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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-04 · Heft 36 (4.9.1883) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 36 (4.9.1883)
Date
1883-09-04
Page
Seite 581 (sequence 3)
Language
German
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581 Amerika zu verkommen und unterzugehen. Dennoch ließen sich die jüngeren kräftigen Männer nicht entmuthigen und vertheilten sich zunächst auf viele Farmen, um den ameri-. konischen Ackerbau kennen zu lernen. Endlich gründeten sie die Colonie „Bethlehem Juda". Fürwahr, die Zweifler an der Verwirklichung der Colonisationsidee würden sich sehr verwundern, wenn sie einen Blick hierher werfen könnten, und junge Leute, die eine gute Bildung genoffen und in Wohlstand gelebt haben, mit Freudigkeit die schwersten Arbeiten vollbringen sähen, und die Ausdauer in der Gewißheit eines künftigen Erfolges anerkennen müssen. Wir heben nun aus dem letzten Kapitel der Abhandlung die Stelle wörtlich heraus, welche in praktischer Weise den Weg zu weiterer Colonisation zeigt. „Wir wollen uns jetzt mit der Frage beschäftigen, welche Mittel anzuwenden sind, damit die Colonisation gute Erfolge erreiche, welche Wege eingeschlagen werden müffen, damit die angewandten Mittel die gewünschten Früchte bringen. Bei der Lösung dieser Aufgabe müffen wir als erste Regel ausstellen: Die Colonisation russischer Juden kann nur dann das gewünschte Ziel erreichen, wenn Diejenigen, welche cs aus sich nehmen, diese Idee praktisch zu verwirklichen, es als ihre Aufgabe betrachten, sich von der zudringlichen Masse zu befreien, um dem Gefühle des Mitleides zu folgen (denn Leute, die bemitleidet werden müssen, entsprechen den Anforderungen der Colonisation nicht), sondern sich als Hauptaufgabe stellen: „Aus der Mitte unseres Volkes eine „Klasse Leute heranzubilden, an deren starkem „Geist Israel stets eine Stütze finden, frischen Muth „und Kraft schöpfen könnte, um jene Wogen nieder- „zukämpfen, die auf dem Meere unseres Volkslebens, in der Gestalt des Antisemitismus sich „aufthürmen." Die Hauptaufmerksamkeit muß dabei auf die Qualität und nicht auf die Quantität der Leute gerichtet werden. In die Reihen dieser Volksarmee dürfen nur moralisch und körperlich starke, geistig entwickelte, junge unabhängige Männer ausgenommen werden; eine solche Armee muß und wird den Weg für die Nachkommenden bahnen. Bis jetzt wurde ein ganz verkehrtes System beobachtet, die amerikanischen Comitcs, als sie sich entschlossen einige Colonien zu gründen, wählten dazu ausschließlich Familien: ein alter Vater, 5 bis 6 kleine Kinder, eine schwache kränkliche Frau, und da sollte die Colonie gedeihen! Wir wiederholen nochmals, daß die Gründer der ersten Colonien aus jungen unabhängigen Männern bestehen müssen, erst wenn diese festen Fuß gefaßt haben werden, kann an die Vergrößerung der Colonien selbst und des Contingents der Colonisten gedacht werden. Um in diesem Sinne zu wirken, müßte eine fpecielle Commission gegründet werden, die in Amerika wie in Europa sich mit der Colonisirung russischer Juden in Amerika beschäftigt. Fast Dreiviertel von Montana-Territorium und die ganze Westseite des Missuri in Dakota sind noch gänzlich unbevölkert. Tausende und aber Tausende Meilen guten, fruchtbaren Bodens liegen brach und die Washingtoner Regierung wäre zu jeder Zeit bereit, mehrere Countys zum Zwecke der Colonisation unentgeltlich herzugeben. Soviel es uns gelungen ist, Dakota zu erforschen, fanden wir, daß das Klima durchschnittlich dem mittelrussischen gleicht; der Boden ist auch gut, also die Hauptbedingungcn sind günstig. Das Klima ist gut, Land und Leute sind da, es fehlt uns nur an dem guten Willen unserer Kapitalisten. Wir sind fest überzeugt, daß es viele, viele dieser Mächtigen in Israel giebt, denen das Geschick ihres Volkes am Herzen liegt, das haben uns die letzten zwei Jahre bewiesen; es war nicht ihre Schuld, daß die Erfolge so traurig waren. Bei der Gründung der ersten Colonien muß darauf geachtet werden, daß keine Colonie aus mehr als 20 Personen bestehe, darunter höchstens zwei kleine Familien, und zwar auf folgende Weife: Junge, arbeitsfähige, unverheirathete Männer 16 Pers. 2 verheirathete nebst Frauen.4 „ Kinder ungefähr.4 „ Im Ganzen ungefähr 24 Seelen. Die erste Zeit müssen alle Mitglieder der Colonie eine Corporation bilden, damit würden zwei Erfolge erzielt werden, erstens würde die Gründung der Colonien um 5 mal billiger kommen, und zweitens würde sich unter den Colonisten die Idee der Solidarität entwickeln; Hand in Hand gehend würde es den Colonisten viel leichter sein, später ihre Eltern und Anverwandten, die in Rußland zurückgeblieben sind, an sich heranzuziehen. Es ist auch nothwendig, daß die Leute, bevor sie in die Colonie gehen, eine bestimmte Zeit auf Farmen arbeiten und beweisen, daß die Sache ihnen Ernst ist und sie wirklich ihrer Aufgabe gewachsen sind. Um eine solche Colonie auf festen Fuß zu stellen, braucht man Folgendes: 18 Claims Land ä 16 Dollars') .... 288 Toll. 17 Hütten'-). 500 2 Häuser. 1000 „ Synagoge, gleichzeitig Schule u. lueotiuZ-dou^ 300 „ 4 Joch Ochsen. 600 „ Pferde, Geschirr und Wagen...... 400 „ 3 Pflüge. 70 „ 1) Das Land müßte als „Homestead" ausgenommen werden, und kostet ein Claim, 160 Acker, 16 Doll. 2) Das Gesetz ersorderr, daß im Verlause von 6 Monaten aui jeden Claim eine Hätte gebaut und in die Hütte ein Lsen und Ben geüellt wird, der das Land ausgenommen, darf nicht länger als aus 1 6 Monate von seinem Lande foribleiben. Nachdem er 5> Jahre dieses -Gesetz beobachtet hat, geht das Land in sein unantastbares Eigen! thum über. 36*

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