Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1883)
- Date
- 1883-09-04
- Page
- Seite 588 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Kiewer und Boltaer Stadthaupt, an der Spitze der „Duma" stehen — deutlich bewiesen, daß sie mit den Rebellen nicht solidarisch ist, ja daß sie sogar auch bereit ist der Noth der verunglückten Juden nach Kräften zu steuern. Zweitens: Daß die Regierung entschieden gegen die Judenkrawalle ist und fest entschlossen, auf energischeste Weise mit der Waffe in der Hand dieses Thun zu unterdrücken, denn energischer als die Regierung in Rostow und Jekaterinoslaw verfahren, ist wohl kaum möglich; denn soeben eingelaufeuen Nachrichten zu Folge sind von den „Ruhestörern" 14 getödtet, 28 verwundet und ca. 300 verhaftet. Von Seiten der nicht antisemitischen Presse haben einige Zeitungen, wie die „Nowosti", die russische St. Petersburger Zeitung, das Jekaterinoslaw'sche Blättchen, die deutsche St. Petersburger Zeitung und der St. Petersburger Herold sehr energisch gegen diese „Ruhestörungen" sich geäußert, und sehen sie keinen anderen Ausgang für die Regierung als, je nachdem durch Einräumung des Wohnrechts in ganz Rußland für die Juden, oder auch durch völlige Emancipation den Judcnkrawallen ein Ende zu machen. Nächstens werde ich Ihnen einzelne Bruchstücke besagter Auslassungen reproduciren. Der Gouverneur hat die Gründung eines Hilfscomitvs für die Verunglückten genehmigt, was unter dem Regiment Jgnaticw niemals gestattet wurde. Jekaterinoslaw, 18. August. Der „Jekaterinoslawskij Listok" („Jekatcrinoslawer Blatt") veröffentlicht den Text einer Predigt, welche der russische Pfarrer von Jekaterinoslaw, P. Elias Wereschtschazkij. am 7. d. M. vor einer großen Volksmenge öffentlich auf den Trümmern der I. und 2. d. M. zerstörten jüdischen Häuser von Jekaterinoslaw gehalten hat. Diese Predigt lautet wörtlich folgendermaßen: „Diese Leute (nämlich die antisemitischen Exzedenten, Plünderer, Diebe u. s. w.) haben durch ihre schmachvollen Handlungen uns Alle erniedrigt. Jetzt werden alle Ungläubigen und Fremden uns auslachcn und sagen: Sehet, was für einen Glauben sie haben! Nur dem Namen nach sind sie Christen, in Wirklichkeit aber ärger als die Heiden! Sehet Ihr. wie das russische Volk ist, daß man nicht einmal unter den Wilden eine solche Eigenmächtigkeit und Willkür, einen solchen Ungehorsam den Behörden gegenüber antrcffen würde, daß man es wie die wilden Thiere mit der Waffengewalt bündigen müsse! Es ist schmerzlich und zum Weinen bitterlich, einen solchen Vorwurf zu hören! Was ist aber zu thun? Gieb uns Kraft, o Gott, eine solche Schmach zu ertragen! Was bei uns an diesen Tagen an schweren, die Seele eines jeden wohlgesinnten Menschen erschütternden Verbrechen geschehen ist. das ist natürlich nicht wieder gut zu machen. Es bleibt uns, wollen wir nicht in den Augen aller rechtlich denkenden Menschen als Bösewichte und Barbaren gelten. nichts Anderes übrig, als durch vernünftige Rathschläge und gute Beispiele unvernünftige zügellose Leute von einer Wiederholung solcher traurigen und eines Christen unwürdigen Handlungen abzuhalten. Cypern. * Aus einem Ausrufe des „Syrischen Colonisationsfonds-Ausschusses" erfahren wir, daß die 200 russischen Juden, welche in Syrien untergebracht werden sollten, Zuflucht auf der Insel Cypern fanden und dort von der englischen Regierung mit drei Quadratmeilen Land in einer gesunden Gegend bedacht wurden. Bor der Besetzung der Insel durch die Engländer im Jahre 1878 gab es dort keinen einzigen Juden, was die dortigen Griechen als ein Zeichen ihrer eigenen Schlauheit rühmlichst hervorzuheben pflegten. Der obige Ausschuß bittet jetzt um Geldbeiträge, um das den Juden geschenkre Land zu bebauen, Häuser dort zu errichten, Brunnen anzulegen u. s. w. Bonn, 26. August. (Notizen.) Man schreibt uns aus Celle: Am 8. August d. I. wurde die sterbliche Hülle des Herrn Or. Sophar zu Grabe getragen, der 35 Jahre hindurch die Stelle eines Lehrers des Gans'schen Fideicommiß und zugleich eines Predigers der hies. israel. Gemeinde mit seltener Liebe und Pflichttreue bekleidet hatte. Geboren 1806 in Altona, hatte er in Kiel studirt, war kurze Zeit in Strelitz (Mecklenburg), Güstrow und Köthen bis 1848 in seinem Berufe als Rabbiner thätig und kam von da nach Ecllc. Das zahlreiche Gefolge aus allen Ständen und Confessioncn gab Zeugniß von der Beliebtheit und Verehrung, die er sich erworben hatte. Am Grabe sang der „Allgem. Bildungs-Verein" (Christen), dessen Lehrer der Verewigte seit 32 Jahren in uneigennützigster Weise war. Dann sprach der Landrabbiner Dr. Guttmann aus Hildesheim und entwarf in ergreifenden Worten ein Bild der Thätigkeit und Verdienste des Verblichenen. Ferner sprach der Senior und Administrator obiger Stiftung, Herr Albert S. Cohen aus Hannover, ihm Anerkennung und Dank aus für sein aufopferndes und erfolgreiches Wirken als Lehrer und Erzieher, den Wunsch anschließend, daß die Stiftung weiter im Sinne des Testators segensreich wirke. Herr vr. Guttmann schloß die erhebende Feier mit einem Gebete. “zr Das Andenken des Verewigten bleibe zum Segen! L. | Bonn, 19. August. ' (Literarische Notizen.) Seit ' geraumer Zeit hat sich in England eine gelehrte Gesell-; schüft unter dem Namen Egypt. Exploration Fund ge- : gebildet, in der Absicht, auf ihre Kosten Nachgrabungen in! Aegypten anstellen zu lassen, um gewisse, mit der Bibel : im Zusammenhang stehende Oertlichkeiten Unterägyptens j geographisch und historisch mit Hilfe aufgefundener Denk-