Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1883)
- Date
- 1883-07-24
- Page
- Seite 488 (sequence 10)
- Language
- German
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488 mußte, weil sonst die Regierung in den Verdacht gekommen zugestehen, daß sich in diesen beiden, vollständig verbürgten wäre, ihn aus Parteinahme für die Juden niedergeschlagen Vorgängen ein Fanatismus, ein Glaubenszwang bekundet, zu haben. Gleichwohl ist man sich in den hiesigen Regierungsder dem Fanatismus der klerikalen Partei nichts nachgiebt. kreisen bewußt, daß, soweit es unter Respectirung der Un- — Zu Biarritz fand dieser Tage ein eigenthümlicher Borabhängigkeit der Gerichte möglich ist, auch ihrerseits etwas gang statt. Eine große Procession durchzog mit vielem kirchgeschehen müsie. Denn für die Erscheinungen, welche während lichen Glanze die Straßen der Stadt. Zwei junge Jsraedes Proceffes zu Tage getreten, ist man in den Regierungsj liten sahen dem Vorüberzuge zu und nahmen die Hüte nicht kreisen keineswegs blind. Es ist daher mit Sicherheit zu! ab. Katholische Sänger sprangen aus der Reihe auf sie zu, erwarten, daß, sobald der Proceß zum Abschluß gekommen sein wird, im disciplinaren Wege eine Untersuchung über das gerichtliche Gebühren eingeleitet werden wird, wie das Urtheil immer lauten möge, wobei es fick von selbst versteht, daß, falls das Urtheil nicht freisprechend lauten sollte, der Proceß vor die zweite Instanz käme. (Wir werden sehen, was hiervon ausgeführt werden wird. Viel Vertrauen bees entstand Zank und bald auch Schlägerei, bis die Polizei sie trennte. Vom Gerichtshöfe wurde der eine Israelit, weil er „den Streit hervorgerufen", zu 25 Frcs. Strafe verurtheilt, die beiden Sänger zu einer geringeren. Das Urtheil sprach den Grund aus: „Levy, obgleich von einem verschiedenen Cultus, war gehalten, sich unter den vorwaltenden Umständen den Kopf zu entblößen." Dieser Grund ist gesitzen halbofsiciöse Communiquos nicht mehr, da sie nur im j wiß anfechtbar, und daß die Sänger die Kopfentblößung mit Augenblick beschwichtigen sollen und für die Zukunft zu nichts! Gewalt durchsetzen wollten, ist gewiß nicht statthaft. Demverpflichten.)! ungeachtet kann man das Benehmen der jüdischen jungen | Leute nicht billigen. Es nöthigte sie ja nichts, bei der Pro- HrankrerH.! cession stehen zu bleiben, und, der umstehenden Menge Paris, im Juli. Der antireligiöse Radikalismus, der j Aergerniß zu geben, ist keine sittliche Handlung. — Das gegenwärtig in Frankreich am Ruder ist, und namentlich im! Comits für die russischen Juden, die nach Paris verpflanzt Pariser Stadthause obherrscht, macht sich, obgleich er eigentlich; worden, hat sich aufgelöst, nachdem es sein Werk vollendet seine Spitze gegen den katholischen Klerikalismus gerichtet hat,j zu haben glaubt. Jener Geist des Widerstandes, der einem auch den übrigen Culten sehr fühlbar. Man hat also die! Theile der Emigrirten von gewisser Seite eingeflößt worden, Mauern, welche die bis jetzt den einzelnen Culten angehörigen! ist vernünftigen Erwägungen gewichen, die größte Zahl der- Friedhofsplätze begrenzten, niedergerissen, obschon dieselben so selben haben in Ausübung ihrer Handwerke die Mittel sich weit sie den israelitischen Friedhof umgaben, von der jüdischen zu erhalten, gefunden. Einige unter ihnen haben selbst die Gemeinde aufgeführt waren, und begräbt jetzt die Angehöri-! ihnen zur Verfügung gestellte Wohnung verlaffen, um sich gen der verschiedenen Culten unter einander. In diesem! in den Stadttheilen niederzulassen, wo sie arbeiten. Eine Sinne hat man auch die Kreuze, welche am Eingänge des ganzen Friedhofes standen, entfernt. Ebenso sind aus allen Hospitälern die sog. Almoseniers, d. i. die Geistlichen aller Culte entlasten, ohne bis jetzt ein Reglement erlassen zu haben, unter welchen Bedingungen die Seelsorger der verschiedenen Culte die Kranken besuchen dürfen, welche nach ihnen verlangen. — Bor Kurzem wurde die israelitische Direktrice der jüdischen Communalschule, welche, weil sie Communalschule ist, auch ca. 5 Procent Kinder anderer Culte enthält, bestraft, weil sie die jüdischen Kinder am Samstag zum Gottesdienste in die Synagoge geführt hatte. Noch bezeichnender ist folgender Vorgang: Dieselbe Direktrice hatte, um auf den Geist der Kinder anspornend zu wirken, an die Wände der Klassen die Portraits ausgezeichneter Menschenaudere Anzahl verlangte nach Rußland zurückzukehren. Sie erhielten Reisegeld und eine beträchtliche Unterstützung, die ihnen an ihrem Bestimmungsorte ausgezahlt wird. Vom Juli an werden keine Unterstützungen mehr gezahlt und selbst die Wohnung muß von ihnen selbst bezahlt werden. Die Gemeinde von Paris hat große Opfer für diese Sache gebracht. Wenn man die Hoffnung gehabt hat, daß auch andere Gemeinden sich daran betheiligen und einige Flüchtlinge bei sich aufnehmen würden, so hatte man sich gänzlich getäuscht. Die Gleichgiltigkeit und das mangelnde Gefühl der Solidarität hat sich in betrübender Weise bekundet. — Aus den Bereinigten Staaten laufen erfreuliche Nachrichten über die russischen Emigranten ein. In Chicago gewinnen über 500 ihren reichlichen Unterhalt als Handwerker und freunde ohne Unterschied des Glaubens hängen lasten. Unter > Arbeiter. Ebenso berichtet man aus Milwaukee und Saint-Paul. diesen befanden sich Vincenz von Paulus und der Abbc de I In Dakota gedeiht die landwirthschaftliche Colonie trefflich. l'Epee. Da aber diese großen Wohlthäter ein „Heiliger"! . und ein „Abbc" gewesen, so skandalisirte dies die Schul-! (srostbrltaiunen. aufsicht und eine (katholische) Jnspektorin verlangte und be-, London, 13. Juli. (Privatmitth.) Die ^.nZIo-ksnii-bwirkte die Entfernung dieser beiden Portraits. Man wird -Association hat ihrem 12. Jahresbericht einen „Aufruf" bei-