Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1883)
- Date
- 1883-07-31
- Page
- Seite 496 (sequence 2)
- Language
- German
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496 für ihr väterliches Bekenntniß, um sie zu ermuthigen, vor den Angriffen und Schmähungen ihrer Feinde nicht zurück»! zuschrecken, nicht in Furcht und Angst zu erzittern, sondern! im vollen Vertrauen auf die Hilfe des Gottes der Wahrheit, > auf den Sieg des Rechtes auszuharren bis die Stunde komme, wo die Gewaltthat entwaffnet, die Lüge entlarvt werde. Und endlich, wer sprach also? Einer jener gottbegeisterten Männer, die noch heute als Verkünder der Wahrheit und des Rechtes von allen Völkern, von den Bekenneru aller Religionen verehrt werden. Und gingen sie in Erfüllung, diese Worte? Jawohl, kurze Zeit darauf sank das Reich der Chaldäer in Trümmer, die Thore Babels öffneten sich dem stürmenden Feinde, und Israel kehrte erlöst nach dem Lande seiner Väter zurück. Und dieses Wort, das von Abraham bis Jesajas, und von Jesajas bis zum heutigen Tage ertönte, in allen Zeiten ging es in Erfüllung, immer von Neuem bewahrheitete es sich, und die Zeugen dessen sind wir, das späte Geschlecht, für die Vergangenheit und in der Gegenwart. Darum wiederholen wir diese Worte in unsren Tagen. Siehe, über das Dunkel, das man in der letzten Zeit über uns gebreitet, steigt bereits das Licht der Sonne empor, wirft seine erhellenden Strahlen in das sinstere Gewölk, daß es sich zu lösen und zu zerstreuen beginnt. Wie groß auch die Zahl derer gewesen, welche das Netz des Verderbens über unsere Häupter zu werfen suchten — es erstanden genug Männer, denen die Wahrheit mehr gilt, als die Scheu vor mächtigen Gegnern. So sehr sich auch der Witz der Lüge und die Erfindungskraft der Bosheit anstrengte, um das schwarze Gewebe des Vorurtheils und des Haffes über uns auszubreiten — die Wissenschaft und das Recht standen uns zur Seite und machten Diejenigen zu Schanden, welche im Herzen des Volkes durch Lug und Trug die niedrigsten Leidenschaften wecken und es zu Roheit und Barbarei verleiten wollten. Nur kurze Zeit und auch dieses Babel der Unwahrheit, des Unverstandes und des Unrechts wird in Trümmer sinken, wir aber frei und gerechtfertigt daraus hervorgehen! In den Angelegenheiten -er russischen Inden. VII. Petersburg, 13. Juli. Wir können es mit großer Befriedigung konstatiren, daß sowohl in den maßgebenden Regierungskreisen, als auch gerade im einflußreichsten Theile der russischen Presse ein für die russischen Juden günstiger Umschwung stattgefunden hat. Als Beweis, daß wir auf eine Wendung in der Politik unserer Regierung gegen die Juden rechnen dürfen, mögen folgende Thatsachen der letzten Tage gelten. Am 6. Juli empfing unser erhabener Monarch eine Deputation der jüdischen Petersburger Gemeinde in der Person der Herren Rabbinatsverweser Dr. Drabkin, Baron H. von Günzburg und Wirkt. Staatsrath S. S. Poljakoff, überaus huldvoll und erkundigte sich bei Ersterem nach seiner Vergangenheit, wo er seine Erziehung genossen hat, und bat ihn wiederholt, in seinem Namen den Juden zu danken. Ferner hat in diesen Tagen der Senat die Frage: ob jüdische Handwerker — die doch das Recht haben im ganzen russischen Reich sich niederzulaffen — das Recht haben, Landbesitz zu erwerben, zu Gunsten der Juden entschieden. Schließlich hat Se. K. Maj. Allerhöchst geruht auf Vorstellung des Finanzministers dem Herrn Baron H. v. Günzburg und dem Director der Diskontobank A. Sack den Rang des Staatsraths zu verleihen. Petersburg, 21. Juli. Wie die Petersburger Zeitung erfährt, wäre ein in's Ausland gereistes Mitglied der Judencommission vom Grafen Pahlen, dem Präsidenten der Commission, beauftragt worden, sich genau über die Frage der bürgerlichen Rechtsstellung der Juden in Deutschland, Frankreich und England zu erkundigen*und hierüber eine Denkschrift auszuarbeiten, die auch die geschichtliche Seite der Frage berücksichtigen soll. (Wir haben außerdem noch ausführliche günstige Berichte aus Rußland erhalten, siehe in nächster Nummer.) Jstoczy vor dem preß-Schwurgericht m Pest.) Pest, 30. Juni. Heute stand Jstoczy vor dem Schwurgerichte, um sich gegen die Anklage des Preßvergehens in der von ihm veröffentlichten Zeitschrift ,12 röpirat“ zu Vertheidigen. Der Staatsanwalt Fekete trat mit großer Entschiedenheit gegen Pstoczy auf. Jndeß die Geschworenen waren anderen Sinnes und sprachen ihn mit 10 Stimmen gegen 2 frei. Dieser Ausgang ist um so beklagenswerther als er ein lautsprechendes Symptom für die auch in Pest herrschende Gesinnung ist und den Muth der Antisemiten nicht wenig anfeuern wird. Allerdings können Jstoczy und seine Anhänger nicht mehr sagen, als sie bereits gesagt haben und nicht zu noch größeren wahnsinnigen Fanatismus gelangen. Aber dieser wirkt immer ansteckender und verbreitet sich progressiv immer weiter. In der Anklageschrift wurden die Stellen aus der Zeitschrift Jstoczy's verlesen. Niemand wird verlangen, daß wir diese unsinnigen und lügnerischen Tiraden hier wiedergeben, die auch nicht deu geringsten factischen Grund anführen. Jstoczy (45 Jahre alt, römisch-katholischer Confession) giebt an, daß er nicht der Verfasser des incriminirten Artikels sei, dessen 1) Wegen Mangels an Raum verspätet.