Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 130 (30.10.1838)
- Date
- 1838-10-30
- Page
- Seite 525 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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525 Belletristik. Abendroth. Eine Reihe romantisch-historischer Skizzen von Friedrich Waldemar (Dr. Fricke in Göttingen). I. Antipatev. (Fortsetzung.) Diese Gedanken ließen ihn wahrend seines Aufenthalts in Alexandria keine Stunde rasten. Er durchforschte die Gesinnung der Seinen auf mannigfache Weise, und ward immer fester überzeugt, daß die Gefährten dieses Zuges rhm treu bis zum Tode ergeben seien. Er durfte sich also auf ihre Gesinnung wie auf ihren Arm verlassen und wahrlich, beide waren wacker genug. Die Heldenkrast der jüdischen Ritter und Reisige hatte sie an die Seite der Römer hinangehoben, und die Ueberzeugung, auf diesem Platze zu stehen, befestigte sie erst recht darauf. Mit solcher Schaar konnte ein Antipater sich unterfangen, Großes zu leisten. Wahrend er aber noch unschlüssig über seine Pläne nachdachte, reichte ihm das Geschick die Hand, ihm einen bestimmten Weg vorzuzeichnen. Es erschien nämlich Antigonus, Hyrcans Brudersohn, in Alexandria, und klagte im Namen seines Vaters über die Anmaßung Hyrcans, der seinen Bruder gegen einen Familienvertrag von dem Throne verdrängt habe. Der junge Fürst mußte sich zwar sagen, er habe eine üble Zeit gewählt, sobald Antipater für Hyrcan spräche, allein er war von der Gerechtigkeit seiner Sache zu sehr überzeugt, als daß er sich dadurch hätte abhalten lassen. Mit der größten Unerschrockenheit trat er vor Casar hin, und brachte seine Klage vor. Schon bei seiner Ankunft ahnte Antipater den Zweck, und als ihn Cäsar auffordern ließ, seinen Herrn, wenn möglich, zu vertheidigen, fuhr ihm der Gedanke wie ein Blitzstrahl durch den Kopf, jetzt sei der Augenblick, wo er beide Kronprätendenten zurückweisen, und selbst den Fuß auf die Stufen des Königsstuhtes setzen könnte. Denn Hyrcan, der ältere Bruder, hatte Ln seiner Stumpfsinnigkeit einstmal dem jüngern Bruder die Krone versprochen, und konnte also mit dem Scheine des Rechts für verlustig j seiner Ansprüche erklärt werden; dem jüngern Bruder aber j war das Volk nicht gewogen, und wollte lieber Jeden als! diesen Bruderfeind auf dem Throne sehen. Wußte nun > Antipater mit dem Allen geschickt die Freundschaft Beider gegen Pompejus zu verknüpfen, und seine eigenen Verdienste um Judäa und um Cäsar, hervorzuheben, so unterlag es kaum einem Zweifel, daß ihm, dem Regenten auch der Königsname gegeben würde. Er war dann mit einem Male m einem Ziele, welches er noch nie zu erreichen gehofft hatte. Sein Blut strömte wilder durch die Adern bei diesem Gedanken. Erst spät suchte er die Lagerstatt, aber noch spater der Schlaf ihn. Morgen war der verhängnißvolle Tag, wo entschieden werden sollte, ob das hasmonäische Königshaus die Regierung behalten, oder das Jdumäische sie an sich reißen, ob Antipater ein Held bleiben, oder ein Gewalthaber werden sollte. Die Gedanken an diese wichtige Begebenheit nahm er mit in den Schlaf hinüber und sie gestalteten sich anfangs zu einem mehr oder weniger verworrenen Traumbilde, aus welchem sich am Ende aber Seelenerscheinungen entwickelten, die man kaum mit dem bewußtlosen Traume in eine Klaffe zu bringen berechtigt ist. Aus eigenem Denken und höherem geheimnißvollen Walten webte sich vor seinem innern Auge seines Lebens Bild. Er sah die heilige Stadt in malerischer Ferne vor seinen Augen liegen und den Thron David's darinnen, und auf dem Throne das Geschlecht der heldenmüthigen Makkabäer, sich selbst aber in voller Waffenrüstung mit allen Zeichen der Feldherrnwürde auf einer Straße dahinschreiten, welche sich leicht und luftig zu Zions Tempel hinaufzog. Die Glorie des Herrn schwebte über dem heiligen Berge, und Antipater athmete leiser im Gefühle der Wonne, welche der Himmelsglanz auch in sein Herz strahlte. Antipater, säuselte es ihm unendlich leise und doch so hörbar in das Ohr, Du wirst sehr glücklich sein, Du frommer Knecht des Herrn. Er lehnte sich sinnend auf einen Markstein, und schauete die Vorüberwandelnden an, und stehe, auch sein theuerster Sohn Herodes, schon zum stattlichen Manne herangereist, zog vor seinen Augen dahin. Der junge Krieger blickte muthig wie der Löwe der Wüste, aber freudig wie ein frommer Held, und dem Vater wallte das Herz über vor Freude und Stolz. Er hätte eine Ewigkeit in diesem seligen Zustande, im frohen Anschauen versunken, erleben mögen, und es schmerzte ihn unendlich, als ein Gewitter im Westen aufstieg, und schwere, dumpfe Wolken sich über die Scene herstürzten. Er streckte die Arme voll Angst nach dem geliebten Sohne aus, und erwachte von der krampfhaften Bewegung. Die Sonne blickte'wie ein Gottesauge vom leuchtenden Osten herüber auf sein Lager. Herr der Heerschaaren, rief er im heißen Gebete, und warf sich auf die Kniee nieder. Du König der Könige, nur