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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-28 · Heft 35 (28.8.1883) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 35 (28.8.1883)
Date
1883-08-28
Page
Seite 566 (sequence 4)
Language
German
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566 Sollten sie Repressalien nehmen und darauf bestehen,! nur vor einem Richter ihrer Confession den Eid oblegen zu können? Darauf antworten wir mit einem entschiedenen Nein! Zum ersten wäre eine solche Weigerung religionsgesetzlich unbegründet, weil der christliche Richter sich zum Allmächtigen Gott ebenso gut bekennt wie der Jude. Zum zweiten giebt der Eidesformel doch nur der Glaube und die Ueberzeugung des Schwörenden Bedeutung, nicht aber die Gesinnung des Eidabnehmenden. Zum dritten sollen wir nicht Verletzung mit Gegenverletzung vergelten, und wie wir in den finstersten Zeiten des Druckes uns vor Reprefialien gehütet, vielmehr thaten, wie es der Talmud den Juden gebot: Arme zu unterstützen. Kranke zu pflegen und Todte zu begraben, wenn sie auch Heiden wären, welches Liebesgefühl diese in ähnlichen Fällen bei Juden doch gewiß nicht bekundeten, so gebietet uns die der schwere Jrrthum in dieser Angelegenheit, als ob Colonien, Ackerbaustätten im Nu zu schaffen wären. Solche Experimente schlagen stets fehl, und sind deshalb der ganzen Unternehmung höchst gefährlich. Wenn es sich darum handelt, allmählich eine kleinere oder größere Anzahl einer überschüssigen und bedrängten jüdischen Bevölkerung nach anderen und freieren Ländern zu verpflanzen, so würde es von unschätzbarem Werthe sein, Pflanzstätten zu haben, nach welchen ein Theil der Tüchtigsten und Arbeitsfähigsten gebracht werden könnten. Aber solche Pflanzstätten wollen mit großer Vorsicht angelegt und in längerer Zeit zum Wachsthum gebracht werden. An sich dann für die Betheiligten eine segensreiche Heimstätte, würden sie in kritischen Momenten sichere Anhaltspunkte bieten. Wir werden daher auf diese Frage in völlig unparteiischem Sinne öfter zurückkommen. Denn — wir gestehen es offen — man hatte zuerst zu lernen, wie es nicht zu machen sei, um daraus zu folgern, auf welche Weise man Vorgehen das sittliche Gefühl, Unrecht erleiden ohne es; müsse. Leider hat es an solchen traurigen Studien Religion wie zu vergelten." Er setzt ferner auseinander: „Ueber die Art der Beeidigung besteht keine bindende Form, es geht vielmehr aus nachstehenden Stellen hervor, daß der Eid, auf welche Weise immer geleistet, Kraft, Giltigkeit und Heiligkeit besitze. Exod. 20, 7. Lev. 5, 4, 19, 12. Num. 3, 3. Hat doch nach jüdischen Religionsbegriffen schon das feierlich gegebene Wort Eideskraft. So Gen. 21, 2. 25, 33. 26, 31. 31, 53. Josur 2, 12. 6, 22. 9, 18. Sam. I. 20, 11. Ruth 3, 23. und ist aus Num. 5, 19. ersichtlich, daß selbst das Anhören der Eidesformel und die bloße Bekräftigung des Gehörten mit einem „Amen" als Eidesablegung gilt. Maim. Haflaa, Abschnitt l." Aus Maim. Haflaa, Abschn. I, dann Joredea 237, 1. geht hervor, daß es ganz gleichgiltig sei, wer den Eid abnimmt, sei dies selbst ein Heide oder ein Sklave. Mit eindringlichen Worten empfiehlt der Verf. deshalb seinen Glaubensgenossen, selbst wenn das Gesetz es ihnen gestatten sollte, sich niemals zu weigern, vor einem christlichen Richter einen Eid zu leisten. Wir kommen nun zu einer, das Gegentheil behauptenden Abhandlung in Nr. 28 der „Evangelisch - Lutherischen Kirchenzeitung", um das Gewicht ihrer Gründe zu prüfen. (Schluß folgt.) nicht Zur Frage -er Colonisation. Biele mögen diese Frage bereits wieder als abgethan und bei Seite gelegt betrachten. Der drängende Moment, welcher diese Frage auf's Tapet brachte, scheint ihnen vorüber, da es sich augenblicklich nicht um das Unterbringen von Emigrantenmaffen handelt. Aber das war und ist gerade gefehlt und eine dieser ist die folgende: I. Schon von Beginn der russischen Katastrophe an hatte sich der Gedanke ackerbauender Colonien nach zwei Richtungen hin getheilt: die eine wollte die Colonisation in Palästina, die andere in Amerika. Man begreift die uralte Sympathie und Pietät, die im Herzen der Juden noch immer das Land ihrer Väter, das Land der Propheten und heiligen Sänger, das Land unsrer Siege und Niederlagen besitzt. Hierzu kam, namentlich in der russisch-jüdischen Jugend ein wiedererwachtes und um so lebhafteres Nationalgefühl. Man schwärmte für die Wiederherstellung einer selbständigen jüdischen Nation in Palästina und wollte sogar hierin die alleinige Zukunft des Judenthums erblicken, als ob sich tausendjährige geschichtliche Thatsachen im Handumdrehen umwandeln und ausgleichen ließen. Aus diesen Motiven ist es erklärlich, daß einige Tausend russischer und rumänischer Juden nach Palästina zogen und dort eine glückliche Zukunft erhofften. Denn allen denen, die sich ein unbefangenes Urtheil bewahrt hatten, mußte diese Colonisation in Palästina als ein unglücklicher, aussichtsloser Gedanke erscheinen. Alle wirklichen Verhältniffe sprachen dagegen. Das erdrückende und erschlaffende Willkürregiment der Türken, die Feindseligkeit der Bewohner, die Unsicherheit durch die Beduinen, der Mangel an fruchtbarem Boden für größere Bolksmaffen und hierzu die Unkenntniß des Ackerbaues seitens der Mehrzahl der Emigranten und das ungewohnte Klima — alles dies widerrieth jeden Versuch einer Colonisation in größerem Umfange. Denn wenn auch wirklich hier und da unter besonders günstigen Umständen eine geringzählige Colonie gedeihen mochte, so wäre dies doch nur eine Ausnahme und für das Gelingen größerer Ansammlungen nicht entscheidend. Der Einwande-

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