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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-24 · Heft 30 (24.7.1883) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 30 (24.7.1883)
Date
1883-07-24
Page
Seite 491 (sequence 13)
Language
German
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491 jüdischen Herrschaft, welche zwei christliche Dienstmädchen hielt, das eine verschwunden sei. Ucbrigens war der Mann, dessen Namen nichts zur Sache thut, gerade verreist und befand sich in Breslau. Die zurückgebliebene Frau hatte der städtischen Polizeibehörde Anzeige gemacht, daß das Mädchen ihr juristischen Bedenken, schon ein Fehler der bethörten Menge gegenüber, so verdoppelte der Herr Syndikus diesen Fehler noch dadurch, daß er die vor der Hausthür harrende Menge nicht über die Erfolglosigkeit der Haussuchung aufklärte, sie zum Auseinandergehen aufforderte und dies nöthigenfalls ohne Grund entlaufen sei. Soweit hätte mich die Sache - erzwang. Er ging schweigend hinweg und nahm sogar seine gar nicht interessirt. Aber beide Gensdarmen, ruhige und! Polizeibeamten mit, „um kein Aufsehen zu erregenSo tüchtige Männer, meldeten zur Motivirung ihres Rapports weiter, daß unter dem dienenden Personal in Ratibor eine hochgradige Aufregung herrsche, weil sich die Sache verbreitet habe, das Mädchen sei von den Ratiborer Juden zu bekanntem Zwecke geschlachtet worden, wie Esther Solymosiy in Tißa-Eßlar. Dieses Gerede werde gerade jetzt des Abends an allen städtischen Brunnen herumgetragen, durch schauerblieben nur die beiden Gensdarmen zurück, die sich bemühten, die immer erregter werdende Menge vom Eindringen in das Haus abzuhalten. Sie wurden jedoch, da die große Masse nachrückte und der Lärm die Köpfe der Leute noch mehr verwirrte, weggedrängt, und nun begannen die Kühnsten langsam die Treppe zu ersteigen, um selbst zum Rechten zu sehen. Den vordersten Helden stellte sich aber freilich oben liche Details verschönert, und errege die Nerven gefühlvoller j ein unerwartetes Hinderniß entgegen. Das zweite Dienst- Köchinnen und Stubenmädchen in höckistem Grade. Sie > Mädchen empfing dieselben mit einer Fluth gut gewählter äußerten die Besorgniß, daß am folgenden Sonntage die zur mährischer Schimpfreden und mit der Drohung, dem, der Kirche in die Stadt kommende mährisch redende Bauerschast! noch einen Schritt näher kommen werde, einen Eimer Wasser aus den eingcpfarrten Dörfern, wenn die Leute das Gerede; über den Kopf zu gießen. In diesem Augenblicke, der einigen hörten, zu Ercessen gegen die Juden sich Hinreißen lasten würde.! Aufenthalt verursachte, erfolgte glücklicher Weise die überaus Ich gestehe, daß ich, damals jung und unerfahren, zu- 1 harmlose Lösung der eingetretenen Spannung. Ein findiger erst über den ganzen Rapport lachte, dann aber die Gens-: Polizeidiener hatte endlich das arme Opfer jüdischer Rachlust darmen anwics, Achtung zu geben und sich im gegebenen j in der benachbarten Mühle ausfindig gemacht, wohin sie sich Falle der städtischen Polizeibehörde zur Assistenz zu stellen.! unter dem Schutz des Mühlenbesitzers zu irgend welchen: Da in der Stadt eine Schwadron Ulanen in Garnison lag, Zweck versteckt hatte. Der Mann war so gescheit, die Ausso hielt ich jede Gefahr, an die ich überhaupt nicht glauben; reißerin mit großer Ostentation über den Platz mitten durch mochte, für ausgeschloffen. Am Sonntag Bormiltag aber die Menge hindurch in das Polizeigefängniß zu führen. Die kam es buchstäblich, wie die Gensdarmen befürchtet hatten.! Nachricht, daß das Mädchen gar nicht geschlachtet worden, Die blaubemäntelten mährischen Landleute mit Pudelmützen sondern nur zu ihrem Liebhaber entlaufen sei, erreichte dann auf den Köpfen waren sofort nach ihrer Ankunft, besonders noch rechtzeitig die oben auf der Treppe mit dem resoluten da die Köpfe des weiblichen dienenden Personals in der Stadt Dienstmädchen kapitulirenden Männer, und die ganze Gcsellsich über Nacht nicht beruhigt, sondern noch mehr erhitzt! schaft zog friedlich und lachend ab — ob auch etwas beschämt, hatten, von dem erwachten Fanatismus angesteckt. Jndeffen weiß ich nicht. ging man zunächst noch zur rechten Zeit in die Kirche, um Man sieht daraus, wie solche Agitationen entstehen, und die Meffe zu hören. Dann aber nach beendigtem Gottesdaß sie selbst einer kräftigen und wachsamen Regierung gegendienste strömte die ganze Masse, da die Polizei trotz eifrigen über nicht ohne Gefahr sind. Ist diese Gefahr bei uns auch Suchen» die vermißte Person nicht hatte finden können, vor geringer, sobald die Regierung, wie im vorigen Jahre aus das Haus, in welchem das Mädchen geschlachtet sein sollte, direkten Allerhöchsten Befehl geschehen mußte, sie nicht aufbegnügte sich aber anfangs damit, neugierig den ersten Stock, kommen oder nicht weiter wachsen zu kaffen gewillt ist, so in welchem die beschuldigte Familie wohnte, anzusiarren. ist sie in verdoppeltem Maße da vorhanden, wo nichtsnutzige Darüber fand sich denn auch die Polizei ein, von den Gens- Organe einer schlechtorganisirten Regierung sie zu Gewaltdarmen gerufen auch der Herr Syndikus, der die Stelle des thaten zu benutzen suchen. Tie Ehre der ungarischen vor Kurzem verstorbenen Bürgermeisters vertrat. Angeblich Regierung und der magyarischen Nation ist jetzt dafür um die herrschende Aufregung zu beschwichtigen, wußte dieser engagirt, daß die gewiffenlosen Anstifter einer schmach- Mann nichts Befferes zu thun, als in der Wohnung der vollen gerichtlichen Procedur zu strenger Bestrafung gezogen erschreckten Frau, der er alle Schlüffel abforderte, eine regelwerden. rechte Haussuchung abzuhaltcn. Natürlich wurde nichts gefunden, was auf einen Mord hindcutcn konnte, wie auch im Tempel zu Tißa-Eßlar nichts gefunden worden ist. War die Haussuchung an sich, abgesehen von allen gerichtlichen und Gerhard Nohlfs über die Falafchas. Gerhard Rohlfs, der bekannte Reisende, wurde von dem deutschen Kaiser mit der Mission betraut, dem Negus Negust i

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