Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1883)
- Date
- 1883-10-09
- Page
- Seite 667 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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667 Heft in Händen haben. Berlin muß mit gutem Beispiel vorangehen, es muß den Juden, die sich nicht so geführt haben, daß sie einen eigenen Staat bilden können, zeigen,; daß sie bei uns nur zu lernen haben." — Maurer Peter: Wagner und Stöcker seien bemüht, eine Brücke zwischen Arbeiter- und Bürgerpartei zu schlagen; aber mit welchem Baumaterial das geschehen solle, wisse Niemand. „Wir werden Ihnen nie die Hand reichen, und wüßten Sie, wie sehr das System Stöcker's in unseren Arbeiterkreisen verurtheilt wird,! Sie würden staunen." Nachdem zum Schluß Professor Wag- > ner noch eine Lanze für seinen „lieben und hochverehrten Freund Stöcker" gebrochen und erklärt hat, daß er bei der bevorstehenden Wahl viel lieber einen Arbeiter als einen Fortschrittler wählen würde, ging die Versammlung auseinander. Hannover, 30. September. (Privatmitth.) Mit Bezug auf meine jüngste Correspondenz habe ich das Vergnügen zu bemerken, daß in dem vormals Bennigsenschen Reichstags- Wahlkreise der von den Nationalliberalen ausgestellte und von Bennigsen empfohlene agrarische Candidat Hottendorf, der sich gegen die Gleichstellung der Juden erklärte, in der Stichwahl durchgefallen und der fortschrittliche Candidat Cronemeyer gewählt worden ist. Stuttgart, 21. September. (Privatmitth.) Heute Nachmittag wurde mit der ersten in derselben stattgefundenen Beerdigungsfeier die neuerbaute israelitische Friedhofskapelle hier durch Kirchenrath Rabb. vr. Wassermann feierlich eingcweiht. — Der Prozeß gegen den Mörder des israelitischen Handelsmannes Wertheimer aus Bretten, den Bauern Gvtz von Kaltenthal, der vom hiesigen Schwurgericht zum Tode' verurtheilt wurde, wird, da das Reichsgericht auf die Bern-' sung des Bertheidigers das Urtheil aufgehoben hat, noch, einmal hier zur Verhandlung kommen. — Die Conferenz der israelitischen Lehrer Württembergs findet am 27. Oktober ' 1863 im Hotel Eisig in Stuttgart statt. Gegenstände der Tagesordnung sind: Rechenschaftsbericht und Kassenbericht des Unterstützungsvereins, Vortrag über deutsche Dichter (Elsässer), Normallehrplan der jüdischen Schulen Deutschlands (Stern), Religions-Unterrichts-Besuch und Stellvertretung für Vorsänger in Krankheitsfällen (Metzger), Entschädigung der Vorsänger für die Gemeindeschreibereien. — Das Gymnasium in Tauberbischofsheim wird von 281 Schülern besucht, worunter 24 Protestanten und 29 Juden. Das Gymnasium in Heidelberg zählt 449 Schüler, darunter 273 Protestanten, 98 Katholiken, 24 Altkatholiken und 54 Israeliten. Das Gymnasium in Mannheim zählte 337 protestantische, 136 katholische, 182 israelitische, 20 altkatholische und 2 „sonstige" Schüler; das Realgymnasium 239 protestantische, 95 katholische, 66 israelitische und 15 altkatholische. O esterreich-Ungarn. Aus Ungarn, 25. September. (Privatmitth.) Am Donnerstag .tritt der ungarische Reichstag wieder zusammen und sind sehr stürmische Sitzungen zu erwarten, da seit langer Zeit der Reichstag nicht eine solche Zerrüttung im Lande gefunden, wie sie jetzt besteht. Die kroatischen Unruhen und die Judenhetzen haben den ungarischen Staat in eine heftige Bewegung versetzt, und das Ministerium selbst ist in sich zerrüttet und zwar nicht blos wegen des Antisemitismus. Der Jnstizminister Pauler hat diesen groß gezogen und das gesammte Ministerium sah dem müßig zu. Die gelegentlichen Reden Tißa's und zuletzt die Schußwaffe des Militärs bieten kein genügendes Gegengewicht. Die einsichtigen Patrioten > sind erbittert, daß das Gericht in Egerszeg nur die armen verführten Teufel dem Strafurtheil unterzieht, aber die vorj nehmen Herren. welche die Greuelscenen veranlaßten, unbehelligt läßt. Denkt man daran, die Bary's, die Recsky's, I die Bay's :c. tu Untersuchung zu ziehen? Warum hat man | dem Onody die Immunität zugestanden, während er doch , in flagranti betroffen wurde? Was nützt es, daß der Unter»! richtsminister jetzt die Profefforen der Gymnasien (Mittel- ' schulen) ermahnt, keine antisemitische Rolle zu spielen, wäh- rend eine solche von einigen derselben, und man sieht mit! bestem Erfolge, seit Jahren gespielt worden ist? Wenn nunmehr Tißa in seiner Großwardeiner Rede die Schuld von der Regierung auf die Gesellschaft zu wälzen suchte, so gelang ihm dies den Thatsachen gegenüber nur schlecht. Es wird demnach in der bevorstehenden Session sehr viel von den Juden die Rede sein, pro et contra; aber Niemand kann voraussehen, wohin sich der Sieg neigen und ob nicht in diesem nur eine versteckte Niederlage enthalten sein werde. Wir sind auf Alles gefaßt und denken, daß schließlich Vernunft und Recht doch die Oberhand behalten werden. Bor den zu erwartenden Tumulten aber wird das wesentliche Bedürfniß nach Reform des in allen Theilen kranken Staates nicht zum Worte kommen. Pest, 20. September. Dem „Egyetertes" wurde gestern aus Vesprim telegraphirt: Die antisemitischen Demonstratio-! neu und Straßen-Exceffe haben sich gestern und heute Nachts in unserer Stadt wiederholt, nachdem die zwei Honved-Bataillone, welche zur Wahrung der Ruhe hierher kommandirt worden waren, gestern Morgens von hier wieder abgezogen , sind. Sowohl gestern wie auch heute Nachts hat ein Pöbel-; Haufe die Fenster mehrerer von Juden bewohnter Häuser, sowie des Cafe Steiner eingeworfen. Bürgermeister Emerich : Kovats berief heute die Bürgerschaft zu einer Konferenz behufs Errichtung einer Bürgerwehr zusammen. In N. Banya wurden in diesen Tagen Plakate auf- 41