angeregt werden, dringen darauf; aber weder der Wille, noch die ungenügenden Beiträge Einzelner sind im Stande durchzudringen. — Die heutigen Juden Ungarns, von denen im 15ten Jahrhunderte unterscheiden sich nur darin, daß ihr Glaube wankender und ihre Kenntniß der Religion seichter ist. Noch predigen unsere Rabbinen Fluch und Bann wider die Kapitalsünden, daß die Frauen ihre Haare sehen lasten und die männliche Jugend Schnurbärte trägt. — Ob die Herzen für Menschlichkeit schlagen, ob die Lippen Trug und Falschheit meiden, ob Handel und Wandel der Leute recht und sittlich ist — ob unsere Seele einen geläuterten Glauben von sich, ihrer Unsterblichkeit und ihrem Gotte hat,depen hören wir keine Rüge.-Sobald eine jTtü'-n nur einige sophistische Spitzfindigkeiten den rein heiligen Worten der Propheten unterschiebt, so ruft der Rabbine voll Begeisterung Hewicka! nnd die entzückte Gemeinde ihren snD Nur philosophisch gebildete Redner könnten unS retten. Nur die ächte Wettweiöheit ist im Stande, die Verstockten zu erweichen und die Verirrten auf die sanfteste Weise zu Rechte zu führen. — In andern Landern, hellet sich, mit jedem Todesfälle eines dem Kultus entgegenkämpfenden Rabbinen, der religiöse Zustand auf. Zeitgemäße Reden treten an die Stelle der rn»üTi voll Krümme und nou-sens. Wahrhaft gebildete Männer besteigen die Stühle, welche früher Finsterlinge inne hatten. In Ungern sind wir nicht so glücklich. — Die neuern Rabbinen meines Vaterlandes, stehen ihren Vorgängern nur in Fleiß und Kenntniß in talmudischen Fachern nach. — In ihren Mängeln sind sie die treuesten und würdigsten Nachfolger. So zum Beispiel, verschreibt sich gegenwärtig die sehr große israelitische Gemeinde zu Bonghard einen Rabbine aus Ruffisch-Polen, von welchem sie nichts mehr weiß, als daß derselbe seine bisherige Zeit in einer talmudischen Schule (rpi verlebte,mit allem Weltlichen so unbekannt sei,das; er, zu seinem größten Ruhme wird'6 gesagt — keine Münze verstehe. Kann aber ein Mann unser Herz bilden, wenn ihm die Verhältniffe deS Lebens fremd sind? — — Wie wahr sind nicht die gediegenen Worte meines sehr verehrten Freundes über die Israeliten zu Papa. Nachdem derselbe die Gebrechen seines Ortcö mit der Wahrheiröfackel beleuchtet, empfiehlt er ihnen zur Radicalbeilung, eine im Geiste der Zeit gereifte Religionslehre. Leider, daß seine Worte fruchtlos bleiben. — Leider daß die meisten Orte UngernS jenem werthvollen Aussatze ein „Tont cotnme chez nous“ zu rufen könsen. — Wie oft bietet nicht die hohe Regierung und jede partielle Grundobrigkeir die Hand, um die jüdischen Einwohner zu erhellen, und (ic dem Gewirre zu entwinden; — nein, man macht Gesuche, überläuft die Gerichte, um nur ja — im Schlamme verweilen zu können. Von Ihrem Deutschlande her, ertönt die Posaune der Erlösung unsrer Nation, auö dem Joche verjährter Mißbräuche. — Nur daö große Ungern allein hort'ö mit an, ohne daß ein Funke von Nachahmung in ihm erglimmet. Die Zeit hat allenthalben den Rest der Vorurtheile abgenagt; — an Ungarns Israeliten ging die alles reifende Zeit spurlos vorüber. So und nicht anders steht eö mit unsereur CultuS." Was auch öfters einige affectirte Correspondenren davon auSposaunen mögen. Der Beffere, brauchte sich desien, waS sein Vaterland nicht ist, nicht schämen. — Waö man Ihnen, verehrter Herr Redacteur, übrigens von den erhabenen Tugenden unserer Obrigkeit mittbeilt, ist nur immer noch zu wenig. — Mit einem besonders gütigen Vaterauge, bewacht unser höchstweiser Monarch den Unbedeutensien seiner Unterthanen, und mit der gewissenhaftesten Strenge bemühen sich alle hohen und subalt. Gerichte, in dem hohen Sinne ihres allgemein verehrten Königs zu handeln. Die ungarischen Magnaten als unsere Grundherrschaften, dehnen ihr bekanntes Streben, die ungarische Nation, durch Künste und Wiffenschaften demAuölande gleich zu stellen, auch auf ihre jüdische Schützlinge auö. — Druck von Z. B. Hirfchfeld<