Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1883)
- Date
- 1883-08-28
- Page
- Seite 568 (sequence 6)
- Language
- German
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568 haben, um weiter zu gehen. Das ist ein trauriges Schau-! spiel, noch mehr es ist eine Schande und ein Skandal zu beobachten, wie diese armen Leute einer systematischen Ausbeutung j verfallen, theils durch eine organisirte Gesellschaft von Courtiers, die kettenartig längs den Häfen dieser Küste sich aufhalten,; die als unverschämte Agenten die wenigen Geldmittel diesen' Unglücklichen ausziehen und sie von Alexandrien nach Beyruth und umgekehrt spazieren führen mit der täuschenden Hoffnung, sie heimlich durch ihren Schutz ausschiffen zu lassen. Es ist Zeit, daß dieses Trauerspiel ein Ende finde, und außer der Hülfe, die wir den bis jetzt in Palästina angesiedelten Unglücklichen schulden, die durch die Versuche einer unglücklichen Colouisation auf's Berhängnißvollste festgebannt sind, das ist das einzige Resultat, da» wir durch das ganze Gewicht unsrer Autorität und der vollen Pression unsres Einflußes zu erreichen streben muffen." — Wir, die Redaktion der „Allg. Zeit. d. Jud." haben unsre Pflicht in dieser Angelegenheit gethan. Wir haben stets und mit allem Nachdruck, uns jeder Einwanderung und jedem Colonisationsversuche widersetzt und dieselben Gründe geltend gemacht, die gegenwärtig das obige Resultat motiviren. Aber im Leben wie in der Geschichte gilt es: Wem nicht zu rathen ist, ist nicht zu helfen. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. ihm schriftlich augczcigt, daß er bereit sei, die ihm übertragene Eandidatur anzunehmen. Er wolle demnächst seine Candi- Brrli«, 16. Aug. (Privatmitth.) Aus der officiellen daten-Rede halten. Nachdem Goerki und verschiedene focial- Criminalstatistik vom Jahre 1681 geht hervor, daß der demokratische Arbeiter ihren aus früheren Versammlungen Religion nach von den Verurtheilten, soweit deren Religion bekannten Standpunkt zu den bevorstehenden Stadtverordnetenbekannt war, 35,1*7 Prozent katholisch, 62,84 Prozent evangewählen erläutert hatten, meldete sich ein Hr. Scheller zum lisch, 1,08 Prozent jüdisch und 0,11 Prozent andersgläubig Wort: „M. H. Kennen Sie die Nationalitäten, die in der waren, so daß auf 100 evangelische Einwohner 0,73 evange- Stadtverordneten-Bersammlung sitzen?" (Großer Lärm. Rufe: lische Berurtheilte, auf 100 katholische Einwohner 0,87 katho- Antisemiten raus! Wir kennen keinen Religionsunterschied'.) lische Berurtheilte, auf 100 jüdische Einwohner 0,65 jüdische i Der Redner versuchte noch weiter zu sprechen, er wurde jedoch Berurtheilte und auf 100 andersgläubige Einwohner 0,30! durch zu großen Tumult daran verhindert. Zum Schluß desgl. Berurtheilte kommen würden. Also auch hieraus! der Versammlung wurde beschloffen, ein Centralwahlkomite ergiebt sich, daß die Juden gegen die beiden anderen großen; zur Vorbereitung der bevorstehenden Stadtverordnelenwahlen Confessionen das geringste Contingent zu den Verurtheilten zu wählen. Es wurden vorgeschlagen: Maschinenbauer.Goerki, stellten. Maschinenbauer Pleew, Schraubendreher Lievländer, Kürsch- — Aus einer Erklärung des Bruders des Herrn zu ner Ferkon, Tischler Nöske, Former Herzfeld, Maurer Putlitz, der sich erschossen hat, geht hervor, daß es allerdings Conrad, Tischler Bennewitz und Tischler Herold. Nachdem ein amerikanisches Duell war, dem dieser zum Opfer fiel alle diese erklärt hatten, daß sie Communalwähler wären und und zwar in Folge eines Conflikts mit einem „jüdischen weder zur Fortschrittspartei, noch zu den Antisemiten oder Referendar über die Judenfrage." Wir brauchen nicht zu sagen, daß wir das amerikanische Duell verabscheuen, wie Confervativen gehörten, sondern lediglich zu den Arbeitern stehen würden, wurden sie sämmtlich fast einstimmig in das wir denn aus religiös-sittlichen Gründen jede Art Duell als Centralwahlkomit6 gewählt. Goerki brachte noch ein Hoch einen traurigen Rest mittelalterlicher Anschauung betrachten | auf die „freisinnige Communal-Wählerschaft Berlins" aus. und verwerfen. Daß aber die confervativen Blätter nun ein Die Versammlung antwortete mit einem Hoch auf Goerki und besonderes Gewicht auf den „jüdischen Referendar" als Gegner die Socialdemokratie. legen, und daraus neue Gehässigkeit gegen die Juden zu; — In der Dennewitzstraße, im Hause No. 18., befindet ziehen sich bemühen — dafür sehen wir keinen rechten sich der Laden des jüdischen Kleiderhändlers Willy Preuß, Grund ab. — Zur Charakterisirung der Stimmung in Berlin dienen folgende zwei Vorgänge: Die Herren Goerki und Genossen hatten zum 13. Abend abermals eine Communalwähler-Vcrsammluug berufen. Dieselbe war von weit über 1000 Personen besucht. Goerki thcitre u. A. mit: Kaufmann Paul Singer habe gegen den verschiedener Vorkommnisse halber schon seit Langem von vielen Seiten in jener Gegend ein gewisser Groll gehegt wird. Gestern gegen Abend soll nun der Preuß einen Knaben , einer geringfügigen Ursache willen geschlagen haben. Die Mutter des Knaben, darüber aufgebracht, war hierauf mit einem l', jährigen .„.mde auf dem Arme, in den Laden des Preuß getreten, um ihn zur Rede zu setzen. Preuß soll die