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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-31 · Heft 31 (31.7.1883) · p. Seite 506

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 31 (31.7.1883)
Date
1883-07-31
Page
Seite 506 (sequence 12)
Language
German
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506 nal htnnarntairet. Mögen wir nun mit den Ansichten dieses Journals in manchen Beziehungen nicht einverstanden sein, so weht doch durch dasselbe ein Geist der Aufklärung, Humanität und Intelligenz, welcher die vollste Anerkennung verdient, und die Tendenz des Blattes geht darauf hinaus, den! idealen Fortschritt des Menschengeschlechtes zu fördern. Aus seiner Nr. 19 heben wir aus dem Leitartikel „Die universelle Solidarität" folgende Stelle hervor: „Das Volk Israel ist dasjenige des Alterthums, welches die merkwürdigste Organisation darbietet. Bei ihm hat die Abhängigkeit des Lebens von den höchsten Prinzipien einen Grad von Vollkommenheit erreicht, der den anderen Nationen unbekannt ist. Alles, was diesem Volke begegnet ist, ist nur ein Typus der Geschichte der Menschheit. Nur durch diese hohe Organisation, durch die Abhängigkeit ihres Lebens von den durch Abraham und Moses repräsentirten Prinzipien haben Juden bis zu diesem Tage den unaufhörlichen Angriffen widerstehen können, die gegen sie gerichtet wurden. Diese hohe Organisation wird ihnen in der menschlichen Gesammtheit den höchsten Platz sichern, den des Kopfes. Israel ist bestimmt, der Träger der menschlichen'Intelligenz, das Licht der Nationen, ihr Gedanke zu sein." Wir bemerken, daß an diesem Blatte kein Jude mitarbeitet. Rumänien. Pest, im Juni. (P. Ll.) Wie sehr der rumänische Nationalpatriotismus Veranlassung hat, sich lieber etwas angelegentlicher mit den inneren Zuständen des Landes als mit chauvinistischen Großmachtsträumen und auf deren Verwirklichung hinauslaufenden kriegerischen Zukunftsprojecten zu befassen, geht aus einem uns von befreundeter Seite zur Verfügung gestellten Privatbriefe hervor, welchem wir nachstehende Schilderungen entnehmen: Was die Frage nach der socialen Stellung der Juden Rumäniens anbelangt, so kann ich gerade nicht behaupten, daß deren Lage seit der letzten, nach Beendigung des Krieges von 1877 vorgenommenen Verfassungsrevision sich irgendwie gebessert hätte. Einige wenige Fälle ausgenommen, in welchen rumänischen Unterthanen israelitischer Konfession das rumänische Bürgerrecht zugestanden wurde, haben die Juden Rumäniens aus der Beseitigung der früheren Berfassungsbestimmung, welche alle Nichtchristen vom Staatsbürgerrechte ausschloß, so viel wie gar keinen Bortheil gezogen. Trotzdem muß die unter nationalliberalem Regiment zu Stande gebrachte Aufhebung des eben erwähnten, in erster Linie gegen die israelitische Bevölkerung gerichtet gewesenen Ausschließungs- Artikels als eins der beliebtesten Verhetzungsmittel der oppositionellen Agitation herhalten. Die Nationalliberalen — so heißt es — haben Rumänien an die Juden verkauft. Leider gibt es aber unter den Nationalliberalen selbst wieder Leute genug, welche diese lächerliche Behauptung am besten dadurch widerlegen zu können vermeinen, daß sie ihrerseits den Krieg gegen die sociale Stellung der israelitischen Geschäftswelt Rumäniens proclamiren. So ist es namentlich auch bei den letzten Wahlen geschehen, so zwar, daß in einzelnen Districten Rumäniens die Gegencandidaten von gouvernementaler und oppositioneller Seite förmlich als Wettkämpfer um den Preis des Antisemitismus auftraten. Die Erfolge dieser Thätigkeit sind nicht ausgeblieben. War die Lage der Juden in vielen Districten schon vordem keine be neidenswerthe, so ist die Stimmung der großen Masse in einzelnen Fällen eine so hochgradig erregte geworden, daß es nur einer Mißernte oder sonst einer wirthschaftlichen Katastrophe bedarf, um uns das Schauspiel einer Serie von Judenhetzen zu bereiten. So hat sich unter Anderem der die patriotische Antisemitismus des Pöbels von Crajova bereits anläßlich der Feier des 22. Mai in der Demolirung mehrerer jüdischer Geschäftslocale Luft gemacht, und wenn man den Berichten eines in Crajova erscheinenden Blattes Glauben schenken darf, ist der in der Nacht zum 1. Juni beim Eingänge der dortigen Synagoge ausgebrochene, aber glücklicherweise noch rechtzeitig entdeckte Brand auf antisemitische Motive zurückzuführen. Die am Brandorte aufgefundene Lunte wurde nämlich als Eigenthum eines Diacons agnoscirt, welcher bei allen antisemitischen Agitationen als Haupträdelsführer wirkt. Gleichwohl befindet sich der würdige geistliche Herr noch immer auf freiem Fuße und läßt durch seinen Anhang das Gerücht verbreiten, daß die Juden den Brand vor ihrer Synagoge selbst angelegt haben, um dann in der ausländischen Presse über ihr Martyrium Klage führen zu können. Daß man die Juden materiell so viel als möglich zu schädigen sucht, ist selbstverständlich. Hat ja doch der Präfect von Braila unter Berufung auf das neue Börsengesetz, welches alle Nichtrumänen vom Amte eines Börsenmaklers ausschließt, den Juden als nicht im Besitze des Bürgerrechts befindlich, den Abschluß von Getreidegeschäften verboten. Da sich der Getreidehandel Brailas fast ausschließlich in den Händen von Griechen und Juden befindet, so war eine völlige Geschäftsstockung und ein rapides Sinken der Getreidepreise die Folge der erwähnten Maßregel des Herrn Präfekten. Erst auf Vorstellung einer Deputation von Kaufleuten wurde der willkürliche Ukas des Brailaer Stadtgewaltigen rückgängig gemacht, sowie man denn überhaupt der Regierung das Zugeständniß machen muß, daß dieselbe nach Kräften bemüht ist, den Unregelmäßigkeiten ihrer Untergebenen Einhalt zu thun. Um aber den Augiasstall des rumänischen Berwaltungswesens auszumisten, bedarf es selbst bei der größten Energie langer Jahre und ist auch im günstigsten Falle ein gutes Resultat der hierauf hinauszielenden Bestrebungen erst dann zu erwarten, wenn der demorali-

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