Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-01 · Heft 131 (1.11.1838) · p. Seite 528

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 131 (1.11.1838)
Date
1838-11-01
Page
Seite 528 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224988--01387-3309639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

528 bel einige ihn ehrende Beurtheilungen derselben mittheilt. Es ist nicht eitle Ehrsucht, die iyn zu dieser Veröffentlichung bewog, sondern die Nothwendigkeit, die mancherlei Angriffe seiner Arbeit zurückzuweisen. Zuerst giebt er einige Worte des Consistoire central, die zu Ende einer Antwort standen, welche dasselbe an ihn auf die Anforderung, eine bibliotheque centrale rabbinique zu bilden, erließ, indem es den Mangel an finanziellen Mitteln vorschützte. Alsdann ein hebräischer Brief des Hr. Wolf Frankes zu Lemberg, der allerdings viele Lobeserhebungen enthalt. Endlich das Zeugniß der in Paris erscheinenden Science populaire de Claudius, die immer nach der Cahen'schen Übersetzung citirt. Daß Herr Cahen einen sehr bedeutungsvollen Gegner in Herrn Reggio in Görz gefunden, wird Ihnen bekannt sein. Sonderbar genug äußert er sich öffentlich zuerst in der Kath. Kirchenzeitung, die in Frankfurt am Main erscheint *). Dresden, 10. Okt. Gestern ward die Synagoge der hiesigen israelitischen Gemeinde, wozu am 21. Juni d. I. feierlich der Grund gelegt worden, gehoben. Das Gebäude, dessen Mitte mit einer Kuppel, neben welcher sich zwei kleinere erheben, geschmückt ist und das mit englischem Schiefer gedeckt werden wird, gewährt, von der Brühl'schen Terrasse und der Moritzallee aus gesehen, einen großartigen Anblick, und soll, wenn es die Witterung erlaubt, in seinem Aeußern noch vor Jahresschluß vollendet werden. Nur wird allgemein bedauert, daß dieser im morgenländischen Geschmack gebaute Tempel durch die Aufführung mehter Bürgerhäuser, wozu bereits Anstalten getroffen sind und neuerlich wieder eine Parcelle des anstoßenden Gartens verkauft worden ist, dem Auge zum größten Theil entzogen werden wird **). (L. A. Z.) Geschichte. Sabbathey Z w y, eine biographische Skizze. Von D r. H o r s ch e tz k y. (Fortsetzung.) Nathan Benjamin, ein gelehrter Jude zu Gaza, der in Asien großes Ansehen sich erworben hatte, theilte Sabbathey's Ansichten, und ließ sich herbei die Rolle des Propheten °) Wir haben das Schreiben des Herrn Reggio, aus welchem in der Katholischen Kirchenzeitung einige Stellen entlehnt waren, vollständig in Händen, und werden es bald mittheilen. R e d a c t. **) Man wird sich auS früheren Berichten in dieser Zeitung erinnern, daß ohne diese Verkäufe daS Kapital zur Erbauung der Synagoge durchaus nicht zu beschaffen war. Redact. Elias, welcher des Messias Vorläufer ist, zu spielen. Es ist nöthig diesen Nathan, ein mächtiges Getriebe in diesem Rade des Betruges genauer kennen zu lernen. Er war eigentlich ein Deutscher, daher ihn Einige Nathan Aschkenasi, und weil er nachher zu Gaza wohnte, auch Gazasi nennen. Zur Vervollkommnung seines Studiums reiste er nach Jerusalem. Er zeichnete sich im Talmud und in der Kabbala ungemein aus; mußte sich aber in Jerusalem blos durch Almosen erhalten. Sein berühmter Lehrer Rabbi Jacob Chagis empfahl ihn dem sehr reichen Samuel Lisbonna in Gaza. Er fand hier freundliche Aufnahme, und der reiche Lisbonna ward durch Nathans Gelehrsamkeit und sittliches Betragen so eingenommen, daß er ihm, ein Auge abgerechnet, seine übrigens ungemein schöne Tochter zur Frau gab, und um den Studien sorgenfrei obliegen zu können, einen lebenslänglichen Gehalt zusicherte. Trotz der tiefen Gelehrsamkeit in den erwähnten Fachern war Nathan nichts weniger als ein finsterer Gelehrter; er war sehr guter Laune, die er aber einmal plötzlich änderte, die Einsamkeit suchte, und öffentlich Büßpredigten hielt. Als ihn Freunde um die Ursache der schnellen Aenderung fragten, erwiederte er: wisset daß der Messias im Anzuge ist, und nächstens erscheinen wird. Ich bin daher verpflichtet, durch Buße und Kasteiungen dessen Ankunft und Herrschaft zu beschleunigen. Als Sabbathey auf seinem Wege nach Jerusalem durch Gaza reiste, rief dieser Nathan Benjamin aus: „dies ist der Heiland Israels, der Gesalbte des Gottes Jakobs! Von ihm haben alle Propheten geweissagt!" Sabbathey ließ ihn zu sich holen. Nathan erschien unverzüglich. Beim Eintritt in das Zimmer warf er sich sprachlos zu Boden. Sabbathey hieß ihm aufstehen, und fragte: WaS hast du von mir gesprochen? und wer sagte dir daß ich der Heiland Israels sei? Da erwiederte Nathan z-itternd: Ich schwöre beim allmächtigen großen und furchtbaren Gott, daß ich ihn den Ewigen, wie einst der Prophet Ezechiel, auf seinem Thronwagen sah; die zehn Sephirot brausten wie Meereswogen um ihn her, und eine Stimme rief mir zu: So spricht Jehova: Gekommen ist euer Heiland: er heißt Sabbathey Zwy. Er schreitet einher wie ein Held, wie ein Krieger von Rache entflammt. Er jauchzt, brüllt schrecklich, ist seinen Feinden überlegen *). Nicht mir gehört habe ich diese Prophezeihung, sie stand auch mit feurigen Buchstaben vor mir geschrieben." Nathan ließ nun folgendes Sendschreiben an alle jüdische Gemeinden des türkischen Reiches ergehen: *) Jesaja 42. 18.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.