Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1883)
- Date
- 1883-09-04
- Page
- Seite 587 (sequence 9)
- Language
- German
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587 jenes Gebietes der Fall ist, sind fast alle sehr reinlich, mit > Landesantheile zu vermeiden, suchen sie ihre Kinder nach Strohdächern und Fenstern, die aus zwei Flügeln bestehen — außerhalb zu verheirathen. „Ueberhaupt", so schließt der eine große Seltenheit in den russischen Bauernhäusern. Ebenso Verfaffer, „erfüllt die Colonie ihre Aufgabe ganz vortrefflich, sind sämmtliche Gebäude mit Schornsteinen versehen, — eben- und obschon sie eine Ausnahme bildet, so beweist sie dennoch, falls eine große Ausnahme, den die russischen Bauern haben daß es unter den Juden auch solche giebt, welche das Berzwar zumeist Oefen, aber keine Schornsteine, so daß der Rauch langen sowohl, als auch die Befähigung zum Ackerbau in den Wohnräumen bleibt. Die Scheunen befinden sich in j haben." einiger Entfernung hinter den Wohnhäusern. Als ich in das! Petersburg, 17. Aug. (Privatmitth.) Aus den offierste beste Bauernhaus eintrat, war ich überrascht von der! ziellen und privaten Mittheilungen über den Krawall in daselbst herrschenden Reinlichkeit. Wände und Decke sind weiß Jekaterinoslaw, besonders auch aus den Beschlüssen der übertüncht, der Fußboden aus Holz, das Meublement besteht! „Duma" (Stadtrath), den geschädigten Juden 5000 Rubel aus'einem Sopha, zwei Stühlen und einer Kommode; in einer und den Obdachlosen städtische Gebäude zur Wohnung zu Ecke war ein Wandbrett befestigt, auf welchem einige Bücher gewähren, ist deutlich zu ersehen, erstens: daß es nicht die und zwei kupferne Leuchter, die nur am Sabbath gebraucht örtliche Bevölkerung ist, welche den Krawall in Scene gesetzt, werden, zu sehen waren. Alles sauber und in bester Ordnung. Die Männer hatten einfache leinene Anzüge an, wie sie die Bauern dieser Gegend zu tragen pflegen, die Frauen kleiden sich in Kattun nach städtischer Art. Die Männer tragen außerdem ein spezifisch-jüdisches Kleidungsstück, welches einer geschloffenen Weste ähnlich sieht, mit herabhängenden Zwirnsäden. Besonders fiel mir die reine Aussprache der Colosondern ein auf das Geschrei einer Bäuerin, die Händel mit einem Juden hatte, herbeigeeilter Arbeiterhaufe, welche aus andern Provinzen herstammen, — wie gewöhnlich — aus dem Innern des Reiches — und in Jekaterinoslaw bloß zeitweilig, an dem Bau der Eisenbahn thätig, sich aufhalten, also Leute, die jedenfalls keinen Grund haben über „jüdische Exploitation" sich zu beklagen, wie die antisemitischen Blätter in ähnlichen nisten auf, — ich erkläre es mir dadurch, daß dieselben nicht Fällen, die Rebellen rechtfertigend, behaupten. Ebenso wenig der Nothwendigkeit ausgesetzt sind, bald russisch, bald polnisch, bald litthauisch rc. zu sprechen, was bei den in den Städten wohnenden Juden wohl der Fall ist, in Folge deffen diese letzteren schließlich sich ein Kauderwelsch aneignen. Sämmtliche landwirthschaftlichen Arbeiten verrichten die Colonisten selbst, im Nothfalle aber rufen sie die Mithilfe und der benachbarten Bauern des Ortes Kriwitschi an. Die alten Leute unter ihnen verstehen übrigens bis auf den heutigen Tag noch nicht zu pflügen, — diese schwerste der landwirthschaftlichen Arbeiten! — aber die jüngeren Leute, welche schon in der Colonie ausgewachsen sind, pflügen ganz vortrefflich. Die Wirthschaften find nicht gut eingerichtet. kann man die Schlußfolgerungen davon ziehen, welche die „Neue Zeit" in einem Leitartikel ihrem Publikum mit großem Pathos auftischt, nämlich, daß das russische Volk auf keine Weise sich mit Juden einleben mag. fei es ob Letztere unter Ersteren in großer oder in geringer Anzahl vertreten sind, er§o die einzige Lösung der jüdischen Frage in der Emigration der Juden besteht, weswegen dieses Blatt der „jüdischen Commission" warm an's Herz legt, diese Frage nur in dem Geiste zu entscheiden, in welchem Rumänien — seiner Behauptung nach — mit so glänzendem Erfolge entscheidet. Nicht die örtliche Bevölkerung, sondern Arbeiter aus Nordrußland, die vielleicht nie einen Juden gesehen haben. aber doch so gut, daß die Colonisten mit ihrem Schicksal aber die noch so weit, leider, in der Barbarei, Unwissenheit äußerst zufrieden sind. Sie hätten Ruhe, sagten die Colonisten Herrn Kurlow, und würden von Niemandem verfolgt. Eine kleine Synagoge befindet sich in der Colonie, die Kinder aber werden ent- und Unsittlichkeit stecken, einem Jeden zu folgen, welcher sie auf Beute und Plünderung führt, gegen wen dies immer auch gerichtet sein möge, nur solche Vertreter des russischen Volkes sind es, welche die jüdischen Häuser nicht bloß in weder in die Dorfschule geschickt oder zu Hause unterrichtet. Jekaterinoslaw und Rostow am Don, sondern — wie die In allen Häuser fand der Ruffe dieselbe Ordnung und Reinbetreffenden gerichtlichen Untersuchungen ergaben — auch lichkeit, was er nicht zum geringsten Theile dem Umstande überall, wo Krawalle stattfanden, jüdisches Hab und Gut zuschreibt, daß daselbst keine Schweine gehalten werden, welche plünderten und all' die entsetzlichen Greuel verübten, die so sehr die russischen Dörfer verunreinigen. (?) Ein Schmied Rußland mit ewiger Schmach bedeckten. Die Hefe der ört- und zwei Schuhmacher, ebenfalls Juden, find die einzigen lichen Bevölkerung leistete diesen Rebellen nur Hilfe, als Handwerker in dem Ort. Uebrigens werden dort diese Handdurch Getränke und Aussicht auf ergiebige Beute auch in ihr Werker lange nicht so geringschätzig betrachtet, wie unter den der Appetit auf fremdes Gut geweckt wurde. Die örtliche städtischen Juden. Sonst unterscheiden sich die Colonisten Bevölkerung in der Person ihrer „Duma'- (Stadtverwaltungsin ihren Anschauungen und Sitten in keiner Weise von ihren rath) hat in Jekaterinoslaw wie auch in andern Städten — anderen Glaubensgenossen. Um aber eine Zerstückelung ihrer wo nur keine bewährten Antisemiten vom Fach, wie das 36