Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1883)
- Date
- 1883-09-04
- Page
- Seite 582 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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582 2 Eggen.30 Doll. Mähmaschine, Rechen und Zubehör.... 100 „ Stall und Scheune. 200 „ 2 Kühe.100 „ £efcii.:.100 „ Instrumente, Wirtschaft und Diverse . . . 175 „ Saat.100 „ Zusammen 3963 Doll. Eine solche Colonie würde der hebräischen Gesellschaft circa 4000 Doll, kosten (das Geld, was Sicily-Jsland kostete, hätte für 6 solche Colonien gereicht). Wir haben in dieser Aufstellung bis zur ersten Ernte die Lebensmittel nicht gerechnet, in diesem Falle können die Colonisten auf folgende Weise verfahren: ein Theil geht aus Erwerb in die Stadt oder auf die Eisenbahn, und unterhält den andern Theil, welcher in der Colonie zur Bearbeitung des Landes zurückgeblieben ist. Dieser Auseinandersetzung fügen die Verfasser der Abhandlung einen warmen Aufruf an die begüterten und einflußreichen Glaubensgenossen bei, sich der Idee der Colonisation anzunehmcn und rechtzeitig durch die Bewilligung von Mitteln die weiteren Ansiedlungen jüdischer Ackerbauer in Amerika zu befördern, damit allmählich für bedrängte Glaubensgenosien und bei jeder etwaigen Katastrophe eine feste Zufluchtstätte gefunden werden könne. Wir empfehlen die obigen Mittheilungen zu genauerer Erwägung, besonders den allgemeinen Vereinen und Allianzen. Lu-wig Loffuth über die antisemitische Agitation. Einige Tage nach Beendigung der Schlußverhandlung in der Tißa-Eßlarer Affaire erschien in der „Wiener Allg. Zeitg." ein Brief Kofsuth's an den Vertheidiger Eötvös; der Brief, der bald die Runde in vielen Blättern machte, war gefälscht. Koffuth veröffentlicht jetzt im „Pesti Naplo" einen Brief, in dem er seine Entrüstung über die Fälschung ausdrückt und sich über die antisemitische Bewegung folgendermaßen äußert: „Ich habe zwischen Menschen und Menschen der Race, Sprache, Religion halber niemals einen Unterschied gemacht und werde auch keinen machen; der antisemitischen Agitation schäme ich mich als Sohn des XIX. Jahrhunderts, als Ungar bin ich darüber gekränkt, als Patriot verdamme ich sie; — ich verdamme sie schon aus dem Grunde, weil sie bezüglich der obwaltenden sozialen und national-ökonomischen Hebelstände die Symptome als Ursachen hinstellt, und die Aufmerksamkeit von der Erforschung der wirklichen Motive und von der Sanirung ablenkt, als wäre sie in den Dienst der die Wohlfahrt unseres Vaterlandes behindernden fremden Jntereffen getreten; ich verdamme sie auch deshalb, weil sie überhaupt keinen praktischen Zweck hat; es ist mir unmöglich, der Besonnenheit des Ungars so viel Bornirtheit zuzumuthen, daß es auch nur einen Menschen im Lande gäbe, der da glaubt, daß Dasjenige, was die Agitatoren erwähnen: „die Aufhebung der Emanzipation oder gar die Vertreibung von 6—700,000 Menschen aus dem Landeim XIX. Jahrhundert in Europa möglich sei, selbst wenn der Gedanke an sich keine moralische Monstruofität wäre; ich verdamme sie auch deshalb, weil die Agitatoren, indem sie darüber klagen, daß die Juden eine besondere, zusammenhaltende Gesellschaft in der Gesellschaft und zum Verderben der übrigen Klaffen derselben bilden: mit den Aufwiegelungen nur erreichen, daß die Juden noch bester Zusammenhalten, wie jede Bedrückung j die Bedrückten zur Eintracht zwingt." Deutschland. Berlin, im Aug. (Privatmitth.) Es gab einige gut-I müthige Leute, welche glaubten, Stöcker würde, wenn er! erst sein Ziel erreicht und mit seinem Hofpredigeramte ein! Abgeordnetenmandat vereinigt hätte, von seiner Verfolgung! der Juden allmählich ablaffen. Sie bedachten nicht, daß er,! um sich seinen Anhang zu erhalten, auch in dem fortfahren j müßte, wodurch er sich diesen erworben hat. Dies zeigt sich! besonders bei dem Tißa-Eßlarer Prozesse. In dem christlichsocialen Correspondenzblatt ist ein Brief Stöckers aus Partenkirchen vom 31. Juli enthalten, der auf dem „christlichsocialen Familienabend" vom 3. August, also dem Tage der Freisprechung in Nyiregyhaza, verlesen und mit stürmischem Beifall u. s. f. ausgenommen wurde. Die „Potsdamer Nachrichten" schreiben hierüber: Der Hauptzweck des Briefes war jedenfalls die Parole auszugeben, wie man nach der sicher bevorstehenden Freisprechung der ungarischen Juden mit eherner Stirn diese Schlappe aller deutschen Jndenhetzen — zu weiterer Hatz fruktisizire. Und wie macht er dies? Zunächst verdammt er im Voraus jedes freisprechende Urtel als falsch und erschlichen. „Ein nüchterner, gebildeter Mann schrieb mir vor wenigen Tagen aus Budapest, die Schuld sei zweifellos und nur! der Einfluß, das Geld, die Drohung des jüdischen Ringes! werde die Freisprechung bewirken, wenn dieselbe erfolgen j sollte." i Und nun folgt das wüste Geschimpfe auf die Juden