Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1883)
- Date
- 1883-08-21
- Page
- Seite 547 (sequence 5)
- Language
- German
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r-47 — Jetzt weiß ich es schon, aber damals fürchtete ich wartet kam dieses Urtheil des Gerichtshofes wohl Niemandem, mich noch. j Die Consequenz aller in der Beweisführung aufgedeckten That- — That es Ihnen nicht weh, gegen Ihren Bater solche fachen nöthigten selbst den Widerstrebendsten anzuerkennen, Dinge auszusagen? daß diesem Prozesse nichts als eine von der niederträchtig- — Man sagte mir ja, es werde meinem Vater nichts zusten Bosheit und der äußersten sittlichen Verkommenheit erleid geschehen, und dann wußte ich ja nicht, daß das Alles fundene Fabel zu Grunde lag. Wenn wir uns dieser stärkvor's Gericht kommen werde. sten Bezeichnungen bedienen, so wird sie jeder Unbefangene — Was ist dann aber an der ganzen Geschichte wahr für völlig berechtigt ansehen, schon wenn er erwägt, daß man gewesen? sich eines Sohnes gegen seinen Vater bediente, um die Fabel — Nichts, als daß die Juden Abends im Tempel in Scene zu setzen, daß man einen unmündigen Knaben waren. zuerst durch Drohungen und Mißhandlungen, dann durch — Haben Sie die Esther gut gekannt? Versprechungen, Schmeicheleien und völlige Jsolirung dahin — Ich weiß nicht, vielleicht habe ich sie einmal gebrachte, gegen seinen eigenen Vater mit bewußter Lügensehen. Hastigkeit die Anklage auf Mord zu erheben. Alles dies — Wer hat damals die Leuchter vom Tische gestellt? ist faktisch vor dem Gerichtshöfe erwiesen und von diesem — Vielleicht die Batori, das weiß ich nicht mehr. anerkannt worden. Es wird dies die schmählichste Seite des — Haben Sie in der Nacht bei Necski Etwas gegessen? ganzen Prozesses bleiben, und gerade hieraus wird sich auch -- Man gab mir, doch wollte ich nichts essen. die Anklage gegen die oberen und obersten Justizinftanzen, — Haben Sie geschlafen? mit einem Worte, gegen das Justizministerium erheben, das — Vielleicht eine halbe Stunde, dann weckte man mich bei einem so unerhörten und horrenden Vorgang sofort einen und Vary schrieb Alles nieder. vrüfenden Blick in die Untersuchungsaktcn werfen, die Un- — Was schrieb er, und haben Sie ihm diktirt? Haltbarkeit und fabelhafte Verkehrtheit der Untersuchung er- -- Er stellte mir Fragen und ich antwortete, wie ich kennen und diese in andere unparteiische Hände übergehen es gehört. lassen mußte. Das Motiv, aus welchem die Antisemiten — Und warum sagten Sie vor dem Gerichtshöfe nicht gerade diesen Weg cinschlugen, ist einsichtlich: es verlockte sie die Wahrlicit? der Gedanke, daß wenn der eigene Sohn gegen den Bater — Ich fürchtete mich, denn im Gefängnisse sagte man das Zeugniß erhübe, die Welt glauben müßte: das muß mir, ich solle bei dem bleiben, was ich schon ausgcsagt und wahr sein, weil es sonst nicht möglich wäre. Aber sie sind man hätte mir vorgehalten, daß ich schon einmal so gestanin ihre eigene Falle gestürzt. Die Lüge war zu künstlich den habe. angelegt und das erwählte Werkzeug doch zu unfähig, als — Warum aber getrauten Sie sich nicht, bei der Schlußdaß nicht der ganze Betrug vor dem ersten Strahl der prüverhandlung die Wahrheit zu sagen? senden Wahrheit zusammenbrechen mußte. Hierbei wollen — Henter sagte mir immer, ich solle bei der ersten Auswir auch nicht vergessen, daß der Gerichtshof, namentlich sage bleiben. sein Präsident, am Beginn der Verhandlungen sich mehr der — Wie konnten Sie dieselbe so geläustg hcrsagen? Anklage als der Vertheidigung zuwandte und sich erst im — Ich hatte sie oft genug eingeübt. Laufe derselben von der Unwahrheit und Unhaltbarkeit der Alles dies erklärt jedoch das scheußliche Benehmen des Anklage überzeugte. Dahingegen müssen wir nicht minder Knaben gegen den Bater, die Mutter und die Glaubenshervorheben, daß der öffentliche Ankläger schon aus den genossen bei der öffentlichen Gerichtsverhandlung nicht ge- Untersuchungsakten die Wahrheit erkannt hatte und mit einem nügend. rühmenswcrthen Rcchtsgefühl die Anklage von vornherein anfgab. Was nun die Fabel der Blutbeschuldigung überhaupt Die Schlußverhandlung im Tißa-Eßlarer ^Iroceß. betrifft, so hat sie jedenfalls durch diesen Prozeß einen starken VIII. Stoß erhalten. Aber ist dies nicht schon oft genug der Fall (Schluß.^ gewesen, und nach einiger Zeit wurde sie immer wieder von Am 3. August Nachmittags verkündete der Telegraph den Feinden unsrer Religion rlnd unsres Stammes auf's an alle Welt die Freisprechung sämmtlicher Angeklagten von Tapet gebracht, in den rohen Blassen verbreitet und von den Tißa-Eßlar. „An alle Welt", denn alle Zeitungen aller gebildeten Judenfeinden scheinbar geglaubt? Wir sind daher civilisirtcn Länder theilten das Telegramm mit fetter Schrift, nicht so ovtimistisch zu meinen, das; sie hiermit ans der Welt viele an der Spitze ihres Blattes ihren Lesern mit. Unergeschafft sei. Beweis hierfür ist uns, daß sie am Ende des