Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-18 · Heft 38 (18.9.1883) · p. Seite 622

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 38 (18.9.1883)
Date
1883-09-18
Page
Seite 622 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227486--41128-3309577
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

622 feierte der hiesige jüdische Cultusbeamte I. C. Priester sein 50jähriges Amts-Jubiläum und zwar hat der noch recht rüstige Jubilar diese ganzen 50 Jahre bei derselben Gemeinde amtirt. Morgens 6 Uhr wurde dem Jubilar ein Musikständchen gebracht. Um 10 Uhr begann die Gratulationscour in der Wohnung desielben.. Zuerst erschien der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde und hielt der Vorsitzende des Vorstandes bei Ueberreichung des Geschenkes eine herzliche Ansprache. Demnächst kam der gesammte Magistrat und die Stadtverordneten in corpore. Der Bürgermeister und der Stadwervrdnetenvorsteher beehrten den Jubilar gleichfalls durch Ansprachen. Hieran reihten sich die Gratulationen des evangelischen Pfarrers und des königlichen Amtsrichters und schließlich erschien noch eine Deputation der auswärtigen Schüler, werthvolle Geschenke überreichend. Mittags 2 Uhr fand ein Festgottesdienst in der Synagoge statt, welcher von den Rabbinern Dr. Bamberger aus Königsberg und Dr. Werner aus Danzig geleitet wurde. Die Andacht begann mit Chorgesang, es folgte Predigt des Herrn Di. Bamberger, dann wieder Chorgefang und Predigt des Herrn Dr. Werner, dann Vortrag des Minchagebetes und Schlußgcsang. Die Synagoge war überfüllt von Bekennern aller Confessionen und die Feier hat wohl bei Allen einen würdigen Nachhall gefunden. Es begann um 5 Uhr ein gemeinschaftliches Festeffen, bei welchem der Bürgermeister, der evangelische Pfarrer und noch mehrere Herren Toaste ausbrachten. Bonn, 0. Sept. (Literarische Notizen.) Bon Dr. S. M. Schiller-Szinessy in Cambridge erscheint „das erste Buch der Psalmen nach dem Texte der Cambridge-Msc.-Bibel mit dem längern Commentar von R. David Kimchi nach 10 Mscpten. und den ältesten Ausgaben" (Cambridge, Dcighton, Bell & Co. Leipzig, Brockhaus.) — In Czernowitz (Bukowina) erscheint eine deutsche Wochenschrift in hebräischen Typen: „Allgemeine israelitische Allianz " — Vom Octobcr ab erscheint im Berlage von Otto Schulze in Leipzig eine Monatsschrift: „Literaturblatt für orientalische Philologie", redigirt von Prof. Kühn in München. — Man schreibt aus Paris: „Wir haben schon früher mitgethcilt, daß nicht allzu weit von Tunis, dicht am Meere, die Franzosen die Grundmauern eines Gebäudes bloßgelegt haben, welches im vierten nachchristlichen Jahrhundert einer religiösen Genoffenschaft als Versammlungspunkt diente; in dem einen Zimmer war fast das ganze Mosaik des Fußbodens noch wohl erhalten; man erblickt Blumen, Vögel, Körbe mit Früchten, ferner eine Fontäne mit emporsprudelndem Waffer; auf dem Rande des Gefäßes fitzen symmetrisch zwei Pfauen, welche trinken; der obere theilweise zerstörte Theil läßt noch zwei Fische und einen rundlichen Gegenstand sehen, den man für ein Boot halten möchte. Interessant sind die in Mosaik ausgeführten Inschriften, welche in barbarischem Latein des vierten Jahrhunderts über die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes Licht verbreiten; nach der einen, hat eine Frau Namens Juliano, die Dienerin des Herrn, pro 83>1ut6iu suam die „heilige Synagoge" mit Mosaik versehen taffen; eine zweite Inschrift berichtet, daß Rustikus, der Sohn des Synagogenvorstehers, einen Theil des Portikus hat pflastern lassen; eine dritte, zweimal gleichlautend wiederholt und in einer Nische angebracht, lautet: In8tralr>6nta 3ervi tui, (die Werkzeuge Deines, d. h. Gottes, Knechtes) mit folgendem Namen. Die Worte „Synagoge" u. a. mehr, vor Allem auch die Verzierungen, welche die Inschrift einfaffen (der siebcnarmige Leuchter') zwingen fast an eine jüdische religiöse Vereinigung zu denken, während andererseits die sonstigen Embleme und Inschriften, die auf die Unsterblichkeit und auf das Seelenheil Hinweisen, einen mehr christlichen Eindruck machen.') Renan, der Abbildungen des Mosaiks der Pariser Akademie vorgelegt hat, nimmt an, daß es sich wirklich um eine jüdische Synagoge des vierten Jahrhunderts handelt." y Es ist wirklich zu verwundern, wie diese Herren Akademiker, trotz aller unzweideutigen Gegenbeweise aus der Bibel, den Apokryphen und den ältesten Theilen der Mischna dem Judcnthume selbst noch nach dem 4. Jahrhundert d. gew. Zcitr. die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele absprcchcn! (S. unsere Abhandlung im 2. Bande der „Israelitischen Rcligionslehre" S. 231 ff.) Redact. Iseuilleton. Eine SegetzUUNtz (Ulf den vvu einer Nebenstraße lenken wollte, stieß er mit einem andern Auf dem Trottoir der 13. Avenue bewegte sich in bequemem Schritt die stattliche Figur eines noch jungen Mannes.! Cr war mit ausgesuchter Eleganz gekleidet, trug über seiner Weste eine schwere goldene Kette, einen Solitär auf dem Schlips und einen blitzenden Diamantring am Zeigefinger der rechten Hand, die ein Stöckchen mit goldenem Griff eokett gefaßt hielt. Aus seiner Haltung und dem ziemlich ebenmäßigen schönen Gesichte leuchtete Behaglichkeit und Selbstzufriedenheit heraus. Als der Mann um die Ecke zusammen, der aus jener in die Avenue schreiten wollte. Beide prallten einen Schritt zurück und betrachteten einander. Der Hinzugekommenc bot ein trauriges Gegenstück zum ersteren dar. Auch er war ein junger Mann, aber klein, schmal, mit etwas gekrümmtem Rücken, den Kops vornübergebeugt; sein fahles, von schwarzen Locken umrahmtes Gesicht zeigte die Spuren der Entbehrung und des Kummers in tiefen Falten, cingesenkten Augen, zusammcngepreßtcn bleichen Lippen; seine Kleidung war aus verschiedenen Ländern zusammen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.