Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1883)
- Date
- 1883-08-21
- Page
- Seite 557 (sequence 15)
- Language
- German
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557 News" und „Standard" sagen, der ganze Prozeß war eine Parodie aus die Justiz, er beweise, wohin politischer Haß und Religionswahn Halbgebildete treiben können. Alle an dem Prozesse betheiligten Behörden, ausgenommen der Staatsanwall, haben sich mit ewiger Schmach bedeckt. „Telegraph" und „Morning Post" schreiben die ganze Schuld dieses so schmählichen Prozeßes, die Torturen und was sonst noch zu Tage trat, der entehrten ungarischen Justizverwaltung zu. Hätte nicht die ganze civilisirte Welt einen Schrei des Entsetzens über solche Schmach ausgestoßen, so würden die Angeklagten vielleicht am Galgen geendet haben. Rußland. Petersburg, 4. Aug. Im südlichen Rußland, wo die Bevölkerung gegen die Juden stets am seindscligsten gesinnt war, sind neue Bersolgungen vorgckommen. In einem Regierungscommuniqu6 wird mitgetbeilt, daß am 2. d. M. in Jekaterinoslaw ein Pöbelhaufen einen thätlichen Angriff ans die jüdische Bevölkerung der Stadt gemacht hat und dazu durch eine schwere thätliche Beleidigung ausgereizt wurde, welche an demselben Tage einer Bauernfrau von einem Inden zugefügt worden war. Um den Exceß niederzuschlagen, sei Militair requirirt worden, welches zur Wiederherstellung der Ordnung von den Waffen habe Gebrauch machen müssen. Bon den Tumultuanten, die größtentheils aus fremden, beim Eisenbahnbau beschäftigten Arbeitern bestanden hätten, seien 10 Mann getödtet und 13 verwundet. Daß die angerichteten Verwüstungen nicht unbedeutend sind, erhellt aus einem in Petersburg eingegangenen Telegramm aus Jekaterinoslaw, wonach der dortige Stadtrath nach Wiederherstellung der Ruhe beschlossen, den durch die Ercesse geschädigten Juden aus Stadtmitteln eine Entschädigung von 51:00 Rubeln zu gewähren, und zur Bertheilung dieser Summe eine aus Juden und Christen bestehende Kommission eingesetzt hat. obgleich habe der Stadtrath Anordnungen getroffen, um die Obdachlosen in städtischen Gebäuden unterzubringen und den Erzbischof ersucht, durch die ihm untergebene Geistlichkeit auf die Beruhigung der Gemüther hinzuwirken. Weitere Ercesse seien seitdem nicht vorgekommen; das Militair verbleibe bis aus Weiteres in der Stadt. Petersburg, 8. August. In Jekaterinoslaw wurden K e u i l Noch Einiges ans Tißa-Eßlar. Der Berichterstatter des „N. W. Tgbl." bat die Frau des Joses Scharf ausgesucht. 28 Jahre war dieselbe alt, als sie im Mai vorigen Jahres verhaftet wurde, heute macht sie den Eindruck einer alten Frau. Sie erzählte ihm Folgendes: „Mein Mann war am 21. Mai verhaftet. Der große von den Theilnehmern der letzten Juden-Exzesse 16 Mann tvegen Widerstandes und Angriffes auf das Militär dem Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheit überwiesen. Amerika. St. Paul, im Juli. Eine Colonie russischer Juden hat sich im Staate Oregon niedergelassen und obliegt dort mit allem Eifer dem Ackerbau. Sie hat ihre Ansiedelung, welche an der Eisenbahn von Californien nächst Leland in Douglas liegt, Neu-Odeffa benannt. Die „Volkszeitung" von St. Paul berichtet, daß die Ansiedlung allem Anschein nach prosperiren dürfte, da die Ansiedler sehr fleißig und strebsam sind und auch einen blühenden Holzhandel betreiben. Bonn, 12. Aug. (Notizen.) Man schreibt uns aus Münster, 5. August. Am verflossenen Montag, den 30. v. M.; bewegte sich unter allgemeiner innigster Theilnahme ein unabsehbarer Leichenzug nach dem Gottesacker der hiesigen jüdischen Gemeinde. Die irdischen Reste eines der edelsten Männer, eines hochgeachteten Bürgers dieser Stadt wurde zu Grabe geführt; es war der allgemein bei Arm und Reich, bei Hoch und Niedrig, bei allen Confessionen hochverehrte Herr Heinrich Jtzig, der im 58. Jahre seines thätigen Lebens uns plötzlich entrissen wurde. Sein Hingang ist ein empffndlicher fast unersetzlicher Verlust für die Marks-Haindorf sche Stiftung: in dem Hingeschiedenen verliert sie einen thätigen. und aufopfernden Beförderer dieser schönen Anstalt. In der kurzen Zeit, in welcher er theils als stellvertretender, theils als wirklicher Präses thätig war, wirkte er erfolgreich für das Wohl und das Fortbestehen des Instituts. Am Grabe hielt der Prediger der Gemeinde Herr Dr. Mansbach die eigentliche Grabrede, dann redete der frühere Lehrer und spätere Freund des Verklärten einige Worte des Andenkens und zuletzt sprach noch im Namen des Curatoriums der Herr Prediger Blumenfeld aus Essen rührende Worte des Dankes und der Hoffnung. Das Andenken des Frommen und Gerechten bleibe zum Segen'. — Aus Pest wird uns geschrieben: Bor einigen Tagen starb in Kecskemet der Synagogendieoer der dortigen Gemeinde im Alter von 108 Jahren. Derselbe versah bis unmittelbar vor seinem Tode seinen Dienst. t e l o n. Schrecken hat mich krank und elend gemacht, und ich bin verlassen zu Bette gelegen. Plötzlich kamen zwei Kutschen angefahren, sie blieben vor meinen Fenstern stehen. Ein Herr, den ich später als Pandurenkommissär Recsky kennen lernte, schrie vom Hofe: ..Judenfrau bring den Synagogenschlüssel;" Ich antwortete nicht, denn ich war sehr krank und züterte