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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-24 · Heft 30 (24.7.1883) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 30 (24.7.1883)
Date
1883-07-24
Page
Seite 492 (sequence 14)
Language
German
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492 von Abyssinien, welcher in seinem Streite mit Egypten mit der Bitte um Permittelung einige Male an den Kaiser sich ' gewandt hatte, ein eigenhändiges Antwortschreiben zu überbringen. Bon dieser im Winter 1880 81 unternommenen Reise zurückgekehrt, veröffentlichte er seine Reiseberichte und seine Schilderung über Land und Leute von Abyssinien. In diesen! neuesten Werke, das unter dem Titel „Meine Mission nach Abyssinien" jüngst bei Brockhaus in Leipzig erschienen ist, beschäftigt er sich auch mit den Falaschas, die bekanntlich einen kleinen Bruchthcil der abyssinischen Bevölkerung bilden. Die Falaschas sind, nach Rohlfs, unzweifelhaft Juden, so sehr sie auch von den Juden der übrigen Welt abweichen. Man hat sehr viel über ihr Herkommen geschrieben, aber es unterliegt wohl keinem Zweifel, dag sie Eines Stammes mit den übrigen Abyssiniern sind. Dasselbe Aeußere, dieselbe Nopfbildung, dieselbe Hautfarbe; sie unterscheiden sich nur durch ihre Sprache, indem die Meisten den Quorra-Dialekt, die bei Gondar Wohnenden aber auch Amharisch sprechen. In ihren Gebeten bedienen sie sich der auch von abyssinischen Christen augewendcten Gheczsprache, die übrigens selbst den meisten Priestern unverständlich ist. Die Falascha stützen sich zum Theil aus das Alte Testament; sie regeln ihr Leben nach den zehn üblichen Geboten Mosis, aber sic glauben an kein Wiedererschcinen des Messias; sie wissen nichts von der babylonischen Gefangenschaft — ein Umstand, der sehr für das Alter ihrer Religion spricht. Sie haben keine Kenntniß von der Existenz des Talmud und stehen ganz außer Gemeinschast mit den eigentlichen Juden. Nimmt man an, daß alle Abyssinier ursprünglich aus Arabien stammen, daß sie dort schon in frühester Zeit den mosaischen Glauben annahmen, hieraus nach Afrika, ihrem jetzigen Stammlande, zogen, daselbst wohnen blieben; daß also sämmtliche Abyssinier einst jüdischen, oder besser gesagt, mosaischen Glaubens waren, und daß die Mehrzahl derselben im vierten Jahrhundert zur christlichen Lehre übertrat, so ergiebt sich uns die einfachste Lösung über Herkunft und Abstammung jenes interessanten jüdischen Bruchtheils abyssinischer Bevölkerung. Rohlfs berichtigt den Jrrthum früherer Reisenden, die behaupten, die Falascha gingen unbewaffnet und betrieben keinen Handel. Die Falascha, die zu ihm kamen, um ihm Töpfe oder andere Sache zu verkaufen, waren immer bewaffnet. Die Falascha kleiden sich, wie schon bemerkt, wie die abyssinischen Christen und haben mit diesen sowie in Vielem auch hinsichtlich der Speisevorschriften eine größere Verwandtschaft, als man nach den bisherigen Berichten über sie annehmen mochte. Was ihren Fanatismus anbetrifft, so dürfte derselbe kaum den der abyssinischen Christen übersteigen. Bemerkenswertst ist, daß sie trotz ihrer hartgedrückten Stellung unermüdlich für ihren Glauben Propaganda zu machen bestrebt sind. So traf Rohlfs in Gondar zwei Falascha- Missionäre, welche über Metemmeh ins Land kamen, nachdem sie vorher von Massaua in Aethiopien einzudringen versucht hatten. Von da aber kamen sie nur bis Tsatsega, denn Ras Alula ließ sie in Ketten legen und einkerkern. Auf Fürsprache Schimper's, Rohlfs' Dolmetsch, der sich zufällig in jener Gegend befand, wurden sie freigclaffen, sie sprachen etwas Deutsch und Englisch und kleideten sich nach Art der Europäer. Sie unterließen es nicht, Rohlfs sich vorzustellen und ihn um eine Empfehlung an den Negus zu bitten. Er rieth ihnen, von ihrem Vorhaben abzustehen, doch schienen seine Worte keineswegs einen besonderen Eindruck auf die zwei bckchrungssüchtigen Herren zu machen. Anzeigen. Ty| wryMft 4-p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- AllPv/1 CXi bty folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncenexpedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Pensionat A. Cahn Sobernheim Handels- und Vorschule zum Studium durch Besuch des Gymnasiums. Englisch unterrichte! ein in England geprüfter Engländer. Beste Referenzen. [F. 10S20] Israel. Mädchcn-Pcnsionat B0NN, Coblenzerstr. 56. [10877} Geschwister Moses. WWFn„ LrM streng rituell, für MT junge Äaufleute und Lehrlinge. [8. 10903} S. .facobsohn, Berlin, Eommandantenstraße 67. 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