Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1883)
- Date
- 1883-09-11
- Page
- Seite 602 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227485--41107-3309555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
602 See und von andern Orten bekannt. Neben Erdbeben treten Uns scheint dieser Schluß recht kühn zu sein. Es scheint verheerende Cyklonen vornehmlich in dem Flachlande des sich nur das aus dem Obigen zu ergeben: wenn sich eine große Ganges und Brahmaputra, in den Sunderbunds, auf. Dieses allgemeine Ueberschwemmung in Mesopotamien ereignet hat, von einem Netzwerk unzähliger Wasserläufe durchzogene, dichtso ist sie durch Cyklonen und Erdbeben verursacht; aber bewohnte Schwemmland ist beständigen Veränderungen, sodurchaus nicht: daß der Dichter des Jzdubar-Epos ein bewohl langsamen als plötzlichen, unterworfen. Die Cyklonen > stimmtes geschichtliches, örtlich beschränktes Ereigniß vor nehmen meist ihren Ursprung bei der Inselgruppe der An-! Augen hatte. Die Erzählung spricht deutlich von einer die damanen und gehen von dort nach Norden, Nordwesten oder i ganze Erde bedeckenden Fluth, das zeigt schon die Flucht der Westen; in letzterem Falle reichen sie über Ceylon hinweg, Götter zum Himmel und die Aufnahme eines Pärchens von oft bis in den Golf von Aden hinein. Nach Norden zu! jeglicher Art in das Schiff. Durch diese Thatsache, durch treffen sie auf das erwähnte Delta der beiden großen Ströme.! die gewaltigen Uebertreibungen an Raum und Zeit der Es würde zu weit führen, Süß in den Schilderungen der; Ueberfluthung, ganz abgesehen von den mythologischen Berentsetzlichen Katastrophen zu folgen, die sie hier veranlassen.! zierungen, charakterisirt sich die Jzdubar - Fluthsage nur als Wir wollen nur der Cyklone vom 23. Oktober 1876 geeine von den vielen auf der ganzen Erde (z. B. selbst bei denken, die an der Megna - Mündung eine so gewaltige den Oceaniern) verbreiteten Fluthsagen. Die Aehnlichkeit Sturmfluth erzeugte, daß sie in kurzer Zeit 141 geographische! aller dieser Berichte, so auffallend sie auch sein mag, rührt Quadrat-Meilen 15 bis 45 Fuß hoch überschwemmte und nicht von der Herleitung von einem bestimmten Ereigniß her, 215,000 Menschen ertränkte. Ziemlich häufig ist das gleichsondern von dem ethischen Gedanken, den sie zum Ausdruck zeitige Auftreten von Cyklonen und Erdbeben, so z. B. am bringen: „Das ist jenes erdrückende Bewußtsein menschlicher 1l. und 12. Oktober 1737, wo 300,000 Menschen in der! Kleinheit im Anblicke der großen Gewalten der Natur, welche Umgegend von Calcutta umkamen. Süß ist nicht abgeneigt, j das religiöse Moment der Sintstuthsage ausmacht." (Süß.) einen gewissen Zusammenhang zwischen Wirbelstürmen und Erd-! Da dieser Gedanke von der menschlichen Schwachheit und beben in der Art anzunehmen, daß, wenn die Vorbedin-> Abhängigkeit gegenüber der göttlichen Allmacht, verbunden gungen zu einem Erdbeben gegeben sind, die plötzliche Bermit dem Ausdruck der strafenden Gerechtigkeit und wiederum Minderung des Luftdrucks, wie fie der Cyklone eigen ist, sein der Gnade Gottes, wie sie sich in der Sintfluth zeigen, bei Auftreten beschleunigen und seine Heftigkeit erhöhen kann. allen Völkern finden muß, so ist die weite Verbreitung sol- Süß zieht aus den fkizzirten Betrachtungen den Schluß, cher Sagen hinreichend erklärt. Natürlicher Weise wurden daß den Sintfluthberichten der alten Völker eine große; die Naturerscheinungen der Katastrophe bei den einzelnen Ueberschwemmung der mesopotamischen Tiefebene vom Meere Völkern so umgestaltet, wie sie in jedem Lande, wenn auch her, verursacht durch eine heftige Cyklone, verbunden mir in kleinerem Maße, sichthatsächlichereigneten. Daher stimmt einem Erdbeben, als thatsächliches Ereigniß zu Grunde liegender Bericht des Jzdubar-Epos mit Naturerscheinungen überdas einen um so unauslöschlicheren Eindruck Hervorbringen ein, wie sie sich in großen Flußniederungen finden; der mußte, je seltener diese Katastrophen in Mesopotamien so verbiblische Bericht dagegen läßt deutlich als Schauplatz ein hecrend auftreten. Die Sagen der übrigen Völker sind von > Gebirgsland erkennen. Alfr. PH. dieser ursprünglichen assyrischen Fluthsage abgeleitet. (Fortsetzung folgt.) %eUVt/w cj H Deutschland. Berlin, 30. Aug. Der Vorstand des deutschen Kriegerbundes erläßt folgende Bekanntmachung: „In Folge eines Vorganges in einem Verein ehemaliger Kameraden vom Pommerschen (II.) Armeecorps und eines weiteren im Verbände der Berliner Kriegervereine haben in Bezug auf die Aufnahme jüdischer Mitglieder in die Kriegervercine mehrfache Erörterungen stattgefunden. Es erscheint deshalb angezeigt, auf den Wortlaut der einschläglichen Paragraphen der Satzungen des deutschen Kriegerbundes aufmerksam zu machen." Folgen die Paragraphen, in denen es u. A. heißt: „Der Bund bildet sich aus Vereinen Deutschlands, deren Bestehen auf das ehemalige Militärverhältniß ihrer Mitglieder gegründet ist." Ferner: „Bei den Verhandlungen des Bundes und seiner Angehörigen ist jede Erörternng politischer und religiöser Fragen ausgeschlossen." — Ter Bundesvorstand mißbilligt also die zu Tage getretenen Erscheinungen von Antisemitismus in den Kriegervereinen deutlich. —. Wir haben bereits in vor. Nr. über eine Arbeiter- > Versammlung berichtet, deren Zweck in der selbständigen Auf-! stellung von Candidaten für die bevorstehende Neuwahl der i Berliner Stadtverordneten besteht, und in welcher sich die in j der eigentlichen Arbciterwelt herrschende Gesinnung kund gab.