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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-04 · Heft 36 (4.9.1883) · p. Seite 586

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 36 (4.9.1883)
Date
1883-09-04
Page
Seite 586 (sequence 8)
Language
German
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586 ü: Gesicht versetzte, wurde durch einen Säbelhieb am Kopfe leicht verletzt; außer diesem Individuum wurden weitere drei > Excedenten theils wegen Aufreizung der Menge, theils wegen! Renitenz verhaftet. Gegen halb 12 Uhr war die Ruhe hergestellt. Zur Unterdrückung des Excesies kamen im Ganzen 70 Wachleute in Action.! Prag, 20. August. (Privatmitth.) Die Antisemiten j machten vor einigen Tagen auch hier den Versuch, eine; Judenhetze zu insceniren, der aber völlig mißlang. An Schürern fehlt es auch bei uns nicht. Bei einer neuerlichen Revision wurde in einer hiesigen Buchhandlung eine größere Anzahl der Rohling'schen antisemitischen Schriften confiscirt und gegen den betreffenden Buchhändler die Strafanzeige wegen Verbreitung confiscirter Druckschriften erstattet. Kafchau, 22. August. (Privatmitth.) Wieder ein Fall, der geeignet ist, den hier herrschenden Judenhaß, mehr aber noch die ungarische Justizpflege in das rechte Licht zu stellen. Der Israelit Mayer Wohlgemuth aus Hernad-Becse war in Folge der Untersuchung des Szikßoer Bezirksgerichtes wegen Batermordes in Anklagestand versetzt und wurde seit fünf Monaten in Hast gehalten. Bor dem Kaschauer Gerichtshöfe wurde diesbezüglich heute die Schlußverhandlung abgehalten, wobei es sich herausstellte, daß der Angeklagte vollkommen unschuldig ist, und daß nur der Uebereifer des Untersuchungsrichters daran Schuld trägt, daß Wohlgemuth unschuldigerweise fünf Monate lang der Freiheit beraubt war. Der Staatsanwalt ließ die Anklage fallen und geißelte die nachlässige und gewissenlose Führung der Voruntersuchung mit den schärfsten Worten. Nach Anhörung der Bertheidigungsrede fällte der Gerichtshof das Urtheil auf „unschuldig" und ließ den Freigesprochenen, welcher nebenbei Vater von drei unmündigen Kindern ist, sofort auf freien Fuß stellen. Tirnau, 22. August. (Privatmitth.) Wie vor wenigen Wochen in Altofen wurde in der vorigen Nacht auch hier der jüdische Friedhof geschändet: zwölf der schönsten Grabmonumente wurden demolirt. Ueber solch unerhörten Vandalismus herrscht Entrüstung in allen Kreisen. Die Polizei hat energische Maßregeln zur Eruirung der Grabesschänder ergriffen. Großbritannien. London, 20. August. (Privatmitth.) Unsre Leser erinnern sich des Falles Levinson, der, ein Agent eines großen englischen Geschäftshauses, aus Petersburg verwiesen ward, weil er als ausländischer Jude dort nicht geduldet werde. Die englische Diplomatie beschäftigte sich mit diesem Falle, ohne etwas auszurichten. Neuerdings ist abermals der jüdische Agent eines großen Londoner Hauses aus Petersburg verwiesen worden. Bekanntlich widersprechen diese Vorgänge den Bestimmungen des englisch-russischen Handelsvertrages, welche einen Unterschied zwischen Engländern jüdischer oder christlicher Religion nicht zulaffen. Die Sache ist natürlich dem auswärtigen Amte in London notifizirt und das letztere wird seine Reklamationen erneuern. Auf diese, wenn sie nicht mit Repressalien verbunden sind, giebt jedoch die russische Regierung nichts. Rußland. Petersburg, 14. August. Nach einigen Wochen sollen die Berathungen der vor einem halben Jahre eingesetzten Judencommissionen unter dem Borsitze des Grafen Palen beginnen. Natürlich fehlt es schon jetzt nicht an mannigfachen Vorschlägen für eine Lösung der schwierigen Frage. Am häufigsten begegnet man den Projekten zur Ueberführung der Juden nach östlichen und nördlichen Gouvernements, um sie daselbst als Ackerbauer anzusiedeln. Angesichts dieser Vorschläge dürften die Mittheilungen von Interesse sein, welche ein Russe, Namens Bafil Kurlow, über eine jüdische Ackerbaukolonie in Rußland soeben gemacht hat. In den letzten Regierungsjahren des Kaisers Nikolaus wurden in dem jetzigen Generalgouvernement Wilna sogenannte Judenkolonien begründet, durch welche die Juden der Landwirthschaft gewonnen werden sollten. Seitdem find viele dieser Kolonien zu Grunde gegangen, manche bestehen aber noch bis auf den heutigen Tag, und eine von diesen hat nun der erwähnte Herr Kurlow zum Gegenstände einer ebenso eingehenden wie interessanten Schilderung gemacht. Es sei noch bemerkt, daß dieser Herr, wie aus der Einleitung zu seiner Darstellung leicht zu ersehen ist, keineswegs judenfreundlichen Tendenzen huldigt. Die betreffende Colonie befindet sich im Gouvernement Grodno, Kreis Slonim, Gemeinde Deretschin, etwa 6—7 Werst von dieser letzteren entfernt. Die Colonie existirt schon seit 33 Jahren und besteht heute aus 21 Bauernhütten mit vollem Landanthcil, d. h. mit je l2 Deßjätinen Ackerland, außer Weiden und Wiesen, welche genügen, um mehr als 20 Pferde und 150 Stück Rindvieh zu unterhalten — verhältnißmäßig viel unter gleichen landwirthschaftlichen Verhältnissen in Rußland. Das Ackerland ist als mittelmäßig gut zu nennen, nur klagen die Colonisten über völligen Mangel an Wald. Bei der Begründung der Colonie gab ihr Kaiser Nikolaus verschiedene Vorrechte, darunter Befreiung auf zehn Jahre von allen bäuerlichen Lasten und Befreiung vom Militärdienst auf 25 Jahre. Jetzt aber sind diese Colonisten mit allen andern christlichen Bauern gleichgestellt und genießen keinerlei Begünstigungen oder Vorrechte mehr. Sie gehören zu der Dorf-Gemeinschaft und haben einen Starosta (Aeltesten) an der Spitze. Von dem äußeren Ansehen der Colonie giebt der Autor folgende Schilderung: Dieselbe macht einen guten Eindruck. Die Bauernhütten, welche in einer Reihe errichtet find, wie dies in allen Dörfern

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