Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1883)
- Date
- 1883-09-18
- Page
- Seite 623 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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623 geholt, verschlissen und nickt ohne Risse. Aber überrascht „Da wollen wir denn zuerst hierfür sorgen. Komm, hier blieb der Neichgckleidctc stehen, während der Andere vorüber in der Nähe ist eine gute jüdische Restauration, nicht sehr wollte, schaute diesen prüfend an und rief endlich auS: sein, nicht elegant, aber gute kräftige Speise und Trank. „Jankel Hirsch, bist du cs? woher kommst du und wie Ich habe da schon oft gefrühstückt, wenn ich in der Stadt hierher?" Der Angcredctc kehrte sich um und betrachtete seinerseits den Sprecher. Er erkannte ihn nicht; er suchte in seinem Gedächtnisse nach, fand aber da für den schönen, wohlgenährten, rcichgckleidcten Mann keinen Anhalt. „Woher kennen Sic mich, mein Herr!" fragte er zögernd. „Also du weißt nicht, wer ich bin? Nun ja, ich habe mich sehr verbin; denn du mußt wissen, daß ich draußen vor der Stadt in einer schönen Campagne wohne. Desto wunderbarer ist es, daß wir hier znsammengetroffen. Zuerst sollst du essen, dann führe ich dich in ein Confcctionsgcschäft, um dich besser zu kleiden; denn sichst du, in diesem Aufzug kann ich dich nicht nach meinem Hause und zu meiner Frau führen. So ändert," erwiederte jener und ließ einen zufriedenen Blick komm, und nach dem Essen erzählen wir uns unsere Gcüber seine Kleidung und Kleinodien streifen. „Nun, ich will schichte; ich habe heute Zeit genug." cs dir sagen," fuhr er fort, „ich bin dein Vetter Bendit. So gingen die beiden Gestalten neben einander, die sich Ich heiße zwar jetzt nicht mehr so, mein Name ist Benedikt so unähnlich sahen, daß die Vorübergehenden stehen blieben Blumenreich; man kennt mich hier in New-Aork." Die Beiden und sie neugierig betrachteten. Bald traten ste in die Rcstanhatten dieses Gespräch im polnisch-jüdischen Jargon gehalten ration ein, wo man dem wohlbekannten Blumenreich ein und setzten cs in diesem abscheulichen Dialekt fort, ohne daß apartes Zimmerchen einräumte und auftrug, was Küche und wir uns veranlaßt sehen, ihn hier wicdcrzugcben; ihnen Keller zu leisten vermochten. Man kann denken, mit welchem freilich mag er wie Musik, wie Klänge aus der Heimath Heißhunger Jankel über die guten Speisen herfiel, die er und Kindheit im fernen, fremden Lande vorgckommen sein, nur noch aus alter Erinnerung kannte. Als man bei der „Du siehst erbärmlich aus," fuhr Benedikt fort, „und das Taffe Kaffee und einer guten Cigarre saß, sagte Blumcn- Geschick muß schrecklich an dir herumgcrüttelt haben, da du, reich: „Weißt du, Vetter, nach einem so guten Mahle ist es der Sohn des reichen Rebbe Hirsch, in so armseliger Gestalt kein schönes Tischgebet, gleich eine Jammcrgeschichte voll vor mir sichst. Freilich, die letzten Jahre haben Tausende Noth und Drangsal vorzutragen; ich will daher lieber mit wie du hierher geworfen; aber dich so unter ihnen zu finden, der meinigen anfangen, die noch dazu nicht lang ist und dir geht mir sehr nahe." Jankel hatte den Kopf noch tiefer ge- Freude machen wird. Du weißt vielleicht nicht, denn euer senkt und aus seinen dunklen Augen rannen Thronen über Wohnort lag ja weit entfernt, daß ich in der Brennerei die abgemagcrtcn Wangen. „Na, weine nicht, Jankel. Wie meines Herrn bald in die Höhe kam; ich war ein geschickter ich in meinem Glücke nie vergessen habe, daß es einen Schomer anstelliger Junge, vertrat bald einen Werkführer und wurde Israel (Hüter Israels) giebt — ich bin kein Jeschurun, der zuletzt von meinem Prinzipal als Reisender verwandt, der fett geworden und ausgeschlagen — so sollst auch du heute in Petersburg, Moskau, Odessa und anderen großen Orten den Gott, den Gerechten, dankend anrufen, da er dich so Geschäfte für ihn machte, ganz unerwartet an dieser Straßenecke auf mich treffen ließ. Sei getrost, guter Junge, deine Noth soll ein Ende haben— den Tod entrissen, gegen die Juden. Meine Mutter wurde mir durch Ta begannen die furchtbaren Aufstände zch hatte sie schon lange kommen sehen. Und bei diesen Worten ergriff er die Hand des Unglücklichen, denn auf meinen Reisen gewahrte ich allzu ofr, wie diese Dieser erhob das Haupt und ans den Augen blitzten ihm Tinge vorbereitet wurden. Rcgierungslcnte, Geschäftsmänner Freude und Tank, als er zu dem aufschaute, der ihm Rettung und Nihilisten arbeiteten sich dabei in die Hände. Die Einen und eine glückliche Zukunft verhieß. Diese Augen hatten waren bei den Juden verschuldet, die Anderen trieb der seit langer, langer Zeit nur Kummer und Elend ausgesprochen. Geschäftsncid, die Lust, die Concurrenz los zu werden; die „Was du gut bist, Vetter Bendit," stammelte er. — „Was dritten wollten Unruhen und Empörung. Sie bearbeiteten ich gut bin? War nicht dein Vater gut, sehr gut gegen das gemeine Volk, hetzten cs in jeder Weise auf, stellten ihm meine arme Mutter, ihr Andenken sei zum Segen! und gegen die Plünderung der Juden und die Straflosigkeit seitens mich? Hat er nicht jeden Winter Holz und Kartoffeln zur der Regierung in Aussicht. Die Erneuten begannen in der Genüge uns anfahren laffen? Hat er mir nicht jeden Rauschscheußlichsten Weise und wälzten sich der Stadt zu, in welcher Haschono neue Kleider gegeben: cs waren zwar alte, für sich unsere Brennerei befand. Ich entschloß mich kurz, trat mich aber neu genug? Hat er mich nicht in der großen vor meinen Principal, machte ihn auf die sich nähernde Brennerei von Jakobowitsch als Lehrling untergebracht, und Gefahr aufmerksam und forderte meinen Abschied. Er wollte von da ging mein ganzes Glück aus? — Aber wir stehen da nichts davon wiffen, machte mir Vorwürfe: aber ich zeigte und schwätzen und ich sehe dir an, daß du hungrig bist!"— ihm, daß ich ihm in dieser Zeit der Gefahr auch nichts „Ja, feit vierundzwanzig Stunden habe ich nichts genossen." — helfen könnte, daß er vielmehr alle Vorsorge treffen müffe- L