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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-28 · Heft 35 (28.8.1883) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 35 (28.8.1883)
Date
1883-08-28
Page
Seite 572 (sequence 10)
Language
German
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572 mrineve Nächte wiederholten und die Bevölkerung in hochgradige Aufregung versetzten, wurde dieses Jahr in der Nacht des 0. Ab im Tempel und in den Synagogen kein Gottesdienst abgchalten und das am 0. Ab übliche Besuchen des Friedhofes unterlassen. Seit Vorgestern ist hier die Ruhe nicht mehr gestört. Das in der Hauptstadt gegebene traurige Beispiel antisemitischer Agitation fand in mehreren Provinzstädten als- ' bald Nachahmung. In Preßburg stifteten am Abend des 0. d. M. vierzig mit Knütteln versehene Individuen einen Krawall an, der aber durch das Einschreiten des Militärs rasch unterdrückt wurde. In Oedenburg zog ein großer Pöbelhaufe unter lärmendem Gejohle und Eljen-Rufe aus Jstoczy durch die Straßen, zertrümmerte die Scheiben in beiden Synagogen und richtete nicht nur in Juden-, sondern auch in Christenhäusern vielfache Verwüstungen an. Neber 70 Excedirende wurden verhaftet und dem Gerichtshöfe überliefert. Die Aufregung ist noch immer sehr groß. Auch aus dem nahe gelegenen Deutsch-Kreutz, sowie aus verschiedenen Orten des Preßburger Komitats, aus Tirnau, Schenkwitz, Nagy-Legh, Nagy-Magyar und Szered werden Unruhen gemeldet. In Steinamanger wurden mehreren Juden die Fenster eingeschlagen. Die Bürgerschaft Steinamangers, über die Vorkommnisse aufs Höchste entrüstet, ist aus das Entschiedenste entschlossen, die Ruhestörungen im Keime zu unterdrücken. Die Familie Scharf hat sich nach Nanas begeben, um sich dort dauernd niederzulassen. Nußland. Aus Rußland, 7. Aug. (Privatmitth.) Die enorme Zahl der Todteu und Verwundeten unlängst in Rostow und gegenwärtig in Ekaterinoslaw bezeugt genügend, daß die Regierung fest entschlossen ist, mit allen ihr zur Disposition stehenden Mitteln dem äußerst gefährlichen Treiben gegen die Juden ein für alle Mal ein Ende zu machen. Wenn aber für jetzt die Verantwortlichkeit der administrativen Gewalt für unvorhergesehene Excesse in den Hintergrund tritt, so rückt andererseits um so schärfer die verhängnißvolle Frage heror, was dazu bisher geschehen ist, um die Gewaltthatcn überhaupt in Zukunft zu verhindern, ihr Erscheinen zu vermeiden. Leider aber ist bisher von Seiten der Regierung nichts Radikales geschehen, um diese traurigen Ursachen unmöglich zu machen. Ossiciell existirt zwar eine Commission, die zur Erledigung der Judenfrage niedergesetzt worden ist; aus der Mitte dieser Commission ist sogar ein Mitglied ins Ausland delegirt worden, um mit der englischen, französischen und deutschen Legislatur in Betreff der Juden sich vertraut zu machen; allein wer kann cs wohl voraussehen, wie viel Gewaltthaten und Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung zu registriren sein werden, bis diese Commission ihre Sitzungen eröffnen wird. Wenn schon aber im Interesse der Juden, so ist cs auch für das Reich selbst unentbehrlich, diesem anormalen Zustande ein schleunigstes Ende zu machen: denn da diese Judenexcesse Rußland Europa gegenüber sehr discreditiren, so macht es sich gleich sehr fühlbar für den russischen Geldcours, und eine jede dieser Unruhen bringt Rußland ganz ohne Zweifel auch in ökonomischer Hinsicht um viele Millionen. — Ein Correspondent des „Wosschod" aus Stolbez (Minsk. Gouvern.) theilt demselben folgendes Histörchen mit: Als er vor einiger Zeit auf der Straße ging, traf er zufällig einen ungarischen Hausirer, der vor einem großen Zuhörerkreis die ausgezeichnete Güte seiner Waare, welche aus verschiedenen Kleinigkeiten bestand, zu Preisen bemüht war. Unter anderem Kram fand sich in diesem eigeuthümlichen „Laden" auch ein Bild, welches die unglückselige Affaire darstellte, wie die Juden zu Religionszwecken — ein christliches Mädchen in Tißa - Eßlar niederschlachteten! Auf die Frage des Correspondenten, ob er schon viele Exemplare verkauft habe, bedauerte der Ungar, daß er leider nicht mehr solcher Bilder gehabt habe, diejenigen, die er hatte, wurden vorzüglich von Geistlichen alle vergriffen! — Das obengenannte Blatt theilt mit, daß unlängst, in Folge einer Privatangelegenheit, im Ministerium der Reichsdomänen die Frage angeregt worden war, ob es Kaufleuten jüdischer Confession in den sogenannten Kirgisen- und andern sibirischen Steppen das Arrondiren von Bergwerken und Fundgruben, zum Erbeuten und Ausarbeiten von Erz und einigen andern Metallen gestattet werden könne. Da das russische Reichsgesetzbuch in Betreff der Juden keine irgend welche Beschränkung in dieser Beziehung enthält, so entschied das genannte Ministerium obige Frage in einem für die Juden günstigen Sinne. — In Reval, der Hauptstadt des estländischen Gouvernements, wo noch zu Anfang laufenden Jahrhunderts kein Jude wohnen durfte, fand unlängst, einer Mittheilung des „Hamelitz" zufolge, mit großer Feierlichkeit die Grundsteinlegung zu einer jüdischen Synagoge statt, woran auch sämmtliche Notabilitäten des Ortes Theil nahmen. H. B. Jekaterinow, 8. August. (Privatmitth.) Wie die Jekaterinower „Lanzk. List." meldet, gab es bei den am 1. und 2. d. M. in der südrussischen Gouvernementsstadt Jekaterinowland stattgehabten Straßentumulten 14 Todte und 73 Verwundete. In dieser Zeit wurden mehr als 200 jüdische Läden, Buden, Magazine, Gasthäuser, Theeschänken und Wohnungen zerstört und geplündert. Das Rauchtabak-Magazin Garkc wurde von den Excedenten angezündet und ver brannt. Der Werth der vielen zerstörten Häuser, Magazine, Läden und Buden und der geraubten oder vernichteten

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