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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-24 · Heft 30 (24.7.1883) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 30 (24.7.1883)
Date
1883-07-24
Page
Seite 486 (sequence 8)
Language
German
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486 Smilovics wurde zu Wagen geführt, ebenso Mendelovics; Groß, Klein und ich gingen zu Fuß; ich war krank und doch wollte man mich nicht auf den Wagen aufnehmen. Smilovics saß auf dem Karren, an dem ich mich bis Kiraly-Telek festhielt; dort hielten wirs eine kurze Rast, ich warf mich auf die Erde nieder, der Pandur bot mir Branntwein an, doch wollte ich nur Wasser trinken. Bon dort gingen wir weiter, doch vermochte ich nicht zu gehen; Roka ließ nun Smilovics absteigen und mich auf den Karren setzen. Eine halbe Stunde fuhr ich, dann setzte sich wieder Smilovics hinauf, und so kamen wir am Samstag, 22., Früh in Nyiregyhaza an. Der Untersuchungsrichter sperrte mich in eine kleine Kammer zwölf Tage lang ein, erst in der zweiten Woche, am Dienstag, nahm man mich heraus und führte mich behufs Verhörs zum Untersuchungsrichter. Ich solle die Wahrheit aussagen, sagte er wieder; ich erwiderte, ich könne nichts Anderes aussagen, als daß das nicht wahr sei, was Smilovics erzählte, und dieser sagte wieder, er sei aus Eßeny gekommen und habe von mir 80 Gulden übernommen. Smilovics wußte den Tag nicht anzugeben, an welchem ich ihm das Geld gegeben haben sollte. Hierauf führte man mich in ein anderes Zimmer hinab und man verabredete mit Smilovics, er solle sagen, an welchem Tage es war. Dann rief man mich wieder hinein und Smilovics sagte nun: an diesem und diesem Tage habe ich ihm die 80 Gulden gebracht. Ich sagte, das sei nicht wahr, ich wisse davon gar nichts; ich habe 24 Zeugen dafür, daß ich die Wahrheit sage. Jene drei Zeugen, die jetzt hier vor dem Gerichtshöfe waren, hat er auch nicht vernommen. Ich sagte: „Ich bitte, gnädiger Herr, vernehmen Sie auch meine drei Zeugen!" Doch er erwiderte: Ich brauche die nicht, ich will sie nicht vernehmen. Präsident: Und hat er sie nicht vernommen? Angekl.: Nein. Er schickte mich wieder in das Gefängniß und steckte mich in eine dunkle Einzelzelle. Dort blieb ich länger als drei Wochen, ich war immer krank. Der Arzt Herr Flegmann kam zu mir, aber es nützte nichts; es pochte mir immer in der Brust. Ich hatte Magenkatarrh und das dauerte so drei Monate. Nach drei Wochen kam der kön. Staatsanwalt und gab mich zu anderen Gefangenen und ich blieb dort bis zu Ende. Ich bat immer, daß der gnädige Herr um Herrn Heumann schicken soll, weil er nur die drei Zeugen vernommen habe und daß der Gerichtshof auch meine drei Zeugen vernehmen soll, aber er schickte nicht um Heumann und hernach ließ man mich frei. Eötvös: Herr Präsident! Löblicher Gerichtshof: Die Dinge, welche Amsel Bogel hier erzählt, sind so furchtbarer Art, daß dieselben, wenn sie zur öffentlichen Kenntniß gelangen, sowohl hier vor dem Gerichte, als auch im Lande kolossale Wirkung haben müssen. Da sie aber nun schon vorgebracht wurden, lege ich seitens der Bertheidigung Gewicht darauf, daß dieselben Wort für Wort mit vollständiger Umständlichkeit in das stenographische Diarium ausgenommen werden, und nicht nur in der Form, wie der Herr Präsident dieselbe zu reaffumiren beliebte. (Der Präsident übersetzt nämlich die im deutsch-jüdischen Jargon gemachten Aussagen Bogel's in's Ungarische. D. Red.) Ich erfahre von den Herren Stenographen, daß man nicht einmal den zehnten Theil der Aussage des Angeklagten wegen seines Jargons verstehen könne. Darum ersuche ich den löbl. Gerichtshof verfügen zu wollen, daß die von Vogel vorgebrachten Dinge von Satz zu Satz, von Punkt zu Punkt in das stenographische Diarium ungarisch ausgenommen werden sollen, und nicht blos auszüglich nach der Reassumirung des Herrn Präsidenten, sondern Wort für Wort wie der Angeklagte dieselben hier aussagte. Ein ganz gleiches Martyrium hatte Ignaz Klein zu ertragen, der es zuletzt nicht aushielt und sagte, was man ihm vorsprach. Wie kamen aber Martin Groß und Ignaz Klein, welche dem Smilovics die Leiche übergeben haben sollen, auf die Anklagebank? Man trieb ein Dutzend Eßlarer Juden vor das Gemeindehaus zusammen, stellte sie in der Sommerhitze in Reih und Glied auf und dann nach etwa einer Viertelstunde sagte man dem Jankel Smilovics: „Ta suche Dir die Zwei heraus, welche Dir die Leiche übergeben haben." Und dem Smilovics, der schon so Vieles gestanden hatte, um den Handel los zu werden, kam es auf diese Wahl nicht weiter mehr an, er griff auf's Gerathewohl den Klein heraus, weil er der Flügelmann war, und den Groß, weil er neben dran stand; gesehen hatte er keinen von Beiden sein Leben lang und er hätte die zwei Letzten in der Front ebensogut wählen können, als er die zwei Ersten wählte. Diese Depositionen machten einen sehr düsteren Eindruck; der Präsident war sehr ernst und das Publikum horchte mit zurückgehaltenem Athem. Am 5. Juli um 3 bis 6 Uhr Nachmittags pflogen die vom Gerichtshöfe exmittirten Aerzte in vr. Flegmann's Wohnung die auf Antrag der Vertheidiger angeordnete Untersuchung des Sehvermögens Moriz Schars's. Es intervenirten der königl. Richter Megyeri, Staatsanwalt Bulyovßky und Vertheidiger Di-. Szekely. Moriz erschien mit Henter. Der Befund ist folgender: Das rechte Auge ist dermaßen schwach, daß es auf vier Meter Entfernung nur mehr eine Bewegung, aber keine Objekte unterscheidet, das linke Auge ist kurzsichtig. Farbenblindheit nicht vorhanden.

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