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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-09 · Heft 41 (9.10.1883) · p. Seite 668

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 41 (9.10.1883)
Date
1883-10-09
Page
Seite 668 (sequence 10)
Language
German
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668 reizenden Inhalts gegen die Juden gerichtet an den Straßenecken gefunden. Nyiregyhaza, 19. September. In der gestrigen Generalversammlung der Szabolcser Komitats-Kongregation kam die Tißa-Eßlarer-Affaire zur Sprache. In seinem Quartal- Bericht erwähnt der Vicegespan, daß sowohl während des Verlaufes des Tißa-Eßlarer Prozesses als auch seither die Ruhe im Komitate, dank der Nüchternheit der Bevölkerung, nicht gestört wurde, weshalb auch keine exceptionellen Maßregeln erforderlich waren. Hierauf erwähnte der Obergespan Josef Gräfl lobend des ganzen Beamtenstandes im Komitate, welcher wegen Aufrechterhaltung der Ordnung redlich seine Pflichten erfüllt habe. Auf die ihm gemachten Borwürfe, das; er mit Umgehung des Bicegespans Verfügungen zur Aufrcchthaltung der Ordnung getroffen und dadurch die Komitats - Autonomie verletzt habe, führt er in wirkungsvoller Rede aus, daß er den 200,0(X> Einwohnern dieses Komitats wohl das gebührende Lob der Nüchternheit nicht vorenthalten könne; gleichwohl aber waren die in Anwendung gebrachten Maßregeln wegen einzelner Hetzer jedenfalls erforderlich, um nicht nach dem Beispiele der Budapester Polizei auch nur um eine Stunde zu spät einzuschreiten. Er habe mit seinen Verfügungen kein Recht des Individuums oder des Komitats geschmälert, und ist nur dort cingcschritten, wo der Bicegespan oder der Stadtmagistrat von Nyiregyhaza nicht eingeschritten sind. Während der Zeit der Aufregung aber schien cs diesen autonomen Organen gar manchmal odios, energisch cinznichreiten, weshalb man damals seine Einflußnahme gern gesehen habe, welche man ihm nun verübelt. Alexander Frater war der einzige Redner, der entgegen der allgemeinen Strömung den Muth hatte, offen und kräftig für die Bcrtheidigung des Obergespans einzutreten. Er spricht seinen Tank für die rechtzeitigen Vorsichtsmaßregeln aus, welche eben nur deshalb, weil sie rechtzeitig kamen, den gewünschten Erfolg erzielten und die Ehre des Komitats retteten. Wenn ein Vorwurf zu machen ist, so wäre dieser richtig gegen die Regierung gewendet, welche es überhaupt unterlassen habe, gegen den Antisemitismus rechtzeitig die entsprechenden Mittel anzuwenden. Es folgt nun im Quartalberichte des Bicegespans die Anzeige an die Kongregation, das; der Beamtenkörper des Komitats gegen den Advokaten l >r. Ignaz Hcumann wegen seiner im Tißa-Eßlarer Prozesse gehaltenen Vertheidigungsrede, respektive wegen der darin enthaltenen Verleumdung des Beamtenkörpers die Strafanzeige erstattet habe. Alexius Gal stellt hierzu den Antrag, die Kongregation niöge das Vorgehen Dr. Heumanns rügen, dem Beamtcnkörper Vertrauen votiren und die Strafanzeige gutheißen. Obergespan Gräfl bemerkt, daß dieser Antrag verfrüht und vorerst ein Urtheil des kompetenten Gerichtes abzuwarten wäre. — In der heute fortgesetzten Generalversammlung erschien Dr. Heumann und äußerte sich über die gestrigen Vorgänge. Gleichzeitig legte er alle Stellen, die er im Municipal-Ausschuffe bekleidet hatte, nieder. Obergespan Gräfl erklärt hierauf, daß er sein volles Vertrauen auch ferner besitze und ihn auffordere, die von ihm erhaltenen Vertrauensstellen auch fernerhin zu behalten, was jedoch Dr. Heumann ablehnte. Nachod (Böhmen), 23. September. An der hiesigen czechischen Bürgerschule wurde, wie an den meisten anderen czechischen Mittelschulen Böhmens, der Religions-Unterricht für die jüdischen Schüler, die durchwegs deutsch erzogen und des czechischen Idioms weniger mächtig sind, bisher in deutscher Sprache ertheilt. Es verursachte daher nicht wenig Befremden, als zu Beginn des Schuljahres der Religionsunterricht von der Direction plötzlich sistirt wurde unter Berufung auf einen Ministerial - Erlaß (?), demzufolge der jüdische Religions - Unterricht an czechischen Lehranstalten künftighin in czechischer Sprache zu erfolgen habe. Bemerkt muß hier werden, daß der Religionslehrer von der jüdischen Gemeinde bezahlt wird und daß es insbesondere weder ein in czechischer Sprache abgefaßtes Lehrbuch der jüdischen Religion, noch auch eine nennenswerthe Zahl von Religionslehrern giebt, die der czechischen Sprache mächtig w.ären. Sogar am Akademischen Gymnasium in Prag, eine der ältesten czechischen Mittelschulen in Böhmen, wird der jüdische Religions-Unterricht in deutscher Sprache ertheilt, ebenso an vielen anderen czechischen Gymnasien. Unser Bezirks-Schulinspector ist freilich I. K. Hrasche, der sich alle Mühe giebt, als Dichter in der czecho-slavischen Literatur Nennenswerthes zu leisten. Seiner Fürsorge für die Verbreitung des czechischen Idioms dürfte man auch die Czechisirung des jüdischen Religions - Unterrichtes verdanken. Brüx, 16. Sept. (Privatmitth.) Das unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich stehende „Kaiserin Elisabeth Brautausstattung» - Stipendium im Betrage von 476 fl. 90 kr. wurde der würdigen Waise Söffe Löwy aus Görkau zuerkannt. Hierbei muß auch rühmlichst hervorgehoben werden, daß der hochwürdige Dechant und der k. k. Notar und Bürgermeister der Stadt zur Erlangung dieses Stipendiums in humaner Weise der Braut wirksam zur Seite standen. Der trauende Bezirks-Rabbiner Herr Dr. Jacob Tauber aus Brüx betonte in seiner mit Begeisterung aufgenommenen Rede wie durch Ihre Majestät der oberste Grundsatz der Verfassung die Gleichberechtigung aller Bürger zur Wahrheit gemacht worden ist. Wie rühmlich weltliche und geistliche Führer durch ihr Einstehen für das brave jüdische Mädchen den Beweis lieferten, daß die Förderung der Nächstenliebe ihnen als interconfessionelle Angelegenheit gelte. Würde, wie es in dieser Stadt der Fall, allenthalben im Reiche con-

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