Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1883)
- Date
- 1883-08-14
- Page
- Seite 538 (sequence 12)
- Language
- German
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538 ständig aufgelöst war, und ging von hier nach Prag, dem j Stammsitze seiner Familie. — Er fand da Ansehen und > Ruhm18), aber nicht den Frieden, die Ruhe wieder, die ihm der Brand der Frankfurter Judengasse geraubt. Der viel-! geprüfte Mann wollte nach Palästina auswandern, fand! aber schon in Konstantinopel die ersehnte Ruhe (am 24. > Tebeth 1719)im Tode. | Sein Testament, ^) das er für seine Kinder schrieb, nimmt auf seine Frankfurter Erlebnisse nur mit der Bemerkung Bezug: „Was mir in Posen und Frankfurt gethan worden ist, möge verziehen, vergeben sein Allen, die mir Leid zugefügt haben." — In Frankfurt erhielt sich über den Brand die sagenhafte Auffaffung, welcher ein späterer Künstler in einem Gemälde 21) Ausdruck gab, das den berühmten Rabbi darstellt, wie er vor einem aufgefchlagenen Foliobande zwei jungen Schülern die tiefen Geheimnisse seiner Lehren offenbart. Es erscheint eine Sonne, die ihre Strahlen verklärend ausbreitet im Lehrhause, das Licht wird immer Heller und glühender, bis es den Vorhang berührt. — Lehrer und Schüler blicken auf. Das edle Gesicht des Rabbi ist in Ruhe der Flamme zugewandt, mehr staunend als erschrocken. Die Züge der jugendlichen Schüler dagegen zeigen Aufregung und Entsetzen. — Auch die Denkmünze ^). die zur Erinnerung an den Brand geprägt wurde, nennt „den Polen Rabbi Naphtali" als den „Verursacher" des Feuers. — Die jüdische Bevölkerung benahm sich Angesichts des großen Unglücks würdig und gefaßt. Nur Wenige beschuldigten den unglücklichen Rabbiner,28) Alle bedauerten ihn und bewahrten ihm treue Erinnerungen. — Das Ungewohnte, daß so viele Juden unter Christen in der Stadt wohnten und verkehrten, ließ befürchten, daß leicht ein Zusammenstoß erfolgen könnte, zumal schon Drohungen vernommen worden waren, daß wenn ein Feuer in der Stadt ausbrechen sollte, man die ganze jüdische Einwohnerschaft dafür verantwortlich machen und hart büßen lassen werde. Der Kaiser ließ daher an die Bewohner der Stadt eine die Juden schützende Warnung ergehen, die der Rath am 18. März unter Trommelschlag bekannt machen ließ. — Schon am 23. März wurde der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. 24) Bei der Feierlichkeit der Grundsteinlegung war ein „Bürger-Capitän" zugegen.^) Der Rabbi, der dabei „hebräische Gebete" *®) sprach, mar wohl kein anderer, als R. Samuel Schotten, den die Gemeinde, so oft kein Rabbiner angestellt war, als ihren Lehrer betrachtete. Er verfaßte auch für den als Bußtag bestimmten 24. Tebeth sTag des Brandes) ein ergreifendes Gebet.27) — — Jüdische Künstler in Holland. Segen gegeben haben, daß es ihm und seinen Nachkommen nie an Brod mangeln möge. — Jüdische Familien, unter denen dieser Segen in der Tradition erhalten blieb, haben, so lange ein Nachkomme des alten Finger im Orte ein offenes Geschäft hatte, bis in die neueste Zeit es als eine Ehrenpflicht gehalten, bei demselben Einkäufe zu machen. — 18) Wir finden seinen Namen später unter den bedeutendsten Gelehrten. die sich in der Bekämpfung der Anhänger Sabbathai Zewis hervorgethan haben. Den kühnsten Borkämpfer des Letzter», Chayon, der ihm in Prag eine Empfehlung entlockt hatte, legte er im Vereine mit Chacham Zewi in den Bann. Vergl. Grätz X S. 358. 