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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-09 · Heft 41 (9.10.1883) · p. Seite 669

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 41 (9.10.1883)
Date
1883-10-09
Page
Seite 669 (sequence 11)
Language
German
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669 fessioneller Friede, bürgerliche Eintracht und religiöser Geist heilig gehalten werden, so würde nicht zur Schande der Menschheit und unseres Jahrhunderts, wie in einigen Eomitaten Ungarns, statt Nächstenliebe Menschenhaß, statt religiöse und staatliche Wohlfahrt, Raub und Mord, Aufruhr und Mißachtung der Staatsgewalt und ihrer Organe die Gemüther ängstigen. Nachdem der Redner noch das Brautpaar ermahnte, seine Dankbarkeit und Verehrung gegen die allerhöchste Protektorin und gegen die ausgezeichneten Männer, die menschenfreundlich für dasselbe einstanden, dadurch zu zollen, daß es auch im Ehebunde Tugend übe, Ehrenhaftigkeit bethätige, jüdischen Geist wahre und in Liebe, Treue und Frieden einander stets angehöre, vollzog er in Gegenwart der zahlreich erschienenen Vertreter aller 3 Eonfessionen von Görkau den Trauungsakt. Nach dem Vollzüge der Trauung gratulirten die Spitzen der Bevölkerung dem Bez.-Rabbiner Herrn Or. Tauber für die so wirkungsvolle, den Geist wahrer Nächstenliebe lehrende Rede, die allen Anwesenden unvergeßlich bleiben würde. Die Angelegenheit gestaltete sich zu einem wahrhaften Kiddusch haschem. Rußland. Petersburg, 19. September. Die Londoner „Allgemeine Correspondenz" meldet unter diesem Datum, daß das Nihilisten-Organ „Narodnaja Wolja" wieder aufgetaucht ist und seine erste Nummer in sehr anständiger Ausstattung ausgegeben hat. Unter Anderem bespricht das Blatt die in letzter Zeit stattgehabten Studenten- und Arbeiterunruhen, sowie die Judenexcesse. Die Beschreibung des Jekaterinoslaw'schen Excesses weicht von der officiellen Darstellung gänzlich ab. Die Zahl der Todten wird auf mindestens 150 bis 200 angegeben. Das Volk — so wird berichtet — hat nach Wiederherstellung der Ruhe das Polizeigebäude stürmen wollen, um die Herausgabe der Leichen aus der dortigen Morgue zu erwirken. Die Polizei wagte es nicht, die Leichen auszuliefern, weil sie fürchtete, daß die große Anzahl derselben das Volk in Wuth versetzen würde. Uebrigcns liest man aus dem Blatte heraus, daß die Umsturzpartei diesen Excessen nicht fernsteht, sondern im Gcgentheil auf eine öftere Wiederholung derselben große Hoffnungen für ihre Zwecke setzt. — Man darf hierbei allerdings nicht außer Acht lassen, daß dieses Nihilistenblatt das Schlimme eben so zu übertreiben liebt, wie die Regierungsorgane cs abzuschwächen suchen. Daß die Nihilisten bei den Judenverfolgungen in Rußland nicht unbetheiligt gewesen sind, haben wir immer behauptet, und liegt ganz und gar in der Natur der Sache. Um so greller tritt das Verbrecherische des Jgnatiew'schen Regimes hervor, das den Nihilisten durch die Begünstigung der gegen die Juden gerichteten Unruhen in dieHände arbeitete. Bonn, 30. September. (Notizen.) Aus Verbo (Ungarn) wird uns geschrieben: Unter Theilnahme der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied der Confession wurde die hier neuerbaute Synagoge am 20. d. M. eingeweiht. Tie ganze Feier zeugte von dem Geiste des Friedens und der Eintracht, welche in der hiesigen Gemeinde herrschen. — Der frühere langjährige Stadtverordnete Heinrich Misch wurde heute Vormittag vom Trauerhause, Schöneberger Ufer 21 , aus nach dem neuen jüdischen Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe übergeführt. In einem Zimmer der Wohnung war der Sarg inmitten einer reichen Pflanzendekoration aufgebahrt. Eine stattliche Trauerversammlung füllte die sämmtlichen Wohnräume. Vom Magistrat waren offieiett zur Trauerfeier deputirt Stadtkämmerer Runge und Stadtrath Hübner; die Stadtverordnetenversammlung war durch eine Deputation von acht Stadtverordneten, geführt vom Stadtverordneten-Borsteher Dr. Straßmann, vertreten; viele andere Mitglieder der städtischen Körperschaften, wie Stadtrath Mamroth, die Stadtverordneten Ludwig Löwe, Dr. Kürten, Di-. Stryck und viele Andere gaben dem verstorbenen Freunde , gleichfalls das letzte Geleit. In der Berfamnrlung bemerkte; man ferner als Vertreter der Handelswelt die Geh. Eonimerzienräthe Simon und Gcrson. Nachdem die nächsten Angehörigen vor dem Sarge Platz genommen, richtete Stadtverordnete Schulvorsteher Bohm im Namen der städtischen Körperschaften herzliche Worte der Trauer an die Versammlung. Nach der Rede setzte sich der imposante Trauerconduet nach dem Friedhofe in Bewegung. Tort wurde der Sarg in der Halle durch den Prediger der jüdischen Reformgemeinde, Dr. Ritter, eingesegnet. — Aus Neustettin schreibt die „Kösl. Ztg." unter dem 25. September: Tie Einweihung der hiesigen neuerbautcn Synagoge ist heute Nachmittag unter reger Betheiligung fast aller Kreise der Bevölkerung und in Anwesenheit der städtischen Behörden programmmäßig vor sich gegangen, ohne daß, wie wir mit Befriedigung eoustatiren wollen, auch nur der leiseste Mißton von außen in die ernste Feier hineingetragen worden wäre. — Ans H ü l s schreibt man uns unter dem 27. September: Am 21. d. fand hier die Einweihung einer neuerbauten Synagoge statt. Dieselbe hat eine besondere Vorgeschichte. Vor ea. 14 Jahren , sah sich die hiesige Gemeinde genöthigt, zum Neubau einer , Synagoge zu schreiten, weil das alte Bethaus baufällig war. Man stellte ein glänzendes, Straße und Stadt zierendes Bauwerk mit hoher Kuppel her, aber das Werk wurde nicht beendet. In einer Nacht stürzte es zusammen. Im folgen-! den Jahre ging man unverzagt wieder an den Bau, rvelcher! ebenso glänzend an anderer Stelle aufgeführt werden sollte. Schon waren die Mauern 12 Fuß hoch, als angeblich durch das Ausschachten eines Kellers im Nebenhanfe ein :Hir, von Ihi Zoll Breite in der Mauer erstand, infolgedessen der Bon

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