Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1883)
- Date
- 1883-07-24
- Page
- Seite 487 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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487 Prozeß die Aufmerksamkeit der ganzen civilisirten Welt und um so mehr aller Juden auf sich gezogen, eine Aufmerksamkeit, die weder motivirt, noch vorhanden wäre, wenn es sich nur um einige gemeine Verbrecher handelte, die zufällig Juden wären. Deutschland. Bonn, 13. Juli. (Privatmith.) Biele deutsche Blätter führen gegenwärtig einen Streit darüber: ob das Judenthum und mit ihm die gesammte Judenheit an dem Prozeß in Nyiregyhaza und dem etwaigen Ausgange desielben betheiligt — „ seien oder nicht? Die einen bejahen, die andern verneinen —)esrerrelcy-Ungarn. dies. Die Streitfrage scheint uns vollständig überflüssig. Das^ Wie«, im Juli. Der bekannte kriminalistische Schrift- Judenthum ist über alle solche Anschuldigen erhaben, und seine; steiler und frühere Sekretär des Polizeigerichtes zu Lübeck, Geschichte, seine Lehre und sein Gesetz liegen aus allen Zeit- Hofrath Dr. Avö-Lallemant, hat anläßlich des Tißa-Eßlarer altern so klar und offenkundig vor Aller Augen, daß es eben! Prozeffes einen Brief an den Prediger der Wiener Cultusnur der schwärzesten Berleumdungss ucht möglich ist, derartige gemeinde, vr. Jellinek, gerichtet, dem wir die folgenden verachtenswerthe Anklagen gegen daffelbe zu erheben. Daß: Stellen entnehmen: „Dieses stückweise Anlangen der stenosie aber dennoch erhoben werden — nun, welche Weltj graphischen Berichte ist gräßlich. Tie Möglichkeit des Angeschichtliche Erscheinung ist davon frei geblieben? Darum, fanges ist schon eine jähe Verwundung und nun kommt seit kann auch der etwaige Ausgang, das vom dortigen Gerichtsj dem 19. Juni Morgens und Abends Stück um Stück die Hofe zu fällende Urtheil das Judenthum selbst nicht berühren. Proklamirung des Baukerotts der Vernunft, des Rechtes, der weil jenes Urtheil nur aus örtlichen und persönlichen Stim- Sitte, der Wahrheit, der Menschlichkeit. Schon lange hat mungen und der, von den Antisemiten geschickt veranstalteten sich in mir der Gedanke festgesetzt, daß die Esther das Opfer Verwirrung und Verdunkelung der Thalsachen hervorgegangen ' eines ja allerorten üblich gewordenen Lustmordes geworden sein wird. In der Freisprechung der angeklagten Juden ist. Einer hat ja schon den Gatten einer lüderlichen Person sehen wir deshalb keine Freisprechung des Judenthums, in ermorden und. zerstückeln geholfen und dies mit fünfzehn deren Berurtheilung keine Verurtheilung des letzteren. An-1 Jahren Zuchthaus büßen müffen. Doch das wird ja die ders aber verhält es sich mit den Absichten der Antisemiten, Untersuchung in den höheren Instanzen, deren ja noch zwei welche sie hegten, als sie diesen Prozeß einleiteten, anknüpften,! übrig sind, ergeben. Oder die Esther lebt und wird im Beranschürten und ausführten. Wir machen hier auf einen Umsteck gehalten. Liefert die Untersuchung nicht mit unnachstand aufmerksam, den man unsres Wissens noch nicht herlässigen, gründlichen und strengen Maßregeln gegen die dieser vorgehoben hat. Gegen wen haben sie die Anklage gerichtet? Zwanzsentführung Ueberführten das Geständniß, wo die Esther nicht gegen große oder kleine Industrielle, nicht gegen Gesich befindet oder wohin sie zuerst geführt worden ist, so werbe und Handel treibende Juden — sondern gegen drei fürchte ich, daß zur völligen Verschleierung der ganzen Sache Schächter und einen jüdischen Küster. Hiermit haben sie ihre j das unglückliche Geschöpf noch nachträglich ermordet werden Absicht hinlänglich verrathen, nämlich, daß sie ihren Schlag wird." gegen das Judenthum als Religion führen wollten. Diese Preßburg, 3. Juli. Eine Deputation der hiesigen isr. Angeklagten sind Diener der Religion, wenn auch untergeord- Gemeinde, bestehend aus vier Mitgliedern, sprach dieser Tage neter Art. Ihre Mordthat soll also einen rituellen Mord beim Oberstaatsanwalt Kozma vor, um diesen zu bitten, dabedeuten. Darum lassen auch — ein zweites Moment — hin zu trachten, daß Moriz Scharf selbst nach Beendigung diese teuflischen Intriganten den Mord in einer Synagoge des Prozesses von Tißa-Eßlar nicht freigelassen werde, songeschehen. Klarer können die Absichten dieser scheußlichen dern ihn weiter unter administrativer Aussicht zu belassen, Menschen nicht ausgesprochen werden. Lug und Trug, Cordamit nicht auch künftighin mit demselben antisemitische Exruption aller Art, Gewaltthätigkeiten und Martern haben sie perimente gemacht werden. Der Oberstaatsanwalt verspracb, zu ihrem diabolischen Zwecke nicht verschmäht, und rufen sie diese Bitte soweit als möglich zu berücksichtigen, diese höllischen Mittel immer von Neuem zu ihrer Hilfe auf. Aus Ungarn, im Juli. Ueber die Stellung der unga- Dies hat der Verlauf der Schlußverhandlung bereits in so rischen Regierung zum Tißa-Eßlarer Proceß schreibt man der reichem Maße constatirt, daß selbst die Gegner der Juden Prager „Bohemia" anscheinend osficiös aus Pest: Seitens dies nicht mehr ableugnen können. Also das Judenthum ist der Regierung hat man sich bisher dem Processe gegenüber erhaben über diese Angriffe, aber daß diese fanatischen Hasser passiv verhalten, was darin seinen Grund hat. daß ein Ein. es aus Beschimpfung des Judenthums abgesehen haben, ist greifen in denselben mit Rücksicht auf die Unabhängigkeit der doch nicht zu verkennen. Gerade deshalb hat auch dieser Gerichte unmöglich war, der Proceß aber geführt werden 30 Mi