19) Landshut S. 283. Er schrieb auch viele religio öse Gesänge und Gebete, von denen ein Theil u. d. T. erschien. Bergl. Landshut daselbst. 20) nsri (Amsterdam ohne Jahreszahl.) Das in vielfacher Beziehung intereffante Testament, in welchem er eine herzliche Ansprache an seine fromme Frau, die ihm in allen wechselvollen Lagen treu zur Seite gestanden, und an seine zahlreiche Familie richtet, enthält auch eine Äeußerung über die „praktische Kabbalaer hatte viele Schriften. die sie behandeln und eine JPEp. Da er seinen ganzen Nachlaß unter die Kinder vertheilte, so ordnete er an. daß diese STEP — in fünf Theilc zerschnitten werde, damit jeder seiner Söhne ein Stück zur Erinnerung habe. Für seinen Glauben an die Wirkung der Amulete spricht das gerade nickt, daß er sie zerstückeln ließ. — Seine Frau bittet er da um Verzeihung wegen jener Sünde, daß er ihr gegenilber „seine Pflicht nicht gethan," indem er ihr nicht so viel zurücklasse, als er verpflichtet sei: aber es sei eben nicht anders möglich gewesen! — 21) Von Nothnagel. Ein nach dem Gemälde aus geführter Stich ist im Besitze des hiesigen städtischen historischen Museums. 22) Tie Inschrift der Münze lautet: .Fatum mirabile non minus ac miserabile hem felicem infelicissimum diem quo Francofurti ad Moenum Judaeorum conflagrata platea Rabbi Naltali Polone causante XXIV. hör. spatio funditus exusta salvo recepta culo pulveris pyrei salvisque Omnibus Christianorum domibus quae Ein Gang durch die große internationale Ausstellung in Amsterdam genügt, uns zu überzeugen, daß unsere Glaubensgenossen in Holland nicht Unbedeutendes in der Malerei und Bildhauerei leisten. Unter den Genremalern nimmt der bekannte Joseph Israels eine erste Stellung ein. Sein Fach sind Strand- und Fifcherscenen. An pathetischer Tiefe und poetischer Zartplatea reparato d. XXIII. Martii Synagoge fundamento jam ex ruderibus surgit. C. W.— Die Rückseite zeigt den flammenden Pulverthurm, eine jammernde jüdische Familie und die Worte „ac bonum quod sic probet“, und (.am Rande) „Et placet hoc superis medios quod mutor in ignes“. Schudt (daselbst S. 82—83) tadelt — das schleckte Latein. — Eine andere Münze hatte die Inschrift: Inner. 24 Stunden — hat das Feuer, was erfunden — In der Judengaß verzehrt - Doch blieb alles unversehrt — Was der Christen Wohnung war — Man schrieb damals Tag und Jahr 1711, 14. Januar." — 23) Schudt sagt: „Ich kann nicht anders" als sagen, daß kein einziger Jude gegen Gott „harte Reden" geführt und nur „gar wenige" gegen R Naphtali gesprochen haben. — 24) Ein bei dieser Gelegenheit gefundener Stein der alten Synagoge trug die Jahrzahl-."7--1464 und den Namen Löw Marx (Schudt und Lcrsner), die „Neue Synagoge" (Neuschulj ist 1601 erbaut worden. 25) Nach einer Quelle legre derselbe den Grundstein, was Schudt aber nicht glaubt. 26) Daselbst. 27) Die r.rp^D beginnt mit den Worten: und schließt, '■ci '/:p: 12'E r« rbv 'zzzb rx 2NH. ~~d i:ncty Auch David Sorpes aus Prag, der durch den Brand viel verloren hatte und nach demselben in Cronberg wohnte, verfaßte „Ein neu Klagelied von der großen Serepha in Frankfurt nach der Melodie des — Haman in Aschaschweroschspiel". (Bergl. Schudt III. S. 69.) —