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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-07 · Heft 32 (7.8.1883) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 32 (7.8.1883)
Date
1883-08-07
Page
Seite 521 (sequence 11)
Language
German
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521 Kurz vor 0 Uhr hatte sich tit der hiesigen Behausung des Immortellen und anderen Blumen am Sarge nieder. Dre Verewigten eine aus Vertretern der städtischen Behörden, des j Borsteheramts der Kaufmannschaft, Mitgliedern der Provinzialverwaltung und anderer Körperschaften, sowie den Anj gehörigen des Verstorbenen bestehende Trauerversammlung! eingefunden und hier widmete Herr Oberbürgermeister von; Winter an dem mit Blumen und Palmen reich geschmückten! Sarge, dem langjährigen treuen Mitarbeiter, dem verdienstvollen Mitbürger und Menschenfreunde in kurzer Ansprache einen warmen, tiefempfundenen Nachruf. Alsdann setzte sich der lange Trauerzug in Bewegung. Dem Leichenwagen zunächst folgten die männlichen Berwandten des Verstorbenen, unter ihnen der in der wissenschaftlichen Welt so hochangesehene Bruder, Gey. Rath Professor vr. Hirsch, sodann die Herren Oberbürgermeister v. Winter, Stadtverordneten- Borsteher Steffens. Geheimer Commerzienrath Albrecht (als Vorsitzender der Kaufmannschaft), die Mitglieder des Magistrats und des Vorsteheramts der Kaufmannschaft in corpore, die Mehrzahl der Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung, der Branddirector, die Bureaubeamten des Magistrats, Mitglieder des Provinzial-Landtages, eine große Anzahl von Kaufleuten, der Vorstand und viele Mitglieder der israelitischen Gemeinde :c. Eine lange Wagenreihe schloß den Zug. Auf dem Friedhofe angekommen, legte zunächst der Vorstand der israelitischen Gemeinde einen mächtigen Kranz von Palmen, Gedächtnißrede hielt hierauf Herr Rabbiner Dr. Werner. In bilderreicher Sprache, in Worten voll tiefer Empfindung gab er eine kurze, erhebende Schilderung des Lebens und Wirkens des verewigten Menschenfreundes, der für die Seinen, für seine Berufs- und Glaubensgenossen, für seine Vaterstadt und sein Vaterland rastlos gearbeitet, der in seinem Wirken gleich unvergängliche Blumen für den Kranz liebevollen Gedenkens gezeitigt habe in dem Garten liebevoller Häuslichkeit, wie in dem Paradiese des Glaubens und dem Gefilde echten Menschenthums, dessen höchster Zweck werkthätige Nächstenliebe, Duldung und Wohlwollen sei. So sei er Allen ein theurer Freund und Mitbürger und in seiner ganzen, still und bescheiden dem Gemeinwohl dienenden Persönlichkeit ein beredter Protest gegen die widerlichen Anfeindungen gewesen, denen leider heut zu Tage die Gemeinschaft seiner Glaubensgenossen ausgesetzt sei. Nach dieser eindrucksvollen Rede wurde nach dem einfachen Rituell der israelitischen Gemeinde die Bestattung vollzogen. — Aus Briefen wird geschrieben: Am 10. d. M. feierte das Callmann'sche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit. Eine Deputation des Magistrats und des Stadtverordneten-Collegiums überreichte dem Gefeierten den Ehrenbürgerbrief und die hiesige Chewm Kadiseha verlieh ihm das Diplom eines Ehrenmitglieds. Jeuilleion. Der Carmel. Einen der schönsten Punkte Palästinas bildet das Vorgebirge Carmel, das nordwestlich in halbmondförmiger Gestalt auf 2'/-2 deutsche Meilen nach der Bah von Akko (Ptolemais) hinstreicht und unfern der Mündung des Flusses Kischon ins Meer ausläuft, durch die erste Hügelreihe Galiläas mit dem Libanon zusammenhängend. Einst bildete es die Südgrenze des Staates Ascher gegen Jsaschar, später die Grenze zwischen Galiläa und dem Gebiete von Tyrus. Aber abgesehen von seiner Anmuth und Fruchtbarkeit, von seinen Wäldern und Weidetriften, die der Prophet Michah (7, 14.) rühmt, ist cs ein merkwürdiges Stück Erde durch die heiligende Tradition, die sich an diesen kleinen Bergzug knüpft, der besonders noch durch seine vielen Höhlen — man berechnet sie auf 2000 — sich auszeichnet. Diese Tradition hat ihren Mittelpunkt in dem Propheten Elijah, dessen gewaltige Erscheinung uns aus der epischen Schilderung im Buche der Könige so lebendig hervortritt, und die nun von den Juden, Christen und Moslem in gleichem Maße gefeiert wird. Die Juden wurden von den Christen verdrängt, die daselbst viele Klöster, Kapellen und Einsiedlerhöhlen gestiftet hatten; die Christen wurden von den Moslem verdrängt, welche die Klöster und Kapellen zerstörten, bis in unserem Jahrhundert die christliche Kirche sich dieser heiligen Stätten wieder vielfach bemächtigt hat. Außer Jerusalem giebt es keinen Platz, der in solcher Weise die Aufmerkamkeit und die Erinnerungen aller dieser drei Religionen auf sich gezogen hat. Besuchen wir daher den Carmel mit der schönen Schilderung, welche uns die 36. Lieferung des Prachtwerkes „Palästina in Wort und Bild" brachte. Steigen wir nun den Carmel hinan! Der bei den Eingeborenen übliche Name des Berges, Dschebel Mar Elja's, d. i. Berg des Herrn Elias, hat die Erinnerung an den israelitischen Propheten treu bewahrt. Der ganze Höhenzug zeichnet sich durch seine Wasserfälle und in Folge dessen durch seine reiche Vegetation aus. Letztere wird im Alterthum wohl noch dichter und namentlich höher gewesen sein; denn das Wort Carmel bedeutet ursprünglich „Baumgarten". Diese Eigenschaft sowohl als auch besonders seine hervorragende freie Lage zwischen zwei Ebenen im Süden und Osten und dem weiten Meere im Westen sind gewiß der Grund gewesen, daß die Höhe von uralten Zeiten her als ein heiliger Berg, als Gottes Wohnort iMicha 7, 14.) angesehen worden ist. 32*

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