Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1883)
- Date
- 1883-10-01
- Page
- Seite 652 (sequence 10)
- Language
- German
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652 net ein f alleres Zusammentagen mit den Elementen der Bürgerpartei für unmöglich erklärt hatte, wandte er sich der Freitagsversaminlung der Christlich-Socialen zu, von welcher die' Arbeiter ausgeschloffen worden seien. Herr Stöcker bestreite, daß er in der letzten Tivoliversammlung von Judenbengel und Judcnjungen gesprochen, er behauptet, den weniger gehässigen gebraucht zu haben. Redner will ihm Zeugen gegenübcrstellcn, die beide Ausdrücke von ihm gehört haben; im Nebligen aber könne er sich einen Unterschied zwischen Juden- Birchow, Bez.-Borst. Weber, Abg. vr. Hermes, Rentner Mielenz, San.-Rath vr. Neumann, Kausmann Neumann, Pinkussohn, Carl Koch, Kaufmann Wittkowski, Chefredacteur Dernburg, Justizrath vr. Horwitz, Chefredacteur Stephany, Fabrikbesitzer Stephan jr., Abg. Dr. Straßmann, Dr. Burg, Abg. Dir. Goldschmidt, Professor Weber, Fabrikant Lubenow, Mentzel, Fabrikant Brauer, S. Ball, Plischke, Fabrikant Stahl. Das sind nach Herrn vr. Inner mit einer einzigen Ausnahme nur jüdische Unterschriften. Und was müssen das jungen und Judenbengel nicht einreden lassen. (Stürmischer1 sür Leute sein, vor denen man solche unwahren Behauptungen Beifall.) Solche Manieren (Redner braucht einen drastischeren! auszusprechen sich nicht scheut. 'Ausdruck) gehören nicht in die Volksversammlung. Herr Görcki wendet sich dann weiter gegen verschiedene Schimpf- Hannover, 19. September. (Privatmitth.) Gestern verschied in Wien der Ober-Commerzienrath Israel Simon, Worte des Stöcker und schließt unter lebhaftem Beifall der der Chef des beinahe ein halbes Jahrhundert hier bestan- Bcrsammlung. (Es klingt allerdings seltsam genug, wenn denen Bankhauses Ezechiel Simon, im 77. Lebensjahre. Derdie Herren Stöcker und Wagner und andere Redner der; selbe hat sich durch die Gründung eines israelitischen Waisen- Christlich-Socialen sich fort und fort darüber beschweren, daß Hauses und andere Schenkungen um die hiesige Gemeinde sie von ihren Gegnern, und insbesondere von der „Judenbleibende Verdienste erworben. Nach der Entthronung des presse" beschimpft werden, während sie selbst in die öffent- Königs Georg V, dem er persönlich nahe stand, verließ er lichen Versammlungen einen Ton und eine Sprache eingesührt haben, die sonst dem öffentlichen Leben fremd waren. Die 'Arbeiter führen in ihren Versammlungen oft eine derbe Sprache, aber gegen den Ton des Herrn Stöcker, Wagner und der sonstigen Herren der Christlich-Socialen dürfen die Ai beiter in Bezug aus ihre Bildung und ihre Umgangssprache in den öffentlichen Versammlungen in Berlin sich in der That etwas zu gute thun. Red. der Boss. Ztg.) Der Hannover und siedelte nach Wien über, wo er in der Mai- Krise des Jahres 1873 den größten Theil seines bedeutenden Vermögens verlor, so daß er die letzten Jahre seines Lebens in Sorgen und Kummer verbrachte. Neu-Stettin, 18. September. Eine Affaire, die ihrer Zeit vielen Staub aufgewirbelt hat, wird nun endlich nach Jahren nächstens vor dem Schwurgerichte in Cöslin ihren Abschluß finden. Es ist dies der Neu-Stettiner Synagogen- Borsitzendc, Maschinenbauer Liefländer, wandte sich dann' brand. Als vor einigen Jahren der bekannte antisemitische noch gegen die Angriffe des Herrn Stöcker gegen Johann! Agitator Henrici seine Brandreden in Neu-Stettin hielt, Jacobi und bemerkte unter lautem Beifall der Versammlung, wurde der Neu-Stettiner Tempel durch Feuer zerstört. Es daß Herr Stöcker längst vergessen sein werde, wenn Johann Ja-! lag augenscheinlich eine Brandstiftung vor. Die Juden becobis Andenken noch in Ehren fortleben werde. Maler Heimschuldigten die Christen und umgekehrt, die Christen die Juden fahrt brachte zum Schluß folgende mit Zustimmung aufgederselben. Ca. 2 Jahre haben die Untersuchungen gedauert, nommene Resolution ein: Die heutige Arbeiterversammlung sicht sich zu folgender Erklärung veranlaßt: „Die Arbeiter Berlins sehen cs für eine große Schmach und Schande für ganz Deutschland an, daß es im 19. Jahrhundert eine Parderen Resultat war, daß mehrere jüdische Bürger in Anklagestand versetzt wurden und bereits in der vorigen Schwurgerichtsperiode abgeurtheilt werden sollten. Am 18. Octobcr cr. werden nun die öffentlichen Verhandlungen dieses Protei gicbt, deren Aufgabe es ist, Haß und Aufruhr gegen das i zesses beginnen, für welche etwa 8 Tage in Aussicht genom Judenthum zu predigen." In jener Freitags-Versammlung der „Christlich-Socialen" sagte vr. Inner, daß das jüngst erschienene Flugblatt der fortschrittlichen Partei „außer einer einzigen christlichen nur jüdische Unterschriften trage", vr. Jrmer hat also dieses Flugblatt gelesen, und doch steht er nicht an, eine solche Unwahrheit auszusprcchen! Das betreffende Flugblatt war von men sind, da etwa 60 Belastungszeugen vernommen werden müssen, und die Angeklagten eine ebenso große Anzahl von Entlastungszeugen stellen werden. Jutroschin (Prov. Posen), 17. Sept. (Privatmitth.) Die hiesige jüdische Gemeinde, welche bis vor kurzem ihr eigenes Schulsystem bildete, hat sich im Laufe der jüngsten Jahre durch Verzug von Mitgliedern nach größern Orten folgenden Personen unterzeichnet: Schulvorsteher Bvhm, Ge-! bedeutend verringert und demnach auch die Zahl ihrer schulhcimcr Commerzien-Rath Delbrück, Alex Haber, Abg. Hugo! pflichtigen Kinder bis auf etwa zwanzig. Mit deren Ein- Hermes, Ehrenbürger Kochhanu, Kausmann Krebs, vr. Kürschulung in eine andere der hier bestehenden Confessionsten, Jnstizrath Lesse, Abg. L. Löwe, Fabrikant Pitzmann, schulen stieß man auf Hindernisse. Zur Verhütung einer Kaufmann Scheiding, Max Schulz, vr. Stryck, Geh. Rath Ueberbürdung von Steuern wird nun beabsichtigt, das Lehr-