Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1883)
- Date
- 1883-09-04
- Page
- Seite 584 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227484--41088-3309535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 2× ep/1000826
OCR text
584 ist und daß folglich, wenn sie auS ihren reaktionären Gelüsten heraus jenen befördern und pflegen, sie schließlich in ihrem eigenen Fleisch und Blut wühlen. Obige Ansicht wird uns auch durch folgende Corresp. der „Boss. Zeit." bestätigt: „Man darf darauf aufmerksam machen, daß an die Stelle einzelner Verschwörungen und Attentate gegen Würdenträger oder das Staatsoberhaupt der Kampf Aller gegen Alle getreten ist, dessen Beginn die Auflehnung der Maffe gegen die besitzenden Klaffen bildet. Die Judenhetzen erscheinen heute in einem ganz anderen Licht als vor zwei Jahren. Ter Gesammteindruck der nun vorliegenden Berichte über die Schreckeustage von Jekaterinosl.nv ist der, daß die Arbeiter, von dem in ganz Rußland vorhandenen revolutionären Ansteckungsstoff ergriffen, eine Revolte in Scene setzten, die ebenso gnt gegen die Christen wie gegen die Juden gerichtet war. „Haut die Juden" ist nichts mehr wie ein Stichwort zu allgemeinen Ausschreitungen, die bald hier, bald dort austreten und dem ruhigen Beobachter die Ueberzeugung ausdrängen, daß der ganze Organismus sogenannte Jsaakiade, ein, wie es heißt, von einem Einziger verfaßtes und mit ärgster Marktschreierei in die Welt gesetztes Pamphlet gegen das Judenthum, wurde heute Morgen bei dem hiesigen Verleger, Drucker und Buchbinder desselben polizeilich mit Beschlag belegt. — Posen, 18. August. (P. Z.) Ueber den sprachlichen Verkehr zwischen Polen und Juden in unserer Provinz bringt der „Dziennik Pozn." eine Correspondenz aus Adelnau, in welcher der Borwurf gegen die Letzteren erhoben wird, daß sie im Allgemeinen die polnische Sprache ignoriren und mit den Polen im Verkehr deutsch sprechen, sobald sie nur merken, daß der Pole ein wenig deutsch versteht, daß sie ferner in den ihnen gehörigen Gasthäusern nur deutsche, keine polnischen Zeitungen halten :c.; cs müsse dies anders werden, die Polen müßten iin Verkehr mit den Juden mehr auf die polnische Sprache halten. In sehr optimistischer Weise meint der Correspondent: „Wenn dies geschieht, dann werden die Juden mit den Polen polnisch sprechen, werden ihre Kinder Polnisch lernen lasten, werden in den ihnen gehörigen öffentlichen Lokalen polnische Zeitungen halten und werden bei von einem tiefen Leiden ergriffen ist. Zufolge einer Meldung ans Rostow am Don, wo am 22. Mai eine Judenhetze statt-i den politischen Wahlen mit den Polen stimmen?' fand, wurde dort am 11. August nach dem Bekanntwerden der Vorgänge in Jekaterinoslaw eine abermalige Hetze versucht, Dank der Polizei und dem mit Nagaiken versehenen Militär .C esterreich-Ungarn. Pest, 111. August. (Privatmitth.) Hier herrscht seit acht aber ohne Erfolg. Nur eine Schänke fiel den Excedenten! Tagen die vollkommenste, durch keinen Zwischenfall gestörte zum Opfer. Sogar in den Ostseeprovinzen, wo Christen! Ruhe. Es wäre hier, in der Hauptstadt des Landes, auch und Juden friedlich beisammen wohnen, scheint der über-> gewiß nicht zu Unruhen gekommen, wenn nicht die ehrsame Haupt verhetzte Pöbel an dem Beispiel des russischen Mob! israel. Landeskanzlei Moritz Scharf nach Pest hätte kommen Geschmack zu finden. Bor einigen Tagen verbreitete fich in > lassen. Das Aufsehen, das man mit dem Buben gemacht, Riga die Nachricht, ein Jude habe einen Christen erschlagen, ' hat das Volk aufgereizt. worauf ein Pöbelhaufe vor der Bude des angeblichen Mörders,; In einigen Gegenden des Landes ist die Stimmung der bloß mit seinem christlichen Knecht in Streit gerathen war, noch immer eine sehr erregte. Zu ernsten Unruhen kam es sich ansammelre und eine bedrohliche Haltung annahm. Rasches! in Neusohl, sodaß Militär aus Kaschau requirirt werden Eingreifen der Polizei verhinderte Gewaltthätigkeiten. Zwei! mußte. Auch in Kaschau befürchtete man den Ausbruch Tage darauf wurde ein sechshundert Köpfe zählender Haufe einer Judenhetze. von Ruhestörern nur mit Mühe von dem Hause desselben > Die jüngst in Agram und in anderen Städten Kroatiens Juden verjagt, der sich, wie es scheint, persönlich mißliebig 1 ausgebrochenen Unruhen waren rein nationaler Natur und gemacht hat. Die Polizei sah sich genöthigt,;um ferneren . hatten mit dem Antisemitismus nichts gemein, energischen Entgegentreten Militär zu requiriren. Mag man! Pest, 20. Aug. Wie man sich erinnern wird, spielte dem Vorfall in Riga auch nicht besondere Bedeutung bei-! der Gerichtskanzlist Peczely in der Untersuchung gegen die meffen, so wird doch nicht in Abrede zu stellen sein, daß er, Tißa-Eßlarer Juden eine wichtige Rolle. Während der Vergleich den Vorgängen im Süden ein Symptom einer tief- Handlungen wurde von der Bcrthcidigung dargelegt, daß dieser gehenden Gährung ist, die aus allgemeine Ursachen zurück- Beamte, wegen Todtschlags verurtheilt, schon zwölf Jahre im zuführen, weit größere Berechtigung vorliegt, als auf die Zuchthaus zugebracht habe. Nun ist er durch Verfügung des Abneigung gegen die Juden. Um die Masse, selbst bei einer Justizministeriums vom y. August „einstweilen, bis in Folge noch so großen Antipathie gegen die Juden, zu Gewaltthätigder bezüglich seines Vorlebens ausgetauchtcn Daten das comkeiten zu drängen, deren Schauplatz seit Jahren der Süden petente Gericht entschieden haben wird." beurlaubt worden, ist, bedurfte es in Rußland tiefer liegender Ursachen, wie in' Pest, 23. August. (Privatmitth.) Ter ungar. israel. Ungarn der Agitation der Antisemiten. Landes Lehrer-Verein hielt am 20. d. M. und an den daraus Bonn, 30. August. Die „Bonner Zeit." schreibt: Die folgenden Tagen in Budapest seine diesjährige General-Ver-