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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-04 · Heft 36 (4.9.1883) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 36 (4.9.1883)
Date
1883-09-04
Page
Seite 585 (sequence 7)
Language
German
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sammlung. Nach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden El. Szanto verlas der Vereinssecretär Csukasi seinen Bericht über das dreijährige Gebühren des Vereins. Diesem von der Versammlung mit Interesse angehörten und beifällig aufgenommenen Berichte entnehmen wir, daß die Zahl der Mitglieder des Vereins seit drei Jahren um das Doppelte sich! vermehrte. Der Verein zählt 320 ordentliche Mitglieder; cs flössen im Jahre 1882 als ordentliche Gebühren 1025 fl. ein, an Unterstützung für verarmte oder verunglückte Lehrer verausgabte der Verein 722 fl., an Lehrer-Wittwen wurden ü00 fl. vertheilt. Das Vereinsvermögen beträgt gegenwärtig 15,642 fl. 64 kr., im verfloffenen Jahre vermehrte sich das Vereinskapital um 3293 fl. 61 kr., wovon der größte Theil von den vom Verein herausgegebenen Büchern absiel. Hierauf las Lehrer Leopold Szep seine von fachmännischer Kenntniß zeugende Studie über die Vereins-Lesebücher vor; Communalschullehrer I. Schön beleuchtete die richtige Tendenz dieser Lesebücher vom pädagogischen und psychologischen Standpunkte. In einem größern Vortrage setzte vr. Goldberg (Ofen) auseinander, daß es ein Gebot der Pädagogik sei, daß in den Mittelschulen Ungarns der Religionsunterricht nach einem einheitlichen Prinzip unterrichtet werde. Auch betonte er die Nothwendigkeit der Errichtung von jüdischen Gymnasien und Lehrerinnen-Präparandien für jüdische Mädchen. Bernhard Schön aus Raab wies auf die Ursachen hin, weshalb die Bibel nicht in allen Gemeinden Ungarns in ungarischer Uebersetzung gelehrt wird. Diese Frage rief eine lebhafte Discussion hervor. Schließlich nahm die Generalversammlung folgenden von Csukasi ammendirten Beschluß an: „Die Generalversammlung des israelitischen Landes- Lehrervereins glaubt den Zeitpunkt herangekommen, daß in jeoer derjenigen vaterländischen Schulen, in welchen die Muttersprache der Kinder die ungarische ist, auch die Bibel in ungarischer Sprache vorgetragen werde." Ein zweiter Beschluß der Versammlung spricht aus, daß die zwischen jüdischen Gemeinden und Lehrern in neuester Zeit so oft platzgegriffenen Uneinigkeiten, dank der Fürsorge der Regierung und der bessern Einsicht der Gemeinden nuninehr zu den Seltenheiten zählen, es möge daher eine Deputation an den Unterrichtsminister abgesendet werden, welche für die diesbezügliche gütige Intervention der Regierung den Dank der jüdischen Lehrerschaft auspreche. Dieser einstimmig gefaßte Beschluß wurde auch alsbald ausgeführt. Unter Führung des Vorsitzenden Szanto begab sich eine Deputation in Abwesenheit des Unterrichtsministers zu dem Ministerialrath Gönczy. Derselbe erwiderte auf den Dank der Deputation, daß die Regierung nur ihres Amtes walte, wenn sie keine Ungerechtigkeiten zulasse. Es freut ihn constatiren zu können, daß die Zwistigkeiten zwischen Lehrern und Gemeinden jetzt viel seltener sind als vor Jahren, es hänge sehr vieles vom Lehrer ab. „Werden die jüdischen Lehrer die Gemeinde-Institutionen achten, werden sie vermeiden, sei es in religiöser oder gesellschaftlicher Beziehung Aergerniß zu erregen, dann können sie immer auf den Schutz der Regierung rechnen." An denselben Tagen, an welchen der ungarische israelitische Landes-Lehrer-Verein tagte und hochpatriotische Beschlüsse faßte, hielt auch die seitens der Regierung einberufene Landes Lehrer-Versammlung ihre Sitzungen und zwar im Abgeordnetenhäuser in den geweihten Hallen der Gesetzgebung und noch dazu durch die daselbst angestellten Diener ließen die Antisemiten die schmutzigsten Prodncte der Judenhetz- Literatur unter die Bolksbildner und Jugenderzieher vertheilen. — Nyiregyhaza, 16. August. Bor einigen Tagen erhielt der Inhaber des hiesigen Töchter - Erziehungs - Instituts, Ignaz Lefkovics, mit der Post ein Packet von Sir Moses Montcfiore, welches fünfzehn Schreiben enthielt, die an je einen Angeklagten im Prozeße von Tißa-Eßlar gerichtet waren. Jedem der Schreiben waren zehn Pfund Sterling beigeschlosien; die Briefe selbst sind in deutscher Sprache abgefaßt. Der greise Baronet tröstet darin die Freigesprochenen für all' die Kränkungen, die sie zu erleiden gehabt, und drückt seine Freude darüber aus, daß die Gerechtigkeit in ihrer Sache den Sieg davongetragen hat. Prag, 17. August. Der antisemitische Putsch in Prag am Mittwoch begann gleich nach dem Fackelzuge, mit welchem die Feier des fünfzigjährigen Pricsterjubiläums des Fürsterzbischofs Cardinals Schwarzenberg schloß. Nach 10 Uhr Abends rottete sich ein gegen 500 Individuen zählender Pöbelhaufe am Altstädter Ring, dem Niklasplatze und am Eingänge der „Eugen Gaste", der Judenstadt, zusammen und versuchte johlend und pfeifend iu die Josefstadt einzndringen, um auch in Prag einen Exceß nach berühmten Mustern zu insceniren. Schon im Laufe des gestrigen Nachmittags wurde die Bezirksleitung Josefstadt vertraulich verständigt, daß für den Abend ein Putsch des Pöbels gegen die Josefstadt geplant sei. In Folge dessen ersuchte der Bezirksleiter um Verstärkung der Sicherheitswache, die ihm sofort zur Verfügung gestellt wurde. Als nun nach zehn Uhr Abends der Pöbelhaufe seine Absicht verwirklichen wollte, wurde er in der Goldenen Gaste von einer ziemlich starken Abtheilung der Sicherheitswache unter Führung des Polizeicommistärs Hlavacek empfangen und zum Auseinandergehen aufgefordert; als gleichzeitig auch noch von den anderen Seiten starke Sicherheitspatrouillen auf die Excedenten eindrangen, fanden es diese gerathen, der Aufforderung Folge zu leisten, zumal die Polizei Ernst machte und mit gezogenen Säbeln einschritt. Ein Excedcnt, welcher einem Polizisten einen Faustschlag ins

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