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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-24 · Heft 30 (24.7.1883) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 30 (24.7.1883)
Date
1883-07-24
Page
Seite 490 (sequence 12)
Language
German
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490 der Militärsträfling Kaufmann begraben, der, bei einem Fluchtversuche verwundet, an seiner Wunde letzten Samstag ge-! starben ist. — Die Konferenz israelit. Lehrer Württembergs ist auch Heuer wieder aus den Herbst verlegt worden, da sich! die Herren Ausschußmitglieder größtentheils auf Badereisen befinden. Auf die Frequenz der Versammlung kann diese! Verlegung nur nachtheilig wirken. — Letzten Sonntag wurde hier Di-, insä. Jsac Röder zu Grabe getragen. Derselbe' ist am Freitag Abend an einem Schlaganfalle in einem Alter! von 75 Jahren gestorben, nachdem er noch bis kurze Zeit vor seinem Tode mit seinen Freunden verkehrt hatte. Der Vater Röders war der erste Jude in Ulm. Dem Verblichenen war es vergönnt, noch vor kurzer Zeit sein 50 jähriges Jubiläum zu feiern, bei welcher Beranlaffung ihm von allen Seiten — von Christen und Israeliten — Beweise besonderer Zuneigung und Hochachtung gegeben wurden. Die hiesigen Lokalblätter weihen dem Verstorbenen die ehrendsten Nachrufe. — In London wurde Mr. Pineas Cowan, Oberstlieutenant der Freiwilligen, zu einem der Sheriffs von London und Middlesex gewählt. Dieser Israelit, Manufakturist, hat einen thätigen Antheil an der Bewaffnung und den Uebungen der Freiwilligen genommen; er ist auch Schatzmeister der israelitischen Waisenanstalt. — Der bisherige Rabbiner von Tlemzen (Algerien) Morse Weill ist zum Großrabbiner von Oran erwählt worden. — Der bisherige Rabbiner von Dambach Marc Levy ist zum Rabbiner von Weißenburg-Sulty (Elsaß) erwählt worden. Bonn, 15. Juli. (Literarische Notizen.) Von der Bibliotheca rabbinica (Otto Schulze, Leipzig 1883) ist die >'4. Lieferung erschienen. Sie enthält Wajikra rabba von 13, 2—22, 21*. Wie uns Herr vr. A. Wünsche mittheilt, wird das Ganze, vortreffliche Werk bis zur 32. Lieferung geführt und die beiden letzten Lieferungen die Uebersetzung der Pesikta nach Buber's Text enthalten. Wir können hierbei nicht verschweigen, daß die Opfer des Verfassers und des Verlegers für die Herausgabe dieses Werkes noch lange nicht die thatkräftige Anerkennung und Dankbarkeit gefunden haben, die sie verdienen. Es ist auffallend z. B., daß die jüdischen Prediger und Lehrer, welche in diesem Werke eine so reiche Quelle für ihre Predigten und ihren Religionsunterricht finden würden, sich dasselbe noch wenig angeschafft haben, wie aus der verhältnißmäßig geringen Abonnentenzahl hervorgeht. — Von dem Prachtwerke „Palästina in Bild und ( Wort von G. Ebers und Guthe" (Stuttgart, Deutsche Ber-; lagsanstalt) sind die 35—3!'. Lieferung erschienen. Die Fülle! der Illustrationen bietet uns in diesen Lieferungen viel Interessantes, und sind sie künstlerisch ganz vorzüglich angeordnct und ausgeführt. Wir erhalten hier ausführliche und anziehende Schilderungen von Akko, Haifa, dem Carmel und dem Flußthal des Kischon. Hierauf wird uns das Küstenland vom Carmel bis Jaffa gezeichnet mit den Ruinen von Atlit und Cäsaria-Sebaste. Interessant ist hier auch die Schilderung der Crocodile und der Melonenkultur. Wir gelangen zur Ebene Saron und endlich zum Küstenland der Philister, deffen Darstellung in den nächsten Lieferungen fortgesetzt wird. — — Vor Kurzem ist bei Rom ein egypt. Obelisk aufgefunden worden, der dem Könige Ramses 11., dem Bedrücker; der Israeliten, gewidmet war. So weit die Inschriften bis jetzt entziffert wurden, enthalten sie nichts von Bedeutung.! — Noch ist das Urtheil in der Tißa-Eßlarer Affaire nicht gefällt, und schon zeigt ein literarischer Tagelöhner einen Roman an: „Esther Solymosi, das Mädchen von Tißa- Eßlar", „geschmackvoll ausgestattet, mit Titelbild u. s. w." in — 45 Lieferungen 1 Arme Esther, auch im Grabe wird man dir keine Ruhe lassen!" — Feuilleton. Ein harmloses Seilenstück zum Fall zu Tißa-Eßlar. (Nus der „Boss. Z " vom 7. Jn'.i.) : Nicht als ein Seitenstück zu der schmachvollen gerichtlichen Verhandlung in Nyiregyhaza, sondern um den magyarischen Edelleuten, welche dort den „Umstand" des Gerichts bilden, den falschen Zeugen und nichtswürdigen Gerichtsbeamten Beifall klatschen, die Bertheidiger und Entlastungszeugen einzuschüchtern suchen, ein Spiegelbild davon vorzuhalten, auf welcher Stufe humaner Geistesbildung sie stehen, sei es mir gestattet, aus einem ereignißreichen Leben eine Episode aus der Heimath in Erinnerung zu bringen, die so ziemlich vergessen sein mag. Dieselbe reicht natürlich nicht enffernt in ihrer Wirkung an den ungarischen Fall heran. Sie verlief harmlos und dient nur zum Beweise dafür, daß es nicht schwer fällt, ungebildete Masten, mit denen also ungarische Edelleute auf gleicher Stufe stehen, durch Anknüpfung an irgend einen alten Aberglauben zu fanatisiren und zu Erceffen fortzureißen, oder vielmehr, da in der Episode, die ich im Auge habe, von einer Agitation gar keine Rede war, wie leicht eine solche Aufregung finsterer Köpfe und ängstlicher Gcmüther sich spontan erzeugt. Ich habe vor 42 Jahren als junger Referendar den Landrath in Ratibor einige Zeit vertreten. Im Begriffe, eine kleine Dienstreise anzutreten, auf welcher ich einen Kommissar der Regierung zu Oppeln in den Grenzen meines Amtsbezirkes zu begleiten hatte, meldeten mir — es war nach Ostern, im Mai des Jahres 1841 — an einem Sonnabend Abend die in Ratibor stationirtcn Gcnsdarmen, daß einer

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