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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-09 · Heft 41 (9.10.1883) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 41 (9.10.1883)
Date
1883-10-09
Page
Seite 671 (sequence 13)
Language
German
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671 zigen Zimmer der Hütte durch eine gigantische Kohlen Zeichnung! war über das Werk ausgegossen, ein eminentes Talent offenverunziert fand, ergrimmte er so sehr, daß Püffe und Hiebe > barte sich, und die staunende Bewunderung war allgemein kaum mehr als Aeguivalente der ungeheuerlichen Frevelthat unter allen, die das Bildwerk sahen. Freilich kümmerten sich erachtet werden konnten; gleichzeitig aber erkannte er, daß nicht viele darum, die großen Akademie-Professoren am wedie Leidenschaft seines unglücklichen Sohnes für die Kunst nigsten! Aber Marcus fühlte sich dadurch nicht beirrt; er jeder Repression spotte, und so entschloß er sich kurz, durch war auf dem rechten, auf seinem Wege zum Ziel, und schon Wahl eines Lehrmeisters das Talent wenigstens in die Bahn im nächsten Jahr vollendete er ein zweites Hautrelief, dieszum Gelderwerb zu leiten. Marcus trat als Lehrling keinmal aus Holz und Elfenbein, einen Geizhals, der sein Geld einem Holzschnitzer ein. Mit 'rastlosem Eifer eignete er sich! zählte; und mit diesem Werke von außerordentlicher Naturin kürzester Frist die Geheimnisse des Handwerks an, formte Wahrheit der Geberde, von unnachgiebiger Realistik in Detail und schnitzte mit leidenschaftlicher Hingebung, und bald handhabte er Schnitzmesser, Stichel und Raspel so geschickt, daß und Costüm steigerte er die Bewunderung seines Talentes, die Abneigung der Anhänger des alten Systems, steigerte er er die Aufmerksamkeit von Kennern und Kunstliebhabern aus! vor Allem die Erwartung größerer und größter Schöpfungen sich zog. Es fand sich in der Person des Gouverneurs von Wilna, General Razinoff, sogar ein Gönner, der ihm den Eintritt in die kaiserl. Kunstakademie zu St. Petersburg cröffnete. aus seiner genialen Hand. Doch mußten diese Erwartungen sich gedulden, denn es vergingen fünf Jahre, bis der mit der Noth des Lebens aufs Bitterste ringende Jüngling ein epochemachendes Hauptwerk Ein heiß ersehntes Ziel war hiermit für Marcus er-; schuf: Iwan den Schrecklichen, reicht: er war Akademie-Schüler und konnte, ob auch unter! Das Bildwerk kam unter unendlichen Schwierigkeiten Hunger und Kummer (denn seine Subsistenzmittel waren fast! zu Stande. Antokolsky hatte natürlich kein Atelier: er bat gleich Null), nach dem Höchsten in der Kunst ringen. Sein! um eins in der Akademie — vergebens! Er bat um die eiserner Wille, seine absolute Hingabe an die Kunst, sein nicht Erlaubniß, während der Ferien ein Classenzimmer benutzen zu ermüdender Fleiß mußten, dessen war er gewiß — ihn j zu dürfen — man gestattete es nur unter drückenden Beendlich Alles erreichen lassen. Freilich an die Borbilder, j dingungen, und als der unter Hunger und Krankheit zuwelchc ihm die Leiter der Akademie, die damals berühmtesten i sammenbrechende Jüngling die Arbeit einige Wochen aussetzen Künstler Rußlands, in ihren eigenen Werken stellten, durfte i mußte, verfuhr man auf's Schnödeste mit dem unvollendeten er sich — das erkannte er bald — nicht halten. Im Kunst-! Werke: Marcus fand dasselbe, zurückkehrend, in Stücken über leben der Akademie herrschte der Teufel des Pseudo-Classicis-! einander gehäuft in erner Rumpelkammer auf dem Akadcmiemus unumschränkt. Originalität, Darstellung des wirklichen j Boden. Lebens, Naturwahrhcit, realistische Wiedergabe des Geschauten I Schwach und schwindelig noch von seiner Krankheit, verwaren als vulgär und herabwürdigend verpönt; mythologisches zweifelnd fast an der Möglichkeit', in alter jammervoller und allegorisches Formenwesen schnürten Geist und Hand der Weise weiter zu leben, erschüttert durch den Anblick seines Schüler in unlösbare Bande ein. , zertrümmerten Werkes, hielt er gleichwohl den Muth aufrecht. Für die Bildhauerkunst namentlich gab es keine andere Er wollte dasselbe vollenden und — er vollendete es. Aufgabe als die Verherrlichung der Helden des ofsiciellen Iwan der Schreckliche war endlich fertig! Ein wunderbares Rußlands unter mythologischer Maske, und so waren unter Bildwerk: Der blutige Wütherich, in düstere Gedanken Verden Händen der gefeiertsten Künstler damaliger Zeit Bitaly,! senkt, auf einem Thronsessel. Er fühlt sein Ende nahe und' Pimcnoff, Tolstoy, Baron Klodt eine Anzahl von Skulptur-j überdenkt mit aufsteigendem Schauder seine entsetzliche Berwerken hervorgegangen, die, ob auch technisch lobenswerth,! gangenheit. Die auf seinen Knieen ruhende Bibel hat ihm vom Gesichtspunkt künstlerischen Schaffens, der künstlerischen! keinen Trost zu geben vermocht. Starr, fast verzweifelnd Conception absolut wcrthlos erachtet werden mußten. sitzt er da, aber auch so noch immer bereit, in wilder Zornes- Gegen diesen tyrannischen und innerlich hohlen Formalisaufwallung nach dem Eisenstabe, dem furchtbaren Bollzugsmus bäumte sich die gedrückte, aber nach Freiheit und wahrer! Instrument seines Grimmes, zu greisen und Menschenleben Kunst lechzende Seele aus, und in leidenschaftlicher Opposition zu vernichten. — schuf er — ganz insgeheim — ein Werk, das der herrschen-, Antokolsky wußte, was er in diesem Werke geschaffen, den Richtung so feindselig gegenüber stand, wie das Feuer und forderte Prüfung desselben durch die Professoren; aber dem Wasser, ein Holzschnitzbild, darstellend einen armen verdiese, der Richtung des jungen Künstlers überdies abgeneigt, hungerten jüdischen Schneider, der in Mütze und Kaftan bequemten sich nicht einmal dazu, die Treppen zur Bodenkreuzbeinig dasaß, ganz ausgehend in dem Bemühen, eine kammer emporzusteigen und verweigerten die Besichtigung.— Nadel einzufädeln. Eine bewunderungswürdige Naturtreue Antokolsky blieb fest, so schwach und krank er war. Er

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