Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1883)
- Date
- 1883-10-01
- Page
- Seite 649 (sequence 7)
- Language
- German
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dieser Zusammensetzung aus zwei Berichten stützt sich auf die bekannte, jetzt von namhaften Forschern aufgegebene Hypothese' von der Urkunde mit und die mit c*r&N. Nun erhält! diese Hypothese gerade in dem Bericht über die Sintfluth einen argen Stoß. Wir finden hier in den Versen (1. Mos.) 6, 5—8 9—22 □v&t*, dann wieder 7, 1 und V. 9 □v&n. Ja, V. 16: „wie :rr:^N ihm befohlen und schloß hinter ihm zu" — also beide in einem Verse, in der ersten, in der zweiten Bershälfte! Gleich darauf 8, 1 wieder ebenso B. 15, aber B. 20 wieder und 9, 1 wieder qv^n. Dies bewiese, wenn man in dem Berichte über die Sintfluth die Benutzung zweier Urkunden je nach dem Gebrauche der beiden Gottesnamen annähme, eine so bunte Zusammensetzung aus lauter kleinen Stücken, die bald dieser, bald jener Urkunde entlehnt wären, daß sie völlig zwecklos, ja widersinnig wäre. Vergleicht man nun diese Stücke, so erkennt man auch nicht das geringste Motiv, warum hier die Stelle aus der einen Urkunde abgebrochen und für die Weitererzählung eine Stelle aus der anderen Urkunde genommen worden wäre. Dabei findet man Verschiedenheiten und Widersprüche weder im Inhalt noch in der Form. Wenn es 6, 19 heißt: „Doch von allem Lebenden zwei von jedem sollst du in die Arche bringen"; 7, 2 aber: „Von allem reinen Vieh nimm dir je 7 und von dem Viehe, das nicht rein ist, 2," so liegt hierin kein Widerspruch, sondern nur eine nähere Bestimmung, die erklärlich ist, weil schon damals sich die Sitte, nur gewisse Thiere zu efien, andere nicht, und nur von jenen zu opfern (8, 20), herausgebildet haben konnte, wie wir denn diese Sitte schon bei den ältesten Völkern vorfinden. - Wenn Süß ferner einwendet , daß der biblische Bericht mehr von einem binnenländischen Volke, das mit dem Meere wenig vertraut gewesen, zeuge, so giebt dies einen Beweis von der Originalität und Selbständigkeit des biblischen Berichtes, die er zu Gunsten seiner Hypothese leugnen muß. In dem letzteren fügt sich Alles nach der in diesem Theile der h. Schrift obwaltenden Anschauung aufs Einfachste und Klarste ineinander, ohne daß irgend ein fremder Zug eine Entlehnung verriethe. Ilm so weniger ist es nothwendig, mit Süß, nach dem Vorgang eines früheren Exegeten, an zwei Stellen aus dem im Berichte so oft vorkommcndem Majini Mijam zu machen, um anzudeuten, daß die Fluth vom Meere hergekommen sei. Der biblische Bericht sagt einfach (7, 11): „An diesem Tage wurden aufgethan alle Quellen des großen Meeres und die Schleusen des Himmels geöffnet." Und ebenso (8, 2): „Und es schloffen sich die Quellen des großen Meeres und die Schleusen des Himmels." Er sagt daher aus, daß die große Ueberschwemmung theilS aus dem Andrang der Meeresgewüsser über das Festland, theils aus ununterbrochenem Regcnschwall entstand, Ursachen, die völlig neben einander bestehen können, ja deren Zusammenwirken natürlich ist. — Endlich bemerkt Süß: Die Berathung der Götter vor und nach der Fluth „verwandelt sich in bemerkenswerther Weise in zwei Selbstgespräche Gottes, welche schon seit langer Zeit Befremden unter den Bibelforschern hervorgerufen haben (8,21)." Dieses „Befremden" kann nur befremden, denn jeder tüchtige Bibelforscher, der die Ausdrucksweise der h. Schrift kennt, weiß, daß sie in dieser Form eines Selbstgesprächs, sei es Gottes, sei es eines Menschen, die gedanklichen Motive ausspricht, welche ihn zu seiner Handlungsweise bestimmen. ^) Fügen wir hierzu eine allgemeine Bemerkung. Die in den ersten elf Kapiteln des 1. Buches Moses enthaltenen, auf die Schöpfung und die Entwickelung des Menschengeschlechtes sich beziehenden Berichte haben nicht sowohl den Zweck, geschichtliche Daten zu liefern, als vielmehr grundlegende religiös-sittliche Ideen in ihnen zum Ausdruck und zur Ausprägung zu bringen. So schon die Schöpfungsgeschichte, deren Zweck die Lehre ist, daß die Well durch die Allmacht, Allweisheit und Allliebe Gottes geschaffen ist, deshalb Alles „sehr gut in seiner Art", hiermit jeder materialistischen und pessimistischen Anschauung entgegentretend. Man vergleiche nur dieselbe Schöpfungsgeschichte im poetischen Gewände in Ps. 104. Die Geschichte des Paradieses, sowie die des ersten Bruderkampfes sollen lehren, wie die von Gott rein geschaffene Menschenseele zur Sünde kommt, die erste aus den sinnlichen Begierden und den Trieben des Individualismus, die andere aus den Constikten der Gesellschaft. Selbst die Geschichte vom Thurmbau zu Babel hat zum Inhalt, zu zeigen, wie die Menschen von zwei entgegengesetzten Trieben geleitet und beherrscht werden: einentheils vom Triebe, sich national und staatlich zu vereinigen, anderntheils, sich zu trennen und über die Erde zu verbreiten. Nicht minder ist dies der Fall mit dem Bericht über die Sintfluth. Die große Überschwemmung der Erde wird als Thatsache erzählt; das alte Geschlecht ist untergegangen, das neue wird begründet, hat jedoch was das alte an Culrur besaß, mit sich hinübergerettet, wie dies in dem Bau des Schiffes, im Opfern, in der Anpflanzung des Weinstocks angedeutet ist. Mit der Frage: warum dies so geschehen? tritt der religiös-sittliche Gesichtspunkt ein, und es soll gelehrt werden, daß Gott als Vorsehung und Vergeltung das Menschengeschlecht zu einer Zimmer höheren, intellektuellen und moralischen Entwickelung führen will und führt, daß, wo im Menschengeschlechte geistige i Erniedrigung und sittliche Entartung eintreten, dieser Theil ■ der Menschheit dem Untergänge verfällt, deffen kulturelle Errungniffe jedoch auf die anderen und nachfolgenden Gei schlechter übergehen und von diesen fortgebildet werden. Dieser! große Gedanke, den später die Propheten viel deutlicher aus-! 0 -,cn oder ^bz vgl. z. B. 1. Mos. 17. 17. 24,! 45. 27, 41. 1. Sam. 27, 1. Ps. 10. 6. 11.