Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1883)
- Date
- 1883-10-01
- Page
- Seite 650 (sequence 8)
- Language
- German
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650 sprachen und die Geschichte in ihren großen Zügen durch die treten, geht aber über die dogmatischen Motive . die doch Zeitalter hindurch bewährt, ist in dem biblischen Berichte von für die Dauer das Hauptmoment der Trennung und des der Sintfluth in einfachster, kindlicher Weise, aber deutlich Gegensatzes bildeten, leicht hinweg. Astruc sucht diese Lücke und unverkennbar zum Ausdruck gebracht. Wer nicht am! auszufüllen, und es gelingt ihm dies in mancher Beziehung. Buchstaben klebt, sondern den gedanklichen Inhalt innerhalb i Einverstanden können wir uns mit ihm nicht erklären, wenn des biblischen Wortes und Ausdrucks in Erwägung zieht,! er, nach dem Beispiele vieler neueren, namentlich deutschen wird jene Idee ohne Zwang ausgeprägt finden.J) 1 christlichen Theologen, den Ursprung der christlichen Dogmen So scheiden wir von der Schrift des Prof. Süß, die! aus der Philosophie des Philo herleitet. Wir haben uns zwar zum Aufschluß über die Sintfluth wenig beiträgt, aber! bereits mehrere Male hiergegen erklärt. Philo ist ein viel eine Menge naturhistorischer Beobachtungen enthält und ein zu strenger Monotheist, als daß man ihm eine solche An- Zeugniß von der großen Belesenheit des Berfafiers giebt. schauung infinuiren darf. Das Uebel ist, daß man die Bonn, 12. September. Wenn von der Tüchtigkeit und! Sprache und Ausdrucksweise Philvs nur oberflächlich studirt Brauchbarkeit eines Werkes die nach kurzer Zeit eingetretene > und es fich so gar zu leicht macht, ihm Meinungen unter- Nothwendigkeit, eine zweite Auflage zu veranstalten, ein thatsächliches Zeugniß giebt, so fteuen wir uns, die zweite vermehrte und verbesserte Auflage von Baal T'efillah oder der praktische Borbeier von Abraham Baer. (Gothenburg, Eigenthum des Herausgebers, zu beziehen von I. Kaufs zuschiebea, die er nicht gehabt. Sein Logos ist durchaus, dem Begriffe nach, keine wirkliche Personification, sondern nur eine allegorische. So wenig, wie die „Weisheit" in den Sprüchen Salomonis und bei Hiob als eine Gottheit, als ein persönlicher Theil der Gottheit verstanden werden kann. mann in Frankfurt a. M.) anzeigen zu können. Es freut ebenso wenig ist der Logos dies bei Philo. Er versteht uns dies nicht bloß des Werkes selbst wegen, sondern weil darunter die Allweisheit Gottes, wie fie sich in der Schöpfung wir daraus erkennen, daß bei unsren gegenwärtigen Kantoren das Bedürfniß vorwaltet, den traditionellen Synagogen- Gesang zu erhalten, aber musikalisch rein und korrekt vorzutragen. Dieses Ziel zu erreichen, ist das vorliegende Werk, das 1511 Nummern für alle Theile des Gottesdienstes enthält, nach dem Nrtheile vieler Sachverständigen höchst geeignet, und so wird es auch in dieser zweiten Auflage einer bedeutenden Wirksamkeit gewiß sein. — Die bekannte Borausgeprägt hat, darum nennt er ihn den „erstgeborenen Sohn", den „Menschen Gottes", womit schon von selbst der Logos nicht als ein Theil Gottes, nicht als eine göttliche Persönlichkeit bezeichnet wird. Aber abgesehen hiervon, vergißt man, daß das christliche Dogma mit der Trinität, also mit drei göttlichen Personen auftritt, und daß dieses Dogma wieder von dem Dogma der Erbsünde und der Erlösung abhängig und erst hieraus entstanden ist. — Allerdings weist lesung Ernst Renan's über „die ursprüngliche Identität des! der Berf. die Schwäche der Ansicht Reuan's nach, daß die Judenthums und Christenthums und deren spätere Trennung",j Läuterung der religiösen Ansichten durch die hebräische Gram die seitdem auch in deutscher Uebersetzung erschienen ist, veranlagte matik und das Lexikon, d. h. durch ein sorgfältiges Studium den Großrabbiner A. E. Astruc eine Abhandlung über dieselbe j und Berständniß des biblischen Textes in der Zukunft kommen in der Revue Belgique zu geben, die auch separat ausgegeben tverde. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die exegetischen worden. Der hohe Gesichtspunkt, die sittliche Würde und! Grübeleien viel eher zu Spaltungen als zur Bereinigung die edle beredte Sprache, welche Herrn Astruc auszeichnen, j führen und schwerlich werden die Exegeten je über die unbcwähren sich auch in diesem Schristchen. Die erste Abtheilung über die primitive Identität der beiden Religionen ist eine Paraphrase des Renan'schen Textes, hier und da von einigen neuen Argumenten begleitet. Aber der Berf. sah wohl bedingt richtige Auslegung einer fraglichen Stelle einig werden. So richtig dies ist, so müffen wir uns doch gegen die Aussprüche Astruc's am Schluffe seiner Abhandlung wenden, wo er eigentlich der Religion und der Aufklärung in Verein, daß der zweite Theil der Aufgabe, die Trennung der beiden! selben jeden Einfluß abspricht und den „modernen Geist" als Religionen, bei Renan nur schwach behandelt worden, wie wir auch in unserer Besprechung jener Vorlesung bereits dargelegt haben. Renan zählt nur die äußeren geschichtlichen Ereigniffe und Umstände auf, durch welche die Anhänger des Christenthums bewogen wurden, fich vom Judenthume loszulösen und den Bekennern desselben feindlich gegenüber zu r> So schon darin, daß unmittelbar an die Sintfluth kulturelle gesetzliche Bestimmungen 9. 4 ff. geknüpft werden. — Die obige Auffassung haben wir übrigens schon in unserm Bibelwerke, im Commentar zu l. Mos. 6, l—7 ausführlich dargelegt und begründet. unabhängig und selbständig erklärt, so daß der Nrchweis, daß die erhabenen Grundsätze des Rechts und der Humanität ihren ursprünglichen Ausspruch in der Bibel haben, nur den Erfolg hätte, daß der moderne Geist dies mit Befriedigung aufnehme. Der Berf. unterschätzt hier den Werth der religiösen Ueberzeugung. Niemals haben die von den Philosophen und Rechtslehrern ausgesprochenen Grundsätze und Vorschriften eher einen tieferen Einfluß auf die Menschen gewonnen, als bis sich die religiöse Ueberzeugung damit verbunden hat. Die Heiligkeit des Lebens, des EigenthumS,