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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-14 · Heft 33 (14.8.1883) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 33 (14.8.1883)
Date
1883-08-14
Page
Seite 536 (sequence 10)
Language
German
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536 Der Antrag ist allerdings mit 282 gegen 183 Stimmen abgelehnt worden; aber er bezeugt doch, daß man bereits lebhaft : an jenen Kanal durch Palästina denkt. Durch diesen würden die Verhältnisse Palästinas so außerordentlich verändert, daß wir der Sache unsre Aufmerksamkeit nicht entziehen dürfen.. London, im Juli. Eine alte Bibel-Handschrift. Herr Schapira, der kürzlich in London angelangt ist, hat ein in-1 teressantes Document aus dem Osten mitgebracht. Es ist dieses der Text des Deuteronomiums mit Abkürzungen auf Schaffell geschrieben. Die Buchstaben sind denen des Moa-! bitersteines ähnlich. Die Handschrift ist unleserlich, bis sie! mit Weingeist gewaschen wird, dann kommen die Buchstaben; deutlich hervor. Sollte sich diese Handschrift als echt Herausstellen, so würde sie von unschätzbarem Werthe sein; doch haben die Gelehrten sie noch nicht genugsam untersucht, um festzustellen, ob sie in der Zeit mit dem Moabiterstein oder mit den Moabiter-Töpferwaaren zusammenfällt. Schweiz. Luzern, l. Aug. Das „Luz. Tagebl.", ein antisemitischen Regungen sonst nicht abgeneigtes Blatt, sagt unter Anderm: „Der Vertreter der Wittwe Solymossi schloß seine Rede mit der Aufforderung an die Richter, nicht das Schächtermesier gegen das Kreuz siegen zu laffen, — ein scheußliches Wort, da es nicht an das objektive Urtheil, nicht an die! Unparteilichkeit, das Wisien und Gewiffen der Richter, sondern an den konfessionellen Fanatismus, an die religiöse Beschränkt-! heit appellirt, da es nicht das Recht gegen das Unrecht, die' Wahrheit gegen die Lüge, sondern die Konfession gegen die Konfession, das Christenthum gegen das Judenthum aufruft, . — ein scheußliches Wort, das den Charakter und die Ten-j denz des ganzen Prozeßes schärfer hervorhebt und greller; beleuchtet, als es die wochenlangen Verhandlungen vermocht haben!" Rußland. I St. Petersburg, 1. August. Dem „Russk. Kur." wird gemeldet, daß der zur Berathung der Judenftage eingesetzten Commission unter andern auch die Frage zugegangen ist, ob jüdische Gewerbetreibende russisch-orthodoxe Christen als Arbeiter benutzen können. Auf Grund eines Gutachtens des Ober-Procürators des „Heiligen Synods" hat der Minister des Innern sich im Princip dagegen entschieden, da ja auch den Sektirern dasselbe verboten sei, um dem vorzubeugen, daß orthodoxe Christen ihrer eigenen Kirche entfremdet werden könnten. — Nach einem Schreiben in der Zeitschrift Hazephira ist der Oberinspektor des russischen Gouvernements Tiflis ein Jude, Mordechai Gluck. Nach seinem Berichte bestehen in Tiflis vier jüdische Gemeinden: eine polnische, die seit 25 Jahren besteht, eine sphardische, deren Mitglieder unter sich noch das Spaniolische sprechen, eine babylonisch-persische, die sich von den übrigen sehr fern hält und eine türkische Kehila. Die Israeliten leben dort sehr ruhig und einige von ihnen sind wohlhabend. Palästina. Paris, im Juli. Das Centralcomite der Alliance israelite universelle berichtet in seiner Tagesordnung für die Sitzung vom 18. Juli d. I., daß die Schule in Jerusalem sich sehr entwickelt hat' und bereits 100 Schüler und 100 Handwerkslehrlinge zählt. Die jüdische Bevölkerung, deren! Abneigung gegen die Schule man Anfangs befürchtete, bringt ihr volles Vertrauen entgegen. Da man aber zum Theile die Schüler bekleiden und beköstigen muß, so sind die Ausgaben sehr groß. Das Centralcomite fordert daher zu einer besondern Subscription für die Schule in Jerusalem auf. lieber den Zustand der Schule in Jerusalem und deren segensreiche Wirksamkeit möge folgender Brief, der im Monatsbericht von April abgedruckt ist, Aufklärung geben. Der Herr Oberrabbiner von Palästina Rafael Meir Panisel schreibt an das Centralcomite: Jerusalem, 2. April 1883. Meine Herren! Mit wahrem freudigen Gefühle beeile ich mich, Sie von meinem Besuche Ihrer Schule dieser Stadt und von meiner Zufriedenheit mit den Fortschritten der Schüler in jeder Beziehung in Kenntniß zu setzen. Nicht allein haben die meisten für die kurze Zeit ihres Studiums in allen Wisiensfächern, im Hebräischen, Französischen, Arabischen, im Rechnen, in der Geschichte und Geographie u. s. w. bedeutende Fortschritte gemacht, sondern auch in den Handwerken, die sie lernen, schreiten sie rasch vorwärts. Wenn dieses Institut in dieser Weise sich weiter entwickelt, so darf man sich zu den Erfolgen beglückwünschen. Es wird uns wohlerzogene Menschen bilden, die in redlicher Weise ihr Brod verdienen und daneben gewissenhaft den heiligen Glauben der Väter beobachten werden. Im Namen der Bewohner des heiligen Landes spreche; ich Ihnen für die denselben erwiesenen Wohlthaten den wärmsten Dank aus. i Amerika. i Aus Arkansas, im Juni. Der „Jewish Herald" berichtet: Im Staate Arkansas, nahe Newport, besteht, seit ungefähr einem Jahre, eine Kolonie von russischen Emigranten, welche in gutem Zustande sich befindet und für die Zukunft vielversprechend ist. Sie besteht meistens aus den Mitgliedern der „Am Olom"-Gesellschaft, die sich noch in Rußland ge-

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