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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-04 · Heft 36 (4.9.1883) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 36 (4.9.1883)
Date
1883-09-04
Page
Seite 583 (sequence 5)
Language
German
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in aller Welt. Dabei liebt es der Herr Hofprediger, sich zweideutig auszudrücken. Ein Beispiel bildet z. B. der Satz: „Die Freisprechung Scharfs ist noch keine Freisprechung für die Juden, die in Ungarn wie in Rumänien, in Deutschland wie in Algier, in Rußlandwie in Galizien ohne Gewissen und Herz in unmenschlicher Weise die Armen ausplündern und überall, wo sie können, das Christenthum bekämpfen, beleidigen, verhöhnen, verleumden." Wollte man ihm vorwerfen, vaß er verleumde, so würde er solchen Borwurf mit Entrüstung zurückweisen, da ja die Worte: „für die Juden" nur bedeuten könnten „für diejenigen Juden". Aber warum drückt er sich nicht deutlicher aus? Warum unterstreicht er nicht wenigstens das zweideutige Wort „die"? Zum Schluß versichert Herr Stöcker, „der heilige Entschluß" sei in ihm „nur lebendiger erwacht, nicht auszuruhen vom Streit, sondern weiter zu kämpfen, bis in unserem geliebten Vaterland der König Mammon entfernt ist durch das Wort des lebendigen Gottes." Die vielen reichen Leute unter des heiligen Mannes konservativen Parteigenossen, die großen Latifundienbesitzer und Fideikom- Maurer und Tagelöhner — sind, die bei der Polizei meist schon als verdächtig eingeschrieben wurden." Man sieht hieraus klar, wieder Correspondent der „K.Z." willkürlich und absichtlich „und Juden" hineingeschoben hat; und da sich der Correspondent der Nationalzeitung auf die veröffentlichten Polizeilisten beruft, also die Thatsache constatirt ist, so kann über die tendenziöse Erfindung kein Zweifel sein. Man will eben die ungarischen Juden aller Welt verdächtig und verächtlich machen. — Die neue Alterversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde, die in der Schönhauserallce dicht neben dem israelitischen Friedhofe erbaut worden ist. ist jetzt fertig gestellt. Es ist ein in gelben Backsteinen ausgeführter, solider Bau, der im Innern ebenso praktisch wie bequem eingerichtet ist. Unter dem Giebel des zweistöckigen Gebäudes ist in schwarzen Buchstaben zu lesen: Alter-Versorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde, gestiftet von Moritz und Bertha Manheimer. — Der Antisemitismus war bisher den Kriegervereinen fern geblieben. Neuerdings jedoch hat ein jüngerer Bcrcin der ehemaligen Kameraden vom pommerschen (2.) Armecmißinhober brauchen sich die Taschen nicht zuzuhalten. Der; corps beschlossen, Juden in den Verein nicht aufzunehmcn. „König Mammon" bei Adel und Geistlichkeit und bei konservativen christlichen Geldmännern wird vom Herrn Hofprediger! unbehelligt bleiben. Es ist dies eine Stöcker gewöhnliche Manier, um seine unwahren Behauptungen und Verleumdungen gewißermaßen zu decken, daß er sagt: Jemand habe ihm geschrieben oder mitgetheilt ohne Namen zu nennen. Wer kann ihn dann controliren? Und schließlich kann er den Vorwurf der Lüge auf seinen Correspondenten und anonymen Mittheiler abwälzen. Diesmal ist seine Beschuldigung der Bestechung so abenteuerlich und gesucht, daß es einer Widerlegung nicht bedarf. Berlin, 20. Aug. (Privatmitth.) Wenn Ihr Pester trotzdem die Satzungen der Kriegervereine Religion und Politik von ihren Bestrebungen ausschließen. Die Sache kam kürzlich im Verbände der Berliner Kriegervereine zur Sprache, wo der Vorsitzende des Vereins den Beschluß hartnäckig vertheidigte. Er fand jedoch keine Unterstützung, vielmehr wurde die Discussion eine so erregte, daß er unter den Ohas der Versammlung den Saal verließ. — Die Daumschraube des 19. Jahrhunderts oder eine Gerichtsverhandlung ,.in Nitro glycerin", eine Posse, die den Proceß von Tißa-Eßlar parodiren und im Quarg'schen Vaudeville-Theater aufgeführt werden sollte, hat die Censur nicht passirt und darf mithin nicht aufgeführt werden. I Bonn, 20. Aug. (Privatmitth.) Aus Pest wie aus Correspondent seinen Collegen in der „Köln. Zeitung" bei Jekaterinoslaw erweisen die zuverlässigsten Nachrichten, der Behauptung, daß unter den „Einbrechern" am zweiten; daß an diesen Orten die antisemitischen Wühlereien nur die Pester Tumultuanten-Abend sich nur „Böhmen, Slovaken und > erste Veranlassung zu den Tumulten gegeben, alsbald aber Juden" befunden hätten, der antisemitischen Lüge zeiht, so kommt ihm eine Correspondenz der Nationalzeitung zur Hilfe. Hier heißt es: „Man braucht nur einen Blick auf die Namensliste der Verhafteten zu werfen, um sich über den Charakter und die Bedeutung der hier seit drei Tagen stattfindenden Ruhestörungen klar zu werden. Jeder, der sich durch Lärmen die Feindschaft der unteren Maffe gegen alle Besitzenden und die Plünderungs- und Raubsucht hervorgetreten ist und keinen Unterschied zwischen Juden und Christen machte, sondern die Häuser und Läden von Christen ebenso stürmte und ausleerte, wie die von Juden. Es ergiebt sich hieraus zweierlei: erstens, daß, wenn die Regierungen nicht in entschiedenster und energi- oder sonstige Ausschreitungen auf den Straßen bemerkbar > schester Weise gegen diese Tumulte einschreiten, wie dies in macht, wird sofort verhaftet und die Namensliste der Ber-! Jekaterinoslaw, nicht aber in Pest geschehen ist, die Bewegung hasteten täglich veröffentlicht. Aus letzterer ist zu ersehen, j gegen das Eigenthum eine immer größere und verderblichere daß die Mehrzahl der Verhafteten Knaben von 14 Jahren, j Ausdehnung nehmen wird; zweitens, daß auch die Herren meist Handwerkslehrlinge, und die Uebrigen durchgehends Conservativen sich endlich überzeugen, daß der Antisemitisbeschäftigungslose Böhmen und Slovaken — von Profession mus der geradeste und kürzeste Weg zur socialen Anarchie

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