Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1883)
- Date
- 1883-07-31
- Page
- Seite 503 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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503 Die wichtigste Aufgabe, welche dem Curatorium zur Zeit ob-| liegt, ist die Besetzung des Lehrstuhls für das talmudische Fach zum Ersatz des nach Breslau berufenen Herrn Dr. Lewy. Die Entscheidung soll nach den Ferien erfolgen — bis wohin Meldungen angenommen werden. Beide leiden an moral insanity nach englischem psychiatrischen Ausdrucke. In einer Stelle des Sohar, Band II, Fol. 119 a (Abschnitt Mischpatim), welche gar nicht von Nichtjuden redet, liest Rohling alles das, was der Knabe Moriz als der Esther Bonn, 22. Juli. (Privatmitth.) Wir wollen es nicht angethan aussagt, als Empfehlung eines Gott wohlgefälligen unterlassen zu bemerken, daß nun allmälig doch die deutschen Thuns hinein, selbst den Knebel, der dem Mädchen den Blätter — wir schließen natürlich die antisemitischen von Mund verstopfte, ehe sie geschlachtet ward. Im „Westungar. Profession aus — sich der Erkenntniß nicht verschließen kön- Grenzbote" vom 3. Juli wird die Stelle in Rohling's Hebernen, welcher moralische und juridische Greuel in der Tißasetzung mitgetheilt. Wenn eine solche Stelle existirte, ja dann Eßlarer Affaire getrieben worden. Diejenigen Zeitungen, wäre die Möglichkeit desien, was in der Borhalle der Synawelche zum Beginn der Schlußverhandlung sich noch reserzöge von Tißa-Eßlar geschehen sein soll, in haarsträubender virt verhielten, und die Möglichkeit eines rituellen Mordes Thatsächlichkeit erwiesen. voraussetzten, können sich jetzt der Erkenntniß nicht ver- Aber jene Soharstelle enthält nichts von dem Allen, schließen, daß das Ganze ein scheußliches Produkt der Lüge Ich bezeuge auf die Ehre meines Namens, daß Alles hinein- und des Hasses gewesen, daß es sich hier weniger um die gelogen ist. Die Wuth macht Rohling irrsinnig. Er ist Unschuld der angeklagten Juden handelt, als um die Entgeistig und moralisch krank. hüllung der Gewaltthätigkeiten, welche sich die Sicherheit^ In einer demnächst erscheinenden Broschüre werde ich und richterlichen Organe haben zu Schulden kommen lassen,! die beiden Stellen, auf Grund welcher er am 23. Juni um das Truggebäude eines solchen Prozesses zu Stande zu bringen, um die Entdeckung, welche Connivenz der richterlichen Beamten bis zum Justizministerium hinauf dazu gehörte , um ein solches barbarisches Verfahren zu gestatten. So z. B. enthält die „Magdeburger Zeitung" eine, diese Zustände bloßlegende Correspondenz aus Wien, die freilich damit schließt, daß sie zu der Selbständigkeit des Ministerpräsidenten Tißa den Komitaten gegenüber kein Vertrauen hat. Leipzig, 18. Juli. (Privatmitth.) Trotz der haarscharfen Beweise, welche Prof. vr. Delitzsch geführt hat, daß Rohling in seinenjüngsten Produkten Stellen citirt, in welchen das, was er darin finden will, mit keinem Worte vorhanden ist, fährt dieser dennoch fort, in seinen Behauptungen zu beharren und sie, nicht erweisen, wohl aber beschwören zu wollen. An ein antisemitisches Blättchen schreibt er jüngst: Geehrter Herr'.! Die Stellen, welche Sie aus Vital und Sohar mittheilen wollen, sind richtig. Ich habe mich bereit erklärt, vor Gericht zu beschwören, daß es sich wirklich so verhalte.! Da Prof. Delitzsch eben in einem Artikel der „Neuzeit" mit Hinweisung auf mich den Versuch macht, die Juden rein zu waschen, so bin ich genöthigt. Ihnen im Interesse des öffentlichen Wohles und zur Wahrung meiner wissenschaftlichen Ehre dieses kundzugeben. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner Hochachtung. Prag, 1. Juli 1883. Prof. vr. Rohling. Hierauf richtet Delitzsch folgende Zuschrift an den „P. L.": Verehrliche Redaktion! Der Professor Rohling ist ein ebensolches psychologisches Räthsel wie der Knabe Moriz Scharf. 1883 vor dem Prager Gericht sich bereit erklärt hat, zu beschwören, daß sie die Abschlachtung nichtjüdischer Jungfrauen als ein heiliges Werk empfehlen, in Original und Uebersetzung vorlegen, und alle Diejenigen, welche die Lüge nicht lieber haben, als die Wahrheit, werden einsehen, daß dieser Fanatiker sich tief hinein in dämonische Fälschung und Verblendung verrannt hat. Leipzig, 14. Juli 1883. Posen, im Juli. (Privatmitth.) Mit vielem Interesse lesen wir in Ihrem Blatte von den Evolutionen, welche unsre Glaubensgenossen in Galizien und jetzt auch in Böhmen in politischer und sozialer Beziehung durchwachen. Lange Zeit waren sie in Galizien mit den Ruthenen und Deutschen verbunden und standen in Opposition zu den Polen. Seit den letzten zwei Jahren fand eine Ausgleichung der Juden mit den Polen statt. Nicht minder lauten die Nachrichten aus Böhmen dahin, daß die dortigen Juden, welche lange Zeit selbst in den vorzugsweise czechischen Gebieten auf Seiten der Deutschen standen, gegenwärtig sich den Czechen angeschlossen haben. Hiervon ist in unsrer, ebenfalls von so gemischter Bevölkerung bewohnten Provinz nicht die Rede. Die Juden stehen in engster Verbindung mit den Deutschen, und beiden gegenüber die Polen. Die Trennung ist so absolut, daß kein Pole bei einem Deutschen oder einem Juden etwas kauft, was er irgend bei einem Polen bekommen kann. Selbstverständlich verhalten sich die Deutschen und die Juden ebenso gegen die Polen. Hiermit will ich nicht behaupten, daß die hiesigen Deutschen von jeder antisemitischen Gesinnung fern seien. Aber sie können der Juden bei allen politischen und sozialen Bewegungen nicht entbehren. Denn wenn auch die Juden mit Ausnahme einiger kleineren Städte