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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-14 · Heft 33 (14.8.1883) · p. Seite 533

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 33 (14.8.1883)
Date
1883-08-14
Page
Seite 533 (sequence 7)
Language
German
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533 Klagen prallten zurück an den von wahnsinnigen Blicken beschütztes Heiligthum, soll der Geistliche allein das Vorrecht gleiteten, mechanisch wiederholten Worten: „Da ich das Licht haben, im Namen der Religion dieses Heiligthum zu enterblickte , will ich meine Kinder nicht in der Finsterniß zuweihen? Soll er allein den heiligen Boden betreten dürfen, rücklaffen." Ein eigenthümliches Gefühl, wie Unglaube und! ohne die plumpen Schuhe der Gewalt abziehen zu müssen? Entsetzen, bemächtigte sich aller Anwesenden, als Altmann! Soll er allein die Gottesstimme überhören , die in der Genaiv erklärte, er habe diesen Schritt nicht ohne Gutheißen! schichte so klar und vernehmbar spricht, daß, wo Gewalt und des kurländischen Generalsuperintendenten gethan. Aber nach! Macht, wenn sie auch Glaubenseifer auf ihre Fahnen schreilangen eindringlichen Mahnungen und Belehrungen der Herren; Rabbiner schmolz allmälig das Eis, das der fanatische Eifer! für die neue Lehre um Altmann's Herz gebildet hatte, der j kleine, noch zurückgebliebene Funke des jüdischen Familien- > finnes ward von Neuem angefacht, er brachte der trauernden! Mutter ihre Kinder zurück und erklärte sich bereit, die hei-! ligen Familienbande nicht gewaltsam zu zerreißen, seiner! Frau ein tteuer Gatte, seinen Kindern ein tteuer Vater zu j bleiben und versprach, ohne seine innere lleberzeugung auf-! zugeben, äußerlich im Judenthum zu verharren. Dieser Waffenstillstand dauette nicht lange, der innere Drang und die tägliche Fühlung mit der lutherischen Geistlichkeit machten den aus Familienrücksichten auferlegten Zwang unerträglich. Zehn Tage nach jenem Friedensschluffe, am 2. c. erschien das Oberhaupt der lutherischen Kirche in Kurland , in Begleitung des blödsinnigen Taufkandidaten beim Polizeimeister und forderte polizeiliche Gewalt, um den Säugling der Mutterbrust zu entreißen. Der Herr Polizeimeister wollte seinen Arm einer solchen, die Religion nicht ehrenden, und die Menschengefühle verletzende Handlung nicht leihen. Da ersetzte List die Gewalt. Altmann begab sich sofort mit Zustimmung der geistlichen Bevormundung zu seiner Frau, forderte sie zu einem Spaziergange auf, nahm den Säugling auf den Arm und verschwand. — Am 3. c. ward die Taufe an dem Vater in der Kirche, an dem Sohne im Frauengefängnisse vollzogen. Alle Verzweiflung, der unsägliche Jammer der Mutter, ihr gebrochenes Herz, das wahrlich größere Schmerzen fühlte, als wenn ihm ein Pfund Fleisch ausgeschnitten würde, rühtte nicht die Geistlichkeit, „sie bestand auf ihren Schein." Nun, solche Handlungen bedürfen keines Commentars. Nur eine Frage möge man uns erlauben. Wohl mag es einem lutherischen Geistlichen schwer werden, den tiefen Schmerz einer streng religiösen jüdischen Mutter zu ermessen, ben, die von Gott geschaffenen und von Menschen heilig gehaltenen Gefühle niedertteten — dieses immerhin ein Attentat auf die heiligsten Menschenrechte bleibt? — 3n Leu Angelegenheiten -er russische« 3afot. VIII. Petersburg, 27. Juli. Sie werden wohl bereits erfahren haben, daß Graf Pahlen, Vorsitzender der Allerhöchsternannten jüdischen Commission, einen Beamten nach dem Auslande abcommandirt hat, um, wie es heißt, den Gang der ausländischen Gesetzgebung in Betteff der Juden an Ort und Stelle zu erforschen und die Resultate dieser Forschung der besagten Commission in einem Memoire vorzustellen. Ich will die Wahrheit dieser Nachricht keineswegs in Zweifel ziehen — macht sie doch jetzt die Runde durch die gesammte russische Presse —, nur möchte ich ihr kein besonderes Gewicht beilegen. Den Gang der ausländischen Gesetzgebung, die Juden betteffend, kann man auch hier in Rußland ganz genau erforschen; aber was würden denn arme Beamte, die heiße Sehnsucht nach dem, ihnen scheinbar so verhaßten „Westen" haben, machen? Zum Glück giebt es in unserem Staatsschatz noch immer sog. „jüdische Summen", die sich von der einstmaligen „Licht- und Fleischsteuer" aufgehäuft haben, und früher zur Unterhaltung der bereits eingegangenen „Rabbinerschulen" bestimmt waren. Nun werden diese Summen in der jüdischen Frage verbraucht, und auf verschiedene Excurse nnd Abcommandirungen verschiedener Beamten in dieser unglückseligen Frage verwendet. Vielleicht will der obengenannte Delegat ebenfalls einen solchen Excurs unternehmen. Wer weiß! Das Ministerium der Bolksaufklärung hat unserem Glaubensgenossen Herrn Magister Hochmann die Concesfion gewährt, in Odessa ein Gymnasium ausschließlich für Zögder ihr Säugling für immer entfremdet wird, aber vermag ] linge mosaischer Confesfion zu eröffnen. Dieses Factum ist seine Phantasie sich nicht in eine Zeit oder einen Ott zu veri charaktettstisch für die Stellung unserer gegenwärtigen Resetzen, wo auch gegen Bekenner der lutherischen Confession Bekehrungsversuche gemacht werden? Kann er mit eben solcher Ruhe dem Gedanken nachgehen, daß die Trauerscene in Mitau sich auch in der eigenen Heerde wiederholen könnte? ') Das Mutterherz ist ein von Gott selbst gegründetes und ge- 1) Die lutherische Geistlichkeit denken! braucht nur an Esthland Redaction. zu gierung zu den Inden. Graf Loris-Melikow wollte nicht einmal den Juden gestatten, an einer Talmudthoraschule eine Abtheilung für Gewerbeunterttcht zu eröffnen, mit der Motivirung, es sei am betreffenden Otte bereits eine allgemeine Handwerkerschule vorhanden, die den Juden offen steht. Damals wollte man durchaus jede Absonderung der Juden möglichst Vorbeugen; jetzt dagegen will man, daß die Juden

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