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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-28 · Heft 35 (28.8.1883) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 35 (28.8.1883)
Date
1883-08-28
Page
Seite 574 (sequence 12)
Language
German
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hervorzuheben, daß die Gemeinde nur eine kleine, aus etwa 14 Familien bestehende ist, von welchen keinesfalls alle in finanziell guten Verhältnissen sich befinden, und ferner, daß die ausgesetzte Pension lediglich ein Akt der Freiwilligkeit ' der Gemeinde ist, welche für die übernommene Last keinerlei! Unterstützung aus staatlichen oder anderen Kaffen zu gewärtigen hat. Eine Anzahl Lehrer, die aus der Nähe und Ferne erschienen war, wurde von dem Vorsitzenden des rheinischwestfälischen Lehrervereins, Herrn Blumen au-Bielefeld, geführt. Mit bewegtem Herzen brachte derselbe in ebenso geistreichen wie ergreifenden Worten dem Jubilar die Glückwünsche nicht nur der anwesenden Lehrer dar, sondern auch Namens einer großen Zahl von Kollegen, Freunden und früheren Schülern. Er überreichte eine mit vielen Unterschriften bedeckte Adreffe und übergab dem Gefeierten mit finnigen Worten das von den Genannten gestiftete Ehrengeschenk. Das Präsidium des deutsch-israelitischen Gemeindebundes bethätigte seine lebhafte Theilnahme an dem Jubelfeste durch ein Glückwunschschreiben, deffen tief empfundener, erhabener und lehrreicher Inhalt jedem der Versammelten zu Herzen ging. Herr Prediger Blumenaü, als Delegirter des Bundes, war mit der Ueberreichung des Schriftstückes, dem eine „werthvolle" Aufmerksamkeit beigefügt war, betraut worden. Der Jubilar war von den ihm bereiteten Ovationen sichtlich ergriffen; seine tiefe Bewegung bedeutete den beredtesten Dank. — Zahlreiche Depeschen, Briefe und Geschenke gingen von den verschiedensten Richtungen zu Ehren des Tages ein, während Gratulanten aus der Gemeinde und der Bürgerschaft abwechselten. Nachmittags vereinigte ein heiteres Mahl die Festgenoffen, um nach den durchlebten, weihevollen Stunden nunmehr auch dem Frohsinn sein Recht werden zu laffen. Mögen die wohlthuenden und erhebenden Eindrücke dem würdigen Jubelgreis gar manches Leid vergeffen laffen, das er mit frommer und seltener Ergebung trägt; sie endlich den Lebensabend freundlich ihm erhellen und ihm ein reicher Lohn sein. Dr. Hulisch. — Nach Obigem ist es uns um so erfreulicher, mittheilen zu können, daß wie ein „protestantischer Lehrer und Freund" uns berichtet, auch Herr Lehrer Ludwig Schloß in Speyer am 9. November d. I. sein 50jähriges Amtsjubiläum und zugleich seinen 70 jährigen Geburtstag begeht. Ehre dem Ehre gebührt! — Bonn, 19. Aug. (Literarische Notizen.) Die„A.Z." enthält folgende intereffante Notiz: (Italienische Juden als Schauspieler am Hofe zu Mantua. 1579—1587.) Am 12. Januar des Jahres 1579 verließ eine glänzende Gesellschaft mit zahlreichem Gefolge Innsbruck, um sich nach Venedig und von dort an die Höfe von Ferrara und Mantua zu begeben. Fürsten aus Deutschlands edelsten Häusern hatten sich zu dieser Reise vereinigt, Erzherzog Ferdinand, der Gemahl Philippine Welsers, der Markgraf von Burgau, der Herzog von Braunschweig, Erzherzog Maximilian von Oesterreich und Herzog Ferdinand von Bayern. Der letztere, ein Sohn des durch seine Kunstliebe bekannten Albrecht V., hat die Erlebnisse der Fahrt Tag für Tag ausgezeichnet. Dieses intereffante handschriftliche Diarium — gegenwärtig im Besitze des königl. bayerischen geheimen Hausarchives — zählt 32 Blätter in Folio und führt den Titel: „Divrnale oder ordentliche vertzeichnus was sich von tag zu tag auf nachuollgender rays verloffen hat vom 12. Januarij bis vff den zwölfften Februarij discs fünftzehenhundert neun vnd sibentzigisten Jahrs." Die Fürsten reisten incognito, was jedoch nicht hinderte, daß man sie überall mit hohen Ehren aufnahm und durch alle möglichen Vergnügungen zu längerem Verweilen zu bewegen suchte. Besonders zeichnete sich hierin der Hof von Mantua aus. Der Aufenthalt, den unsere Reifenden dort vom 1. bis 6. Februar nahmen, gestaltete sich zu einer Reihe glänzender Festlichkeiten. Die Gonzaga, Mantua's Herrscherfamilie, hatten stets der heimischen Schauspielkunst die regste Theilnahme gewidmet, sie unterhielten fortwährende Beziehungen zu Italiens bedeutendsten Komödiantentruppen, und es war daher natürlich, daß man die hohen Gäste auch durch die Aufführung einer Komödie zu ehren suchte. Doch diesmal erschienen Schauspieler ganz eigener Art vor den Augen der Zuschauer. Das Tagebuch schreibt hierüber unterm 5. Februar (Fol. 27 b): „... Nacher haben wir sametlich in der hertzogin zimber das nachtmal gessen. Nach eszens vf den saal, da der fueßthurnier gehallten worden, gangen, Alldo ein Comedj von Juden agirt worden; hatt schier fünf Stondt gewört. Ist Nichtz anders gewest, alls sonst beij welschen Comedj, allein das khein Magnificio vn(d) Zanj dabey gewest; das Ort ist mit Portalln vnd heüszern gar hübsch zugericht." Die Thatsache, daß Juden bereits im 16. Jahrhundert als Schauspieler sich zeigen, schien mir interessant genug, um weiter verfolgt zu werden. Das Archiv des Hauses Gonzaga besteht noch gegenwärtig unter dem Namen ^rebivio storieo dei Gonzaga“ in Mantua; ich wandte mich also an den Vorstand desselben, Hrn. Stefano Davari, welcher die Liebenswürdigkeit hatte, in den dortigen Acten weitere Nachforschungen anzustellen. Aus seinen Mittheilungen geht hervor, daß der Hof bei verschiedenen festlichen Gelegenheiten die schauspielerischen Talente der Juden in Anspruch nahm. Der Leiter der Gesellschaft scheint ein gewisser Leone de Sommi, ebenfalls ein Jude, gewesen zu sein; er findet gleichzeitig auch als Theaterdichter Erwähnung. Urkundlich Nachweisen läßt sich das Auftreten der jüdischen Schauspieler nur in folgenden Fällen: 1580. Am 3. Dec. befiehlt Herzog Wilhem von Mantua dem Leone de Sommi, für die Hochzeit des Prinzen Bincenz Gonzaga mit Margarethe Farnese (welche im März 1581 stattfand)

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