Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-31 · Heft 31 (31.7.1883) · p. Seite 501

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 31 (31.7.1883)
Date
1883-07-31
Page
Seite 501 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227479--41000-3309436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

501 Schwierigkeit stetig, je älter die Leiche wird, und je weiter zehn Jahren ist unbedingt ausgeschlossen. Es ist unbedingt die Entstellung durch Verwesung fortschreitet. An der Leiche j sicher, daß die Leiche lange Zeit im Wasser gewesen. Das wurde bei der Exhumirung Leichcnwachs konstatirt, welches Fußmal der Leiche, wissenschaftlich erklärt, entspricht ganz sich nur in feuchter Umgebung zu bilden pflegt; da die Dadaer der an Esther konstatirten Verletzung. Höchst wahrscheinlich ist, Leiche in sehr trockenem Grunde bestattet lag, glaubt er, dieses daß bei einem Transport mittelst Floßes die Leiche sich durch den Leichenwachs müsse sich schon in der Theiß gebildet haben;! besonders bei Mazerations-Leichen penetranten Geruch bemerkdie Bildung hat mindestens zwei Monate und mehr erfordert.! bar gemacht hatte. Höchst unwahrscheinlich ist es endlich, daß Ueber die temporäre Fortschreitung der Verwesung gefragt, { man die Kleider eines kleinen unreifen Mädchens dem angeblich erklärt der Professor, es brauche im Wasier in der Regel! so ausgebildeten aufgedunsenen Kadaver hätte anziehen können, noch einmal so viel Zeit, bis eine Leiche den gleichen Fäul-! Die Reden des Prof. Scheuthauer machten allgemein nißgrad erreicht, wie in der freien Luft; daraus folgt, daß! einen tiefen Eindruck, sogar auf die antisemitischen Zuhörer, eine stark verweste Wasserleiche eben sehr lange im Wasser! die, vor der außerordentlichen Gelehrsamkeit, Wistenschaftlichgelegen haben muß. j feit und Beredsamkeit dieses Mannes unwillkürlich den tief- Jhm folgte Prof. Bihalkovicz, der knapp und kurz, aber > sten Respekt empfanden, wenn sie auch merkten, daß durch bestimmt und scharf antwortet. Auch er behauptet, daß nach; seine Darlegung und Beweisführung ihr ganzes Truggebäude der Erzählung des Moriz Scharf, das Blut in großen Bogen• den letzten zertrümmernden Stoß erhalte. Gern würden wir ausströmen, und dieser Bogen unbedingt sichtbar sein mußte,! die Auslastungen dieses Gelehrten ausführlich mittheilen, da und daß der Boden in kleinerem oder größerem Umkreise sie ebenso interestant wie entscheidend sind. Aber der Raum vom Blute befleckt worden wäre, so daß in der zu Gebote | unsrer Zeitung genügt hierzu nicht und wir müsten auf den stehenden kurzen Zeit die Flecke nicht so rasch entfernt werden > stenographischen Bericht verweisen. Was wollte nun hierkonnten, daß sie weder an den Kleidern noch anderwärts sichtgegen die Hartnäckigkeit des Di-. Traitler bedeuten, die nur bar geblieben wären. Erbemerkte auch, daß, wenn die Leiche. beweist, daß sich solche Landärzte auch vor den Wissenschaftunter dem Floße angebunden gewesen wäre, sie viele Quetschun-! lichsten Beweisen nicht beugen wollen, weil sie dadurch den gen und Verletzungen hätte erleiden müsten. Die Gegner! Rest ihrer Autorität zu verlieren glauben. Der Eindruck, der Angeklagten hatten behauptet, daß die Juden nach der den er machte, war ein höchst ungünstiger, um so mehr als Blutentnahme den Hals mit Leim eingestrichen hätten. Der sein Ton gereizt, hart und gegen die schuldige Achtung ver- Prof. B. erklärte dies für unmöglich und daß nur ein stoßend war. Am schwierigsten war es für ihn, die Fragen Barbier so etwas Vorbringen könnte. Hier brachte Verthei-; des Staatsanwalts und noch mehr die von einer großen diger Heumann einen neuen Umstand zur Sprache. Er fragte, medicinischen Bildung zeugenden Fragen des Vertheidigers ob das Kleid eines 14 jährigen unentwickelten Mädchens, Eötvös zu beantworten. Der Letztere bedrängte den Herrn einer älteren, entwickelten Perfon mit breitem Brustkörbe an- Traitler so sehr, daß er zuletzt zugestehen mußte: Er könne gezogen werden, wenn diese letztere schon in einem vor. darauf keine Antwort geben. geschrittenen Stadium der Fäulniß ist? Prof. B. erklärt Mit dem 21. Verhandlungstage (14. Juli) schloß die dies für völlig unmöglich. — Ihm folgt Prof. Scheuthauer. Vernehmung der Sachverständigen, womit wiederum eine der in seinen Antworten und Demonstrationen sehr ausführ- Hauptpartie zu Ende geführt ist. Es wurden der alte Be lich ist. Sie ergeben die absolute Unmöglichkeit des Mordes«zirksarzt Dr. Ladislaus Horvath und der jüngere Bezirksarzt in der angegebenen Weise, und es sei die höchste Wahrschein-; Dr. Kiß vernommen, welche die ärztliche Untersuchung bei lichkeit, daß die Dadaer Leiche die der Esther gewesen. Einige der Auffindung der Leiche geführt hatten und ein so absurdes der hauptsächlichsten Aeußerungen nachstehend: Da nach Moriz Gutachten abgaben. Zum Schlüsse sprach noch einmal Prof. Aussage der Tod fast momentan erfolgte, mußte die v-6na Scheuthauer zur wissenschaftlichen Widerlegung jener Männer, jugularis interna, die große Halsader» verletzt sein, da mußte Wir resumiren mit dem Correspondenten des „P. Lloyd", das Blut in zwei Meter hohem Bogen gewaltig aufspritzen,! Wollten wir nun das Gesammtergebniß der bisherigen weithin sichtbar und im ganzem Kreise Spuren hinterlastend.; Verhandlungen resumiren, so müßten wir einfach sagen, daß Mit absoluter Positivität ist zu behaupten, daß die Dadaer der Anklage heute bereits jeder auch nur halbwegs standhafte Leiche die eines an Ertrinkungstod gestorbenen Mädchens ist; Boden entzogen ist. absolut ausgeschlossen ist, daß die Haare abrasirt wurden. ■ Das Gefühl, welches die Erscheinung und die Deposttion Wäre die Ermordung nach Moriz Erzählung geschehen, so Horvath's vor dem Gerichtshöfe erweckte, war durchaus dashätten die Kleider unter Felletar's Spektroskop unbedingt jenigc unsäglicher Wehmuth; dieser alte Herr mit seinen vor zahlreiche Blutspuren zeigen müsten. Alle Anzeichen weisen mehr als vier Jahrzehnten, einer Zeit voll unermeßlichen auf ein Alter von vierzehn Jahren hin, ein Alter von achti wissenschaftlichen Fortschrittes, — erworbenen primitiven me-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.