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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-31 · Heft 31 (31.7.1883) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 31 (31.7.1883)
Date
1883-07-31
Page
Seite 497 (sequence 3)
Language
German
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497 Name aber nicht nennen wolle nnd deshalb die ganze Ber-> ward der Herostrates-Ruhm zu Theil, jenes Feuer zu uns antwortlichkeit übernehme. Der öffentl. Ankläger sagte:!zu bringen, mit dessen Hilfe seine Genossen — unter ocr« „Meine Herren Geschworenen! Gerade eine Jahr ist es! schiedenen Borwänden theils wiffentlich, theils unbewußt her, daß in unserem Baterlande die judenfeindliche Agitation — das Haus über unseren Köpfen anzünden. Mit Recht zu einer gemeingefährlichen Bewegung, ich möchte sagen: kann daher der große Sohn unseres Vaterlandes (Äoffuth) Gährung entartet ist. dort in der Verbannung ausrufen: „Proh pudor!‘* Schmach Es giebt keinen Ausdruck des Hohnes, der Kränkung, und Schande, daß in Ungarn eine Judenfrage möglich ist!" der Beschimpfung, der Verdächtigung, der Verdammung und! Fekete beschreibt dann die Zustände Ungarns vor dem der Verachtung, welchen seither die Coryphäen dieser Be-^ Jahre 1848, das nur „das System der Rohproduction zur wegung gegen die Judenheit nicht gebraucht hätten.! Erhaltung des Lebens, ohne Industrie, Handel und Verkehr" Mit einem Worte: wir hatten genug von allen Sorten - kannte. Die Legislative vom Jahre 1848 schuf daher ein antisemitischer Emanation; solches jedoch, wie das in der neues gesellschaftliches System, welches alle Bürger frei gegenwärtig incriminirten Mittheilung Enthaltene bekamen wir noch von keiner Seite zu hören. Das nämlich, was in und gleich machte und die Privilegien aufhob. Aber die ungarische Aristokratie und Gentry verloren dabei viel, ohne dieser Mittheilung betont wird, daß der Jude, sei er Orthoihre frühere Lebensweise verändern zu wollen. Aber selbst doxer oder Neolog, Deutscher oder Ungar und er thue was der Bauer, der so viel gewonnen hatte, wußte seine Vorcr wolle, unbedingt schlecht, der Besserung unfähig sei und theile nicht zu würdigen. Unzufriedenheit aller Orten, und daß er hinaus müsse aus Ungarn: das hat außer dem Arnun ist Jstoczy auf den Einfall gekommen, alle vorhandenen tikelschreiber der .,12 rüpirat“ bislang noch Keiner gesagt, wenigstens nicht so dreist, so provokant und publizistisch. Uebel auf die Juden als Urheber derselben zu werfen und fortschreitend die Judenhetze dem ungarischen Volke zu im- Das, meine Herren, ist nicht mehr blos der Ausdruck putiren. Welche Gefahr für Ungarn! einer gegentheiligen Meinung, oder wenn's beliebt: der Antipathie — das ist der Ausbruch der keine Grenzen kennenden Leidenschaft, der Ausdruck blinden Haffes, „c’est la guerre!“ wie Herr Jstoczy in einer seiner Reichstagsreden ausrief. Das ist bereits der Kampf, jener höchste Grad der Aufreizung, wo der gerade Aufruf zur bewaffneten Empörung die gesellschaftliche Revolution beginnt. Zu widerlegen finde ich in diesem Artikel nichts; denn jeder richtig denkende unbefangene Mensch, der die Vergangenheit kennt, wird es einsehen, daß dies die undefinirbare Aus- „Wir stehen am Rande der Gefahr, meine Herren; ob man im Juden die Race, die Religion oder das sociale Element verfolgen will: der Stein, den man nach ihm werfen will, kann die Nation schwer schädigen. Besteht etwa dieser Staat nicht aus einem Conglomerat der verschiedensten Racen und Nationalitäten? haben wir keinen Grund zu fürchten, daß wenn wir den Racenhaß entfeffeln, ja selber provoziren, die Nemesis gerade uns erreichen kann? Sind wir denn in Sachen der Religion eines Glaubens? schweifung leidenschaftlicher Einbildung ist, die auf Erregung Kaum ist die Agitation gegen die Juden in Fluß gerathen von Haß abzielt. Blos zur Beleuchtung jener allgemeinen und schon ertönt auch der Ruf gegen die Protestanten: „Ka- Momente also will ich einige Worte darüber sagen, wie wirtholiken erwachet!" in diese Situation hineingerathen sind, woher diese Bewegung j Verfolgt man aber im Juden das sociale Element, so stammt und wohin sie führen wird, wenn ihr durch die! ist auch schon der Soeialkommunismus zur Stelle, der uns Macht des Gesetzes nicht vorgebeugt wird."! wohl gar helfen wird bei der Vertreibung der „vermögenden" Der Redner wirft nun einen Blick auf die drei Staaten,j Juden, doch wird derselbe die Consequenzen heraus ziehen und welche zur Zeit an der judenfeindlichen Action mehr oder. Herrn Jstoczy nicht um Erlaubniß fragen, ob er im Schlöffe minder Antheil nehmen: Rußland, Deutschland und Oester-! eines Grafen oder in den Werkstätten eines Frabrikanten keine reich. Aber auch hiervon können wir an dieser Stelle nichts! weitere Beute suchen dürfe?" mittheilen, denn es ist ein fanatischer Haß, der sich nament- „Und nun nach Außen! Scheuen sich doch die Antiselich gegen Deutschland kund giebt und der im Munde eines! miten nicht, das ungarische Parlament eine von den Juden hohen Staatsbeamten nicht sehr für die Festigkeit des Bündniffes zwischen Deutschland und Oesterreich - Ungarn zeugt. bestochene Versammlung zu nennen." Redner eine ernste Mahnung an die Hieran schloß der Geschworenen, ihre Er hebt dann hervor, wie die Ungarn die Juden von jeher in Pflicht zu erfüllen und dem Gesetze sein Recht zu verschaffen. Frieden unter sich leben ließen und auch keinen Grund hatten, sie anders zu behandeln. — Der Bertheidiger Jstoczy's ließ sich nun in einer scheußlichen Diatribe gegen die Juden aus, und zog namentlich auch „In der jüngsten Zeit jedoch warfen die Epigonen einen den Talmud ä la Rohling heran. Auch hiergegen replizirte Schatten auch auf diese altvererbte Tugend. Herrn Jstoczy der Staatsanwalt und skizzirte eine Geschichte des Talmuds. 31*

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