Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-30 · Heft 130 (30.10.1838) · p. Seite 526

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 130 (30.10.1838)
Date
1838-10-30
Page
Seite 526 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224987--01384-3309451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

326 Deinen Weg will ich wandeln, nur Deine Stege soll mein Fuß betreten. Ich erkenne Deine Hand im Wachen wie im Traume, jetzt weiß ich, was mir wahrhaft frommt. Deine Huld leite mich ferner. Verschwunden war von diesem Augenblick an die Unruhe des gestrigen Tages, verschwunden die quälenden Zweifel, und "ein neues Leben durchströmte seine Adern. Mit ruhigem, ernstem Sinne begab er sich in die Versammlung, welche Casar zur Versöhnung der streitenden Partheien berufen hatte, und mit gleich heiterer Ruhe hörte er des jungen Fürsten harte Anklage zu. Mit der Kraft jugendlicher Beredsamkeit malte Antigonus die Kränkungen, welche sein Vater erfahren hatte, das tragische Ende seines Bruders Alexander, welcher in dem unseligen Zwiste sein Leben einbüßte, und erhob dann laut die Stimme gegen den ruhig harrenden Antipater. Ihn schilderte er als die Geißel des Königshauses, als Hyrkans Schwert und Scorpionruthe, und schwur hoch und theuer, Hyrcan würde seinem Bruder nachgegeben haben, wenn nicht der trotzige Jdumaer ihm zur Seite gestanden hatte. Ein leises Murmeln lief durch die Versammlung. Alle hefteten einen Blick des Erstaunens auf den hochgeachteten, tapfern Antipater; aber Casar fragte mit unerschütterter Ruhe, was er gegen so harte Beschuldigung zu erwiedern habe. (Fortsetzung folgt.) Correspondcuzen, Auszüge, Repliken, Großglogau im September. Glückliche Reform-des Gemeindewesens. (Schluß.) Der Tqlismann: Stille auf eine Tafel geschrieben und ermahnend über der Vorlesebühne (^lmeinor) ragend, scheint ebenfalls seine Kraft verloren zu haben. Cr liegt selbst in aller Ruhe bei altem Gerumpel, und das „Schmutzen" übt nach wie vor seine laute Macht.^ Das andachtstörmde Aus- und Einrennen und das gefühlempörende Toben an dem Eingang der Synagoge während des Gebetes, nimmt wieder sehr überhand. Aber eine Eiche fallt ja nicht auf Einen Hieb. Und wir wiffen alle, wie stark, wie tief, wie weitverbreitet die Wurzeln verjährter Mißbrauche sind; zumal wenn sie, wie Schmarotzer-Pflanzen ihre Nahrung aus dem Lebensbaum: Religion, saugen. Die „Me Gewalt" der. Zeit wird sie ausroden. Der erleuchtete Sinn und der thatkräftige Wille unseres Vorstandes, im Einverstandniß mit den das Bessere Wollenden in der Gemeinde können und sollen aber der Zeit in ihrem stillen Wirken tüchtig unter die Arme greifen. — Von dem entschiedensten wohltätigen Einfluß auf daS Aeußere, wie das Innere unserer Elementarschule war die neue Ordnung der Dinge. Alle frühern Entgegenwirkungen hatten sich an der stark ausgesprochenen Willensmeinung der hohen Behörde gebrochen, die Schule als eine öffentliche Anstalt unter ihren Schutz zu nehmen. Und so erkannte eS der Vorstand als seine Pflicht, dem hinhaltenden Provisorium ein Ende zu machen, und dem Institute eine würdige Existenz zu sichern. Ern Comitü, bestehend auS den Herren Zoller, Kuhn, Hilsbach und Relsner übernahmen die Besorgung dieses VermaltungSzweiges. Eine regelmäßige, im Laufe des Monats zu erledigende, pünktliche Auszahlung der Gehalle kam in Gang, der, bei der strengen Ordnung im Finanziellen, bis jetzt nicht unterbrochen worden. — Auch für zweckmäßige Lokalität ward gesorgt. Zwei geeignete, nach dem Hofe zu gelegene, und von dem Geräusch der Straße abgeschiedene Zimmer wurden für die beiden Klaffen in dem Gemeindehause eingeräumt. Daö Mißverhältniß in der verschiedenen Größe der Zimmer ward durch den Eifer und die baulichen Sachkenntnisse deö Herrn Kuhn rasch beseitigt. Unter seiner leitenden Angabe ward der Umbau wahrend der Schulferien begonnen und beendet. Mit innigem Behagen betritt man jetzt die freundlichen Helten Zimmer, die zur Schule wie geschaffen sind. — Ein neuer LectionSplan, die Wünsche und Bedürfnisse der Majorität der Schulgemeinde mehr berücksichtigend; Schulgesetze, dem Drakoniömus enrgegenarbeitend, und mehr auf Erweckung des Ehrgefühls abzielend, wurden vom Sonnte, gemeinschaftlich mit den Lehrern unter dem Vorsitze deö Provisors der Anstalt, Herrn Pastor Bock, besprochen, abgefaßt und durch den Druck veröffentlicht. Mit dem 1. Juni traten sie in Wirksamkeit; der durch liberalen, allem fim stern PamkulariSmuS abholden Sinn allgemein geliebte und geachtete Pastor Bock, der schon bei der Organisation der Schule — Mai 1827 — von Seiten der hohen Behörde mit der spezieller Aufsicht über dieselbe, unter dem Namen eines Provisors, beauftragt worden, entsagte edelmüthig, auf die Vorstellung des Schul« Vorstandes, das ihm ausgesetzte jährliche Honorar von 60 Rrhlr., ohne deshalb in seinem warmen Eifer für das Institut zu erkalten. Mit derselben Gewissenhaftigkeit wahret er vielmehr seines Amtes nach wie vor. — Anerkennenöwerth ist auch der Eifer, womit sich die Herren Kuhn und Hilsbach das Innere der Schule angelegen sein lassen. Die Hingebung, mit der sie öfters den Lectionen beiwohnen, und durch aufmunternde Worte die Fleißigen bestärken, durch ermahnende die Nachlässigen spornen; das Bestreben, ihre gewonnene Ueberzeugung von den tüchtigen Leistungen der Schule zu verbreiten und die eingewurzelten Vorurtheile gegen dieselbe auözurotten, sind die kräftigsten moralischen Hebel, die Schule zu ihrem frühern Niveau emporzubringen, und durch eine möglichst große Frequenz der Schüler die Unterhaltung des Instituts der Gemeinde-Äape immer unfühlbarer zu machen. Die anerkannte Berufstüchtigkeit, der sittliche und religiöse Charakter der beiden Lehrer, Herren Arnheim und Lichtenftein, deren Wirken seit einer Reihe von Jahren so vielfältig gelähmt wurde, berechtigen bei dem jetzigen Stand der Dinge zu schönen Erwartungen. Was die religiösen Zustände im Allgemeinen betrifft, so bietet sich dem Beobachter aber nichts Eigenthümliches dar. Hier, wie überall lassen sich drei Parteien unterscheiden, denen symbolisch die drei Zeitmomente ensprechen. Die Konservative lebt ganz in der Vergangenheit, von der die verheißene Zukunft ihr als eine bloße Doublette erscheint. Die indifferente ist ganz in die Gegenwart aufgegangen; sich gewaltsam betäubend und verblendend gegen den heillosen Bruch, der als Rest bleibt. Die progressive blickt hoffend und sehnsuchtsvoll auf eine licht und lebenvoll entwickelte Zukunft. Dieser und Jener können den Riß nicht heilen, die schroffen Gegensätze nicht zur Einheit bringen. Nur Er, der Einige vermag es, Der in der Geschichte ewig webt und lebt. . . . r. Redacttur vr. L. Phllippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B Hirfchfeld

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.