Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1883)
- Date
- 1883-08-14
- Page
- Seite 537 (sequence 11)
- Language
- German
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_537_ bildet und deren Zweck ist, die Agrikultur in Amerika zu Dr. Wintner, der den Zukunfts-Farmern bis zum Bahnpflegen und unter ihre Mitglieder zu verbreiten. Hof das Geleite gab, drückte seine Wünsche für ihr Wohl- Viele Emigranten sind in einer Korb-Fabrik in Brooklyn ergehen in folgenden Abschiedsworten aus: beschäftigt, da aber manche sehr wenig verdienen, so wurde Elohim chajim umelech olom auf Dr. Wintner's Befürwortung in Brooklyner Hilfskomitö Jeworech wejischmor „Am Olom". beschlossen, auf besten Kosten eine Anzahl würdiger Leute Scholom lochem meato v'ad olom! nach der Arkansas-Colonie, mit welcher sie in brieflichem Ver- - - kehr standen, zu senden.^— Durch den Einfluß und das Bonn, 12. Aug. (Notizen.) Man schreibt uns aus Bemühen des Herrn Morris Adler erhielt man die Fahrkarten Hamburg: Am 15. August a. e. begeht der Prediger am für reduzirten Preis, und die Emigranten mit andern „Am; hiesigen israelitischen Tempel, Herr Dr. Jonas, das Jubi- Olom"-Kollegen, die sich ihnen anschlosten, reisten (10 Per-! läum seiner 25jährigen Wirksamkeit in seiner jetzigen Gemeinde, sonen) vorige Woche vom Grand Central-Bahnhofe, wo sich Er übernahm dieses Amt nach dem Rücktritte des Dr. Gotteine große Anzahl russischer Glaubensbrüder einfand, nach hold Salomon, und verwaltet dasselbe noch mit voller körper- Arkansas ab. Iseui Der große Dranin -er Frankfurter Iudenkadt 1711. (Schluß.) Später ergänzte sich diese Aussage noch dahin, daß ein Schneider im Hause des Rabbiners oben in einer Kammer Kleider ausbesserte und beim Verlosten der Kammer das auf dem Tisch „mit betrippeltem Unschlitt" befestigte Licht brennen ließ*'). — Es ist nur zu bemerken, daß diese näheren Umstände nachträglich ermittelt wurden, so daß der verhaftete Rabbiner, der sich wohl um wichtigere Dinge zu kümmern hatte, davon nichts wußte, daß ein Schneider mit der Ausbesserung von Kleidern oben „in der Kammer" beschäftigt gewesen war; es ist ferner nur zu bedenken, daß die Beschreibung des Zimmers, das seit „Jahr und Tag" unbenutzt gestanden, und zu dem man mittelst einer Treppe gelangte, vollständig auf „die Kammer oben" paßte, um den Hergang der Sache auf die einfachste Weise zu erklären. — Was lag nun vor, der so einfachen Darstellung des bis dahin allgemein geachteten, hochgelehrten Rabbiners keinen 12) Glauben zu schenken? Ist in seiner ganzen Gesinnung und Persönlichkeit, wie wir sie aus seinen Schriften und Ansichten so klar erkennen, auch nur etwas, was zur Bildung jener Märchen und Verdächtigungen einen Anhaltspunkt hätte bieten können? — Es ist erklärlich. Die furchtbare Größe des Unglücks konnte, das lag damals in der Zeit, nicht mit einer so geringfügigen Nachlässigkeit in Verbindung gebracht werden. Die Erklärung eines so großen Strafge- 11) Frankfurter Oster-Meß-Relation von 1711 7. 15. p. lol., also eine Veröffentlichung offiziellen Charakiers. Angeführt von Lersncr und Schudt. 12) Schudt bemerkt zur Aussage des Rabbiners: „Er selbst, der Rabbiner, muß die Christen für gar einfältige Leute gehalten haben, indem er sich vermeinet, mit einem läppischen Gesicht hcrauszuschwätzen." sS. 71]. — licher Rüstigkeit. — t e t o n. richtes durfte damals, um glaubwürdig zu erscheinen, des Großen, Wunderbaren nicht entbehren! — Aber bleibt denn nicht groß genug die Austastung der jüdischen Bevölkerung, daß das Feuer eine Strafe Gottes sei dafür, daß in der Gemeinde zu wenig für die Armen gethan worden sei^); bleibt diese Austastung nicht groß genug, auch wenn es bei dem Ausbruch des Feuers mit ganz natürlichen und einfachen Dingen zuging? — Fünfhundert Häuser waren verbrannt und gegen achttausend Menschen ") obdachlos geworden. Die Armen unter diesen wurden im „Pestilenzhause" untergebracht, die Reichen quartirten sich in der Stadt ein, diejenigen, die keine „Stättigkcit" besaßen, wurden ausgcwiesen, eine große Anzahl wandte sich nach Hanau, Rödelheim und anderen benachbarten Orten, und vom Rest wurden Viele von christlichen Mitbürgern in humanster Weise ausgenommen. Auch Rabbi Naphtali fand in einem ehrbaren bürgerlichen Hause freundliche Ausnahme15); der Schneidermeister Johannes Finger nahm ihn gastfreundlich aus.lß) — Doch die Sagen, die über ihn ersonnen und verbreitet waren, verleideten ihm den Aufenthalt. Er verließt) die Gemeinde, die fast voll- 13) Schudt, daselbst. — 14: Rach einer Quelle waren 24000 Juden damals hier, was selbstverständlich eine ungeheure Uebertreibung ist. Schudt schätzt die ' jüdische Bevölkerung Frankfurts zur Zeit des Brandes auf 12000 Seelen, Lersner die Obdachlosen auf 8000, was immerhin eine große Zahl bleibt im Vergleiche mir den 500 Familien, die die „Stärtigkeit" ursprünglich erhielten. 15) Darüber und gar über diejenigen, die den Inden Räume für : gottesdienstliche Zwecke zur Beifügung stellten, war Schudt iS 23.; 27 und 28) ganz außer sich. — Aber die christliche Bevölkerung dachte eben hierin anders als der gelehrte Herr.- lß) Johannes Finger stammte, wie sein Urenkel, Herr Oberlehrer ' Dr. Friedrich August Finger, mir freundlichst mitiheilte, aus dem i Odenwald und wohnte in der Lindheimergasse. Im Diarium der i Krönung Carl's VI. ist er als Unteroffizier im achten Quartier auf-! gefüh t. — 17) Bei seinem Abschiede soll er seinem freundlichen Wirth den 33*