Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1883)
- Date
- 1883-07-31
- Page
- Seite 502 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227479--41001-3309437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
502 inzwischen Kenntnissen ragt in seiner Eigenschaft als amt-! schaftlichen Methoden betrieben, nichts gemessen. Alles nur licher Functionär in einer so kolossalen Affaire in die Zeit flüchtig besehen, nach dem „Augenmaße" abgeschätzt und das von heute herein, wie eine düstere, verwitterte Ruine aus Meiste und Wichtigste so konsequent nicht protokollirt, daß längstverschwundenen Tagen, unter welcher der Grund, auf es, wie Eötvös sagt, fast wie Absicht aussieht. Dazu sagt dem sie ehedem vielleicht gefußt und einigen Halt gehabt haben mag, vollständig zerbröckelt ist und die nun durch nichts imponirt, als durch die Besorgniß, welche sie einflößt, daß sie zuletzt noch Schaden und Verheerung stiften könnte. Doch wer heute Herrn vr. Horvath gesehen und gehört, der entschlägt sich auch dieser Besorgniß leichten Herzens. Einen Mann, der in stundenlanger, wichtiger Diskussion auch nicht einen einzigen fachmännischen Ausdruck riskirt; der die präcisesten Fragen seines eigenen Faches einfach nicht aufzufaffen vermag; der mit den Fundamentalbegriffen seines Faches in fortwährendem Hader liegt; der den anerkanntesten Fachautoritäten Europas hartnäckig widerstreitet, ohne einen anderen Versuch zur Motivirung seiner aparten „Ueberzeugung" zu machen, als daß er sich auf seinen Gottesglauben und der Herr Bezirksarzt, „das pflegt man bei solchen Sectionen bei uns überall so zu halten." Nach der Pause behandelte Scheuthauer in fließender, anziehender, trotz des reichen Gelehrtenmaterials, welches er entwickelte, von aller Pedanterie und allem Dünkel freier Rede alle jene Punkte, welche zwischen den hiesigen und den Budapester Experten kontrovers sind. Mit dem gegen Di-. Kiß geführten Nachweise, daß man, um einen plötzlichen Tod ohne Blutstrahl herbeizuführen, die äußere Halsvene in der Gegend des Schlüffelbeines durchschneiden müßte, was ein geübter Schächter gewiß nicht thun würde, legte er wieder einmal die Undenkbarkeit der Bision des Knaben Moriz dar. Geradezu Meisterwerke wiffenschaftlicher Dialektik sind die aus vr. Traitler's eigenen Behauptungen geführten Nachweise der seine Religiosität beruft; der anatomische Maße in Fragen! höchsten Wahrscheinlichkeit, daß die Dadaer Leiche die der auf Leben und Tod mit dem Ausdrucke „Bier Finger breit"! Esther gewesen. Hierher gehört die Deduktion, daß Anämie präcisirt und ein Augenglas allen Ernstes für ein optisches! ein Charakteristikon mazerirter Leichen ist, daß diese Leichen Instrument im Sinne des Gelehrten anfieht: ein solcher; den in der Anklage erzählten dreimaligen Kleiderwechsel bin- Mann, so hochangesehen er sonst in den Kreisen seines Koi nen drei Tagen nicht vertragen haben würde, ohne ganz und mitates sein mag, hätte mindestens nicht zu einem Experten gar der Epidermis verlustig zu gehen, deren Vorhandensein in einem Proceffe gemacht werden dürfen, der die gesammte vr. Traitler so standhaft behauptet; endlich die Erklärung civilisirte Welt beschäftigt und von dessen Ausgang Leben der Rosenfarbe und der Frische der Muskulatur, aus welcher und Freiheit eines Dutzends Menschen abhängt. die hiesigen Experten beharren, gerade aus dem Wochen, ja Wie dem immer sei, es erwies sich auch heute wieder, Monate langen Liegen der Leiche im Wasser. welch' ein großes Unglück -es ist, daß die Tißa-Eßlarer Affaire Wie rührig man von gewisser Seite ist, dem Prozesse nicht gleich von allem Anfänge her in allen ihren Details in noch in letzter Stunde eine Wendung zu geben, zeigt wieder berufene Hände gelegt wurde. einmal die von Rakamaz eingelangte Anzeige zweier Frauen, Nicht vr. Horvath allein, auch vr. Eugen Kiß war die Juden hätten ihnen schweres Geld versprochen, wenn sie entschieden nicht der richtige Mann auf diesem wichtigen falsche Zeugenschaft geben wollten. Posten. Auf mindestens fünf oder sechs Fragen, auf welche Die nächste Sitzung wird Montag den 16., und am Autorität er diese oder jene Annahme zurückführe, erwidert Dienstag die Besichtigung der Oertlichkeiten, in welchen das er ein wenig betreten — aber auch nur ein wenig, denn an erdachte Verbrechen geschehen sein soll, stattfinden. Selbstbewußtsein fehlt es ihm nicht —: „Autorität weiß ich Von den Angeklagten sind drei: Josef Scharf, Salomon keine dafür, aber es ist so meine Erfahrung." Ein merk- Schwarz und Adolf Junger heute Nachts erkrankt; wohl in würdiges Streiflicht werfen viele seiner Aussagen auf den Folge der tagelangen, schier übermenschlichen seelischen und Hergang bei den ärztlichen Funktionen in Tißa-Dada: es körperlichen Anstrengung. Der Gefängnißarzt verfügte, daß war das Gerücht verbreitet, die Leiche könnte die vermißte sie aus der dumpfen Zelle entfernt wurden und die Nacht Esther Solymosi sein und doch wurde nichts nach wissenj im Hofe zubrachten. %e\Xvwi<^>Yi<xc Deutschland. schen Person erhalten, — damit ist der Anstalt zugleich die Berlin, 19. Juli. (Privatmitth.) Die Hochschule für Genehmigung ertheilt worden, die ihr von dem verstorbenen die Wissenschaft des Judenthums hat nunmehr durch König-! Stadtrath Burchardt und dem Rentier Herzog zugcwendeten liche Kabinetsordre vom 7. Mai c. die Rechte einer juristi- Legate zusammen im Betrage von 24,000 M. anzunehmen.