Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1883)
- Date
- 1883-08-07
- Page
- Seite 520 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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520 sophen des 18. Jahrhunderts haben gesagt, daß es erlaubtj ist, seinen Nebenmenschen zu bestehlen, siehe Voltaire S. 39!" j Der Artikel spricht sich dann über den Talmud aus, und > stellt folgenden Vergleich mit den Citaten des Dr. Justus! aus ihm an: „Denkt Euch, daß ein deutscher Gelehrter vom j Jahre 2883 die Sammlung unsrer parlamentarischen Annalen! mit der fixen Idee durchsuche, daß die Franzosen des 19.! Jahrhunderts Kannibalen und Mörder von Profession gewesen. Er findet in der officiellen Stenographie das Wort des Herzogs von La Rochefoucauld-Bisaccia: „das Nationalfest ist das Mordfest!" Wie sollte man da noch zweifeln, daß Moloch unser Nationalgott gewesen und daß die Republik kleine Kinder fraß? So schreibt man Geschichte, so übt man Kritik!" — In dieser Weise spricht sich der Artikel noch weiter aus, und fordert, daß man „endlich ein für alle Mal mit dieser erbärmlichen Legende vom rituellen Blute ein Ende mache und sie in die Rumpelkammer werfe, in welcher die Hexerei, die Brunnenvergiftung, die Hostiendurchstechung u. s. w. begraben liegen." Der „Figaro" hatte sogar die Frechheit,! von der Damasker Geschichte aus dem Jahre 1840 nach! einem obscuren Parteiblatte zu erzählen. Der „Voltaire" widerlegt ihn mit den authentischen Documenten in den Händen; erinnert an die religiösen Vorschriften der Juden gegen den Genuß jeden Blutes, an die Beschuldigungen gleicher Art, welche die ersten Christen Seitens der Heiden zu ertragen hatten und an die Bulle des Papstes Jnnocenz IV. Er endigt mit den Worten des Basilio: „Verleumdet, verleumdet, es bleibt immer etwas davon hängen!" Bekanntlich vergißt der „Figaro" am folgenden Tage, was er am vorigen geschrieben; wenigstens benimmt er sich so. Wir aber wollen dem „Voltaire" den trefflichen, ebenso ironischen, wie gründlichen Artikel nicht vergeffen. — — Man wird sich erinnern, daß die Algier'sche Presse bei dem jüngst zu Tlemzen stattgefundenen Tumulte die Juden beschuldigte, angefangen zu haben, und daß aus ihrer Mitte ein Flintenschuß gefallen sei. Die gerichtliche Untersuchung hat das Gegentheil erwiesen und der Christ, der den Flintenschuß abgefeuert hat, ist mit einer Geldstrafe belegt worden. — Es ist ausgefallen, daß die Rekruten aus den eingeborenen Juden Algeriens noch immer in bestimmte Reginienter auf dem Festlande eingereiht werden. Der Grund ist nicht ersichtlich. Großbritannien. London, im Juli. Wir haben bereits berichtet, daß hier der Plan aufgetaucht ist, den großen Hohlweg des Jordan als schiffbaren Seeweg zwischen dem Mittelländischen und dem Rothen Meere nutzbar zu machen. Es sind nun bereits 10,000 L. St. aufgebracht, um die Ortsuntersuchungcn auzustellen. Wir halten wenig von diesem Plane; aber schon die topographischen Aufnahmen, namentlich vom todten Meere bis zum rothen Meere, sind von größtem Interesse. Bulgarien. Sophia, 15. Juli. Das hier erscheinende Blatt „La Bulgarie" enthält in seiner gestrigen Nummer folgende Zeilen: „Unsere Leser kennen bereits den Gerichtsskandal, welcher gegen die Juden in Tißa-Eßlar in Scene gesetzt wurde. Dieser Tendenzproceß spielt sich vor dem Gerichtshöfe in Nyiregyhaza ab: man wäre geneigt zu meinen, es sei dies eine Angelegenheit, die aus den Gerichtsakten des Mittelalters ausgegraben wurde . . . Die Auslassungen der französischen Presse, so gerecht in Betreff Ungarns, finden auf Bulgarien keine Anwendung, das doch nur einen Winkel im Osten Europas inne hat. Bei uns giebt es keine Antisemiten- Partci. Die Israeliten genießen hier die nämlichen Rechte, wie die Christen; einige von ihnen bekleiden sogar öffentliche Aemter. In dieser Beziehung ist das bulgarische Volk viel civilisirter als das ungarische: die Fanatiker in Budapest mögen es uns nicht verübeln." Bonn, 29. Juli. .(Notizen.) Man schreibt uns aus Schwersenz im Juli: Der hochgeachtete Lehrer Herr Moritz Grünfeld hier beging kürzlich sein 25jährigesAmtsjubiläum. Seine tüchtigen Leistungen sind anerkannt, und mit Genugthuung blickt Herr Grünfeld auf eine nicht unbeträchtliche Zahl von Männern, jüdischer wie christlicher Confession, die einst zu seinen Zöglingen zählten und nun im Leben geachtete und ehrenvolle Stellungen einnchmen. Bon nah und fern wurden dem Jubilar Zeichen der Liebe und Verehrung. Von hiesigen Freunden und Schülern wurde ihm ein stattlicher, silberner Pokal überreicht. Vom Lehrerverein erhielt er ein Album mit Photographien der Mitglieder. Die ehemaligen auswärtigen Schüler entsandten eine Deputation, dte ein Paar schwere, silberne Leuchter und einen Candelaber, sowie eine kunstvoll ausgestattete Adresse überreichte. Außerdem wurde der Jubilar vielseitig durch schöne und finnige Geschenke erfreut. Alle Herren hoben in ihren Ansprachen neben dem segensreichen Wirken den biederen, offenen Charakter, sowie dessen friedlichen Sinn in der Gemeinde und unter seinen College« hervor. Es verdient auch, zumal in heutiger Zeit, hervorgehoben zu werden, wie Herr Grünfeld darauf hinzuwirken versteht, daß unter seinen Pensionären und Schülern verschiedener Confession das schönste Einvernehmen waltet. — Die „Danziger Zeitung" vom 19. Juli schreibt: Heute Bormittag wurde auf dem Friedhofe der israelitischen Gemeinde der Leichnam des verstorbenen Commerzienraths und Stadtraths Hirsch zur Erde bestattet.