Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-01 · Heft 40 (1.10.1883) · p. Seite 648

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 40 (1.10.1883)
Date
1883-10-01
Page
Seite 648 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227488--41156-3309607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

648 Tißa's Enunciation und des wackern Jeßenßky's offenes Völkern gedrungen sein, jedoch eine verschiedenartige B-'hand- Schrciben werden hoffentlich von nachhaltiger Wirkung sein. l) lung in Einzelheiten gefunden haben soll, ist nicht erfindlich.! Hiergegen spricht auch, daß, wo in diesen Sagen Oertlich i feiten benannt werden, diese sehr verschieden, doch aber zu- Literarischer wochendericht.! f * «taW* R»»- D--- wenn u. bW!ch°Erz°hl....g den Berg Ararat, die Jzdubar-Lrage den Berg Nrzrr nennt, Die Sintfluth. Eine geologische Studie von Eduard Süß.! m bic Arche stehen blieb , so ist dies für das Ganze des (Prag und Leipzig. 1883.)! Ereignisses gleichgiltig. Andrerseits ist es doch auch zu aben- H-2)! teuerlich , wenn man gegenwärtig, sobald man irgend eine Wenn unser Mitarbeiter in Nr. I. die Hypothese des! ähnliche Tradition oder Kunstschöpfung bei einigen, auch von Herrn Prof. Süß für „recht kühn" erklärte, so fühlen wir Lander entferntesten und einander sonst fremdesten Völkern uns gedrungen, dieselbe als völlig verfehlt anzusehen. Süß findet, diese gleich auf eine und dieselbe Quelle, möglichst sucht für die Sage von der Sintfluth einen physischen Unter. | örttirf)C f föt)ren _ während cs doch in der Mcnschengrund und findet diesen in einer großen Ueberschwemmung j nQtur ÜCQt f in gleichem Jdeengange sehnliches zu schaffen der mesopotamischen Tiefebene, verursacht durch eine heftigez ^d den überall gegebenen Stoff in ähnlicher Weise zu be- (5yklone, verbunden mit einem Erdbeben. Dieses thatsächliche Arbeiten. Die Schlüffe des Herrn Süß entbehren deshalb Ereigniß soll nach ihm seinen Ausdruck in der Jzdubar-Sage, a£[e* Grundes, und selbst seine Erklärung, daß eine solche von einer allgemeinen über die ganze Erde verbreiteten Fluth! Fluth, die einen ausgedehnten Landstrich betroffen, zugleich gefunden, und von dort aus die Sage von einer Sintfluth j burc^ Colonen und Erdbeben verursacht wird, hat für unsren sich zu den übrigen Völkern verbreitet haben. Hiergegen ist! Gegenstand keine Bedeutung. Wenn dem Naturforscher die einzuwenden: 1) Ist dieses thatsächliche Ereigniß erwiesen? j Frage vorlicgt: hat einmal auf der Erde eine allgemeine hat es wirklich stattgefunden? Nein. Süß nngirt ein solches j F^h stattgefunden oder nicht? und er könnte sie wisscn- Faktum, und läßt daraus die Sage von einer allgemeinen Fluth entstanden sein. Hierbei bewegt er sich nur im Kreise und vollführt das Amt der uralten Dichter, welche ein allschaftlich weder bejahen noch verneinen — so darf er sich der Ausflucht nicht bedienen, der von allen Völkern erstattete Bericht von einer allgemeinen Fluth sei falsch, und habe seinen gemeines Ereigniß auf Persönlichkeiten und Oertlichkeiten Ursprung in irgend einer Fluth auf einem verhältnißmäßig zurückführten, die zumeist ihrer eigenen Phantasie entstammten, deinen entlegenen Landstrich, die jedoch selbst — gar nicht Ja, es zeigt sogar der gegenwärttge Zustand der von ihm nachweisbar ist. Dies heißt doch ein Spiel mit der Sache angenommenen Lokalität gerade das Gegentheil, da der in Reiben, nur um einen phantastischen Einfall auszusprechen. Kommen wir nun zu dem, was Süß von dem biblischen Berichte über die Sintfluth (S. 5, 58) sagt. Da er den Gedanken, die faktische Beranlaffung der ganzen Sage an den Ausfluß der mesopotamischen Ströme zu suchen, gefaßt hatte, so konnte ihm hierzu nur das Jzdubar-Epos dienen. Wir sehen hier davon ab, daß die Uebersetzungen und Auslegungen der Affyriologcn noch viel zu zweifelhaft sind, um zu solcher bestimmten Auffaffung, wie Süß sie annimmt, zu berechtigen, daß z. B. Aehnlichkeiten im Einzelnen zwischen jenem und diesem Berichte völlig ungewiß sind, wie die Erwähnung der Taube und des Regenbogens, wo doch selbst Süß ein Fragezeichen einfügen muß. Süß steht hierbei durchaus nicht auf so festem Boden, wie er vorgiebt. Bemerkenswerth für uns ist nur, auf welche Weise er dem biblischen Berichte die Autorität zu entziehen sucht, die er in dieser Frage beanspruchen kann. Den Hauptpunkt findet Süß darin, daß der biblische Bericht aus zwei verschiedenen Urkunden zusammengesetzt sei; deshalb hebt er dies wiederholt hervor. An und für sich hätte dieser Umstand, selbst wenn er richtig wäre, keine Bedeutung, da es vielmehr auf den Inhalt und die Darstellung ankommt. Die Annahme der Sage benannte Ort in alter Zeit dicht am Meere ge legen sein mußte, während er jetzt tief landeinwärts gesucht werden muß. Das Meer hat also hier nicht Land abgeriffen, sondern in großem Maßstabe ansetzen lasten. 2) Alle Bölkersagen stimmen darin überein, daß sie von einer Fluth sprechen, welche die ganze Erde überschwemmte, und dies thut auch die Jzdubar-Sage, welche die Götter vor diesem Ereigniffe in den Himmel fliehen und alle lebenden Wesen auf der ganzen Erde mit Ausnahme der in dem Schiffe geretteten umkommen läßt. In dieser Allgemeinheit der Fluth liegt der ganze Schwerpunkt für diese Sage und ohne ihn bat sie, moralisch und physisch genommen, gar keinen Sinn. 3) Die Sage findet sich fast bei allen Völkern auf der ganzen Erde, selbst bei den Völkerschaften auf den oceanischen Inseln. Wie nun dieselbe aus der mesopotamischen Tiefebene zu allen 1) Selbst der antisemitische Pester Corresp. der „Köln. Ztg.", der sicb über die „tiefsinnige Auffassung" Tißa's moquirl — natürlich, sie ist ihm viel einfach und gerade und läuft nicht auf Plünderung und Todtschlag hinaus — muß zugestehen, daß die Rede auf die „Gentry" einen großen Eindruck gemacht, droht aber mit dem Landvolk. Nun, Jedermann weiß, daß von dieser „Gentry" die ganze Hetze ansgegangen. Red. 2) S. Nr. 37.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.