Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1883)
- Date
- 1883-08-28
- Page
- Seite 570 (sequence 8)
- Language
- German
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lituelles Quellbad, welches, wie wir schon mehrfach hörten, zu den schönsten und comfortabelsten in Deutschland gehört. 3. Auf Veranlassung des im Jahre 1872 hierher berufenen Gemeinde-Rabbiners, Herrn Dr. Feilchenfeld, wurde Anfangs des Jahres 1874 eine Gemeinde-Religions-Schule errichtet, welche von der Gemeinde subventionirt wird. Letzteres gilt auch von der schon lange vorher für arme Schüler und Schülerinnen bestandenen Talmud-Thora-Schule. 4. Seit 1875 ist auf Gemeinde-Kosten ein Beamter lediglich zu dem Zwecke angestellt, das rrniDS in den hiesigen Fleischgeschäften zu beaufsichtigen. 5. Im Jahre 1877 wurde das alte Federvieh-Schlachthaus abgebrochen und durch ein neues, allen Anforderungen der Zeit entsprechendes, ersetzt. Wenn nun noch mitgetheilt werden kann, daß bezüglich des Friedhofswesens seitens der Gemeinde-Verwaltung seit Jahren alles Mögliche geschieht, um der Würde der Gemeinde, den Ansprüchen der Zeit und den Wünschen des Publikums zu entsprechen, so ist wohl die Frage berechtigt: ob diesen Thatsachen gegenüber behauptet werden könne, daß an eigentlichen Gemeinde-Instituten hier nichts vorhanden sei und die seit undenkliche Zeit hier herrschende Stagnation nichts zu schassen gestattet habe. Wenden wir uns aber nun zu den von der Gemeinde nicht geleiteten oder beaufsichtigten Instituten und Zustände, so erweist sich auch nach dieser Richtung hin jene Behauptung der Stagnation als gänzlich unzutreffend. Die Gemeinde-Verwaltung hat zwar im Jahre 1849 das eigentliche Synagogenwesen aus den Händen gegeben, weil die Autonomie der einzelnen Synagogen aus mehreren Gründen sich dringend empfohlen hat, und wurden die betreffenden Lokale den Gemeinde-Mitgliedern zur unentgeltlichen Benutzung überlassen; für die religiöse Erbauung und Belehrung der Gemeinde ist jedoch hinreichend Sorge getragen. In der „alten Synagoge" und der „neuen Betschule" (seit deren Schließung in der Jnterims-Betschule) werden von dem Gemeinde-Rabbiner, Herrn Dr. Feilchenfeld — M. in der „neuen Betschule" wurden bis kurz vor deren Schließung auch noch seitens des greisen Predigers, Herrn Salomo Pleßncr —, ferner in dem Tempel der Brüdergemeinde, wo der Gottesdienst seit vielen Jahren mit Orgel und Chorgesang eingeführt ist, von dem Rabbiner Herrn Dr. Bloch und in dem Humanitäts-Verein von dem Rabbiner Herrn Dr. Landsberg, regelmäßige Predigten gehalten. Außerdem werden allabendlich in einem der Botehamidroschim Borträge über Raschi und das Ritualgesetz gehalten und in einen andern derselben *;n gelernt. Was den Religions-Unterricht betrifft, so sind außer den eben bereits genannten beiden Lehranstalten die Religionsschule der Brüdergemeinde und private Religionsschulen vor- Händen. Betreffend des Krankenverpflegnngs- und Beerdigungs- Wesens wetteifert der seit 1869 hier bestehende „neuer israelitischer Verein für Krankenpflege und Leichenbestattung" mit der oben erwähnten, seit undenklichen Zeiten bestehenden, gleiche Tendenzen verfolgenden Gesellschaft in sorgfältiger und gewiffenhafter Erfüllung des Berufes. Was die Wohlthätigkeit im Allgemeinen betrifft, so besitzen wir hierorts, einschließlich des „Vereins zur Ausbildung von israelitischen Religionslehrern in der Provinz Posen", 26 jüdische Vereine, wie z. B. „israelitischer Armenverein", ferner „Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder", „Verein zur Erziehung jüdischer Mädchen", „jüdischer Borschuß-Verein" und wie dieselben sonst noch heißen; der hiesige Adreßkalender führt 22 davon auf. Auch in diesen Vereinen giebt sich seitens deren Leiter ein stets eifriges Bestreben nach immer regerer Entwickelung kund. Wir fragen: hat hiernach der Referent wirklich bona fide gehandelt, wenn er von einer Stagnation in der hiesigen Gemeinde gesprochen? und sollten ihm die erwähnten Institute, Thatsachen und Zustände wirklich unbekannt gewesen sein? — n — Fürth, 13. Aug. (Privatmitth.) In Süddeutschland wurde dem Antisemitismus durch das rasche und kräftige Auftreten der Regierungen rasch der Boden unter den Füßen genommen. Der Erlaß des hochherzigen Königs von Bayern, die Initiative des humanen Herzogs von Meiningen und sonstige Acte der Gerechtigkeit der Monarchen find den Lesern wohl gut im Gedächtnisse. Eine neuerliche Kundgebung v. 9. d. zur Bekämpfung von Rohheit, Fanatismus und sonstigen . Ausbrüchen, die der Antisemitismus im Gefolge hat, liegt uns j aus dem von Juden vielfach frequentirten Bade Reichenhall! bei München vor. Der blinde Haß -er Antisemiten kennt keine Grenze, er schont selbst Kranke nicht, die, fern vom heimathlichen Herd, Ruhe und Erholung in weiter Ferne suchen und würzige Gebirgsluft einathmen wollen. An Ruhebänken in R. wurden Zettel mit antisemitischen Aufschriften gefunden, in Folge deffen folgende Bekanntmachung erschien: - „Im Laufe der letzten Tage wurden zahlreiche Ruhei bänke, Wegweiser u. s. w. in den Anlagen mit Zetteln beklebt, deren Inhalt bereits zur Anregung der Untersuchung wegen Vergehens nach § 130 und § 304 des deutschen Strafgesetzbuches Anlaß gegeben hat. Im Interesse der künftigen Fernhaltung ähnlicher Vorkommniffe durch strenge Bestrafung der zur Zeit unbekannten Thäter wird an das gesammte fremde und einheimische Publikum die Aufforderung gerichtet, etwaige Anhaltungspunkte zur Entdeckung derselben zur Anzeige zu bringen. Demjenigen, welcher verlässige, zur , Entdeckung führende Daten liefert, wird eine Belohnung von , 25 Mark zugesichert. Königliches Badecommissariat: j Graf Pestalozza